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Das ist Fußballpatriotismus mit menschlichem Antlitz, wie ihn sich selbst Dolf Sternberger in seiner wohligsten Nacht nicht erträumt haben dürfte, und ich würde mich sehr freuen, wenn ich mich am späteren Mittwochabend jenem Verhalten anschließen könnte, das mein geschätzter Altherausgeber Kai Pahl schon während des Spiels Deutschland v. Portugal (jenem — auch dies seine Worte — größten Comeback seit Rocky Balboa) in Aussicht gestellt hatte:
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»Wir haben keine Deutschlandfahne. Wir werden stattdessen gleich nach Abpfiff freudestrahlend und gröhlend das Grundgesetz übern Balkon halten.« Wenn das der alte Jürgen Habermas noch erlebt hätte. (Oder Michael Jackson sich ein Beispiel dran genommen.)
(oder Heilignam?) Es dann doch noch geschafft, am Sonnabend für ein paar Stunden auf das ewiglich pulsierende hannoversche Expo-Gelände zu huschen und dort das Festival für jungen Fotojournalismus anzuschauen. Zwei Erkenntnisse gewonnen: Es gibt in Russland keine Menschen unter 25, die nicht drogenabhängig und HIV-positiv sind. Und Heiligendamm ist das Vietnam einer neuen Generation von Fotojournalisten. Ansonsten sehr beeindruckt gewesen von der hohen Qualität der vorgestellten Arbeiten. Und von einer hervorragenden Veranstaltung, die im Wesentlichen von den FH-Studenten organisiert und mit hochklassigen Gästen bestückt worden ist. Noch zwei Erkenntnisse: Es wäre ein Jammer, wenn aus dieser wirklich gut gemachten Veranstaltung nichts regelmäßiges würde. Und hätte ich bloß mal was anständiges gelernt.
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Wäre das deutsche Fernsehen heute eigentlich überhaupt noch vorstellbar ohne den "Buzzer"?
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Sehr sehr interessanter Ansatz für die EV-Prognose:
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Firstly, we assign each poll a weighting based on that pollster's historical track record, the poll's sample size, and the recentness of the poll. More reliable polls are weighted more heavily in our averages. Secondly, we include a regression estimate based on the demograhics in each state among our 'polls', which helps to account for outlier polls and to stabilize the results. Thirdly, we simulate the election 10,000 times for each site update in order to provide a probabilistic assessment of electoral outcomes. (FiveThirtyEight.com) Scheint mir eine clever ausgetüftelte Methodik zu sein, die aktuelle Trends (Umfragen) in Beziehung setzt zu demographischen Daten und früheren Erfahrungen (Verlässlichkeit des Pollsters, vote records), mit einer inhärenten stärkeren Gewichtung der aktuelleren (sofern verlässlicheren) Daten, was bei einem Rennen, das altbekannte Frontverläufe weitgehend relativieren könnte, noch wichtiger sein dürfte als ohnehin schon. Auf den Praxistest dieses Modells von Nate Silver am 5. November bin ich sehr gespannt.
Die Primary Season ist vorüber. Jetzt noch mal Bilanz zu ziehen wäre in etwa so erhellend wie eine Nach-Spiel-Analyse von Delling und Netzer: nicht sehr. Hillary, favorisiert ins Turnier gestartet, hat die Erwartungen letztlich nicht erfüllt, ihr All-Star-Team blieb über weite Strecken uninspiriert, unorganisiert und uneins, und auch der Heimvorteil konnte nicht genutzt werden. Nachdem ein früher Rückstand noch ausgeglichen werden konnte, lief man dann nach einem zweiten Gegentor ohne rechtes Konzept dem Gegner hinterher. Obama drehte vor allem kurz vor der Halbzeit richtig auf, zeigte aber insbesondere in der zweiten Hälfte erschreckende Abschlussschwächen vorm Tor. Am Ende eines immer zäher werdenden Matchs hatte er aber leicht höhere Spielanteile und erkämpfte sich einen verdienten Arbeitssieg. Bis zum Finale sind aber vom Team Obama noch einige Hausaufgaben zu erledigen.
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Zu den kutter-eigenen Predictions: Bei den 69 Rennen, die hier getippt wurden, waren 57 Vorhersagen korrekt. (Die Rennen vor dem Super-Tuesday sowie Guam und Puerto Rico zähle ich nicht mit, weil ich den Tipp vorher nicht gepostet habe und damit Gott-weiß-was behaupten könnte.) Das ergibt eine Trefferquote von 82,6 Prozent. Das mag gut klingen, ist es aber nicht. Bei einem Rennen, das sich schnell auf zwei Kombattanten reduzierte, ist jedes Ergebnis unter 85 Prozent eher mittelmäßig und nichts unter 90 Prozent wirklich gut. Schließlich konnte man als Laie anhand öffentlich zugänglicher Daten schon auf mindestens 75 Prozent kommen. Zu meiner Entlastung: Ich habe keine Erfahrung mit republikanischen Primaries, die mich insbesondere am Super Tuesday reingerissen haben. Meine beiden größten Fehler bei Demokraten wiederum – Kalifornien, Texas – fußten auf einem ominösen Gefühl, dass jetzt mal eine echte Überraschung dran wäre. Tatsächlich war der Ausgang der demokratischen Vorwahlen aber fast durchgehend überraschungsfrei. Umso mieser ist eine Quote von knapp 83 Prozent. Da gibt es also viel gut zu machen bei der General Election, obwohl diese vermutlich schwieriger zu prognostizieren sein wird. Bereits heute zeichnet sich ab, dass sich ganz neue Voter Coalitions zusammenbrauen können, die die bewährten Prognosemodelle einem empirischen Härtetest unterziehen werden. Wenn die Erfahrungen der Vergangenheit aber noch weniger als ohnehin schon als Indikatoren für eine Prognose taugen, sind wir umso mehr auf Umfragen angewiesen. Und da wären wir dann wieder in dieser 75-Prozent-Zone, in der sich die Dampfplauderer und Zeitungsleser tummeln. (75 Prozent war übrigens exakt meine Super-Tuesday-Quote…)
Schon seit einiger Zeit fällt mir auf, dass die erhellenden, klaren, kenntnisreichen Texte von Moritz Kielbassa (im Alltag ein TSV-1860-München-Spezialist) über Fußball-Taktik, die — zumeist vor großen Spielen und Turnieren — in der Süddeutschen Zeitung erscheinen, oft zum Besten gehören, was der deutsche Sportjournalismus in die Welt scheinen lässt. Leider stellt die Internetredaktion der ß nach auswärtigen Beobachtern erratisch erscheinenden Kriterien offenbar nur ausgewählte Printtexte und damit nicht das Kielbassasche Gesamtwerk online, aber dieses Stück hier ist ein recht schönes Beispiel.
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Ich hätte natürlich auch was über Steffen Simon oder Wolf-Maria Poschmann schreiben können. Aber man muss ja auch mal loben können.
Meine aktuelle Verfassung beschreibt am treffendsten wohl ein Laurel Jones im Cafferty File: "Now I can count sheep instead of delegates at night"
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Das Primary-Tippspiel ist damit nun auch abgeschlossen. 82,6 Prozent Trefferquote, das ist... am oberen Rande der Mediokrität, aber doch auch nicht darüber. Schwamm drüber. Meine Wahlmännerprognose im November wird besser. Vor vier Jahren lag ich nur um 5 EVs daneben.
Zurück von der Spitze des längsten Haares am Arsch der Welt.
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Outloggistan. Im Juni geht's hier wohl irgendwie weiter.
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Was uns Horst Köhler, den man ob seiner Vorgeschichte auch als Krümelmonster der Finanzmärkte bezeichnen könnte, wohl eigentlich sagen wollte, ist, dass nun endlich ein Ruck durch die Finanzmärkte gehen müsse. Das wird helfen.
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Infolge von Update-Arbeiten an der diesem Weblog zugrunde liegenden, an dieser Stelle sehr geschätzten Antville-Software kann es hier gelegentlich zu vorübergehenden Veränderungen bis hin zu Verwerfungen (sofern ich selbst in den Skins herumdilettiere) im Erscheinungsbild kommen. Desgleichen kann es geschehen, dass in Ihrem RSS-Reader immer wieder mal olle Kamellen als fangfrisches Update angezeigt werden, weil ich gerade hier und dort ein bisschen nachjustiere. Bitte lassen Sie sich davon nicht verwirren, dies ist ein work-in-progress. Sie sind gerade Zeuge von etwas sehr Schönem: dem Wachsen und Werden nämlich von Antville 1.2, dem Kind des Antville Summer of Code 2007.
Von Bill Nighy gelernt, wie man lässig mit einem Glas Bier in der Hand am Tresen lehnt.
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Die neuentdeckte Liebe der Christdemokraten zu plebiszitärer Entscheidungsfindung habe ich nie verstanden, der Präzedenzfall Barabbas vs. Jesus Christus sollte eigentlich Warnung genug sein.
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Ich liebe Bleistifte. Ich liebe es, mit dem Bleistift zu schreiben. Warum schreibt man mit einem Bleistift? Weil man das Geschriebene radieren kann. Aber ich radiere nie. Ich wüsste gar nicht, ob ich noch ein Radiergummi hätte und wo es läge. Ich schreibe nur einfach gern mit dem Bleistift. Ich schreibe fast nur noch mit dem Bleistift. Gelegentlich, wenn es schön aussehen soll, also fast nie, nehme ich den Füllfederhalter, einen mittelguten. Ich brauche keinen teuren Füller, denn ich schreibe mit Bleistiften. Könnte man Weblogs mit Bleistift schreiben, wäre hier mehr los. Ich könnte dieses Weblog mit dem Bleistift auf Papier schreiben und dann einscannen und hier posten. Man könnte das dann... "Internet-Tagebuch" nennen. Ich überlege ernsthaft, diesen Neologismus in die Diskussion einzuführen, habe aber Sorge, dass er sich verselbständigen könnte und ihn die Unkundigen dort draußen mit "Weblog" gleichsetzen. Das wäre natürlich recht doof. Aber unabhängig davon schreibe ich einfach unglaublich gern mit dem Bleistift.
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Die akurate Frisur von Barack Obama erinnert mich an den Rasen meiner Mutter.
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Ich würde ja gern etwas originelleres, überraschenderes sagen. Aber um meine Erfolgsquote (derzeit 77,3%) aufzubessern, hier noch einmal für's Protokoll: Die heutigen Potomac-Primaries gehen alle drei an den freundlichen jungen Herrn mit der präzisen Kurzhaarfrisur.
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Solange es Menschen gibt. Imitating film critique at Berlinale '08 [VIA MALORAMA]
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Huch, es ist ja schon wieder Berlinale. Ist dieses Jahr komplett an mir vorbeigegangen. Filmfestival Göteborg hat auch schon nicht geklappt. Seit Nordischen Filmtagen Lübeck und Up and Coming Hannover vollkommen festivalfrei. Falls mich dieses Jahr jemand mit Spesenkonto nach Cannes schicken möchte, bitte ich um Zuschriften an die bekannte Mailadresse. Ich würde mich auch herablassen, 80 Zeilen zu schreiben oder so.
Über dieses Comeback würde ich mich mehr freuen, wenn die genannten Gründe dafür nicht so beschissen wären. Aber freuen muss ich mich trotzdem: achnaja. Ging irgendwann einfach fischen und kam fünf Jahre nicht wieder, der Hund. Die meisten, die heute Weblog lesen oder schreiben oder erklären, wissen ja gar nicht, was für ein Gigant, was für ein Killer der mal war und also ist und bleibt. (Aber damit will ich eigentlich nur damit prahlen, dass ich auch schon etwas länger dabei bin.) Rome von Rounders. Einer, gegen den fast alles spricht ― außer, dass er besser ist als alle anderen.
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In diesen Tagen finden sieben weitere relevante demokratische Primaries und Caucuses statt: Louisiana, Nebraska und Washington State (sowie die Virgin Islands) heute nacht, am Sonntag dann Maine, am Dienstag schließlich Washington D.C., Maryland, Virginia. Insgesamt sind rund 360 Delegierte in der Verlosung.
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Alle Rennen unterscheiden sich: einige sind Primaries, andere Caucuses, manche sind offen, manche geschlossen. Die demographischen Strukturen sind unterschiedlich, was Hautfarbe, Herkunft, Diversität, Bildung und Einkommen betrifft. Die Rennen haben aber auch zwei große Gemeinsamkeiten: Es liegen keine ernstzunehmenden aktuellen Umfragen vor (mit Ausnahme von Washington, wo Obama derzeit ein Vorsprung von 5 bis 13 Prozent vorhergesagt wird), und überall gilt aus unterschiedlichen Gründen Obama als mehr oder weniger deutlicher Favorit. Auch ich sehe für Hillary allenfalls Chancen in Maine, eventuell in Virginia und Washington. Mein Tipp für heute Nacht: dreimal Obama, zu den Virgin Islands fällt mir nichts ein. The Big Mo: Wird Obama seiner Favoritenrolle gerecht, wird er an kritischer Masse weiter zulegen und Schubkraft für die späteren, knapperen Rennen gewinnen. Hillarys Kampagne spielt bereits jetzt die Erwartungen deutlich herunter. Die proportionale Delegiertenverteilung wird allerdings - vorausgesetzt, dass es keine ernsthaften Einbrüche gibt - verhindern, dass sich ein Kandidat allzuweit vom Konkurrenten absetzen kann. Im Gegenteil: das Rennen wird knapper. Und New Mexico zählt immer noch. Zu den Republikanern: Keine Zeit. Zu langweilig.
A new level, ach Quatsch, eine whole new dimension of pathos and Obamania (but I like it natürlich, ich rührseliger Sack, ich): Yes We Can, Teile der New Hampshire Concession Speech als Musikvideo. (Die Rede als Video und Transkript.)
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New Mexico, immer wieder New Mexico. In New Mexico zählen sie immer noch, und bei den Demokraten ist das Rennen so knapp, dass sich noch immer kein Sieger feststellen lässt. Ansonsten aber ist die Super-Tuesday-Bilanz klar, und damit wir auch hier einen Schlusstrich ziehen können, gebe ich NM - dank des aktuellen, vorwiegend im 2. Congressional District herausgefahrenen 1.100-Stimmen-Vorsprungs, jetzt einfach an Hillary. So wird das gemacht, CNN!
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40 Rennen wurden hier getippt: 21 demokratische und 19 republikanische Vorwahlen und Caucuses. Exakt 30 Prognosen waren richtig, 10 waren falsch. Das bedeutet eine Trefferquote von 75 Prozent - kein schlechtes, aber auch kein besonders gutes Ergebnis. Mehr Mittelmaß als wir hier zu akzeptieren bereit sind. Womöglich muss also weitergetippt werden, um die Quote aufzuhübschen. Wie konnte das passieren? 3 Gründe: (1) Sechs demokratische Rennen wurden falsch getippt. Fünf davon hatte ich Hillary zugeschlagen, gingen aber am Ende zugunsten von Obama aus. Schwacher Trost: Drei davon hatte ich zuvor als äußerst knapp eingeschätzt, eines nur geraten - aber dennoch. Ich habe Obama nach Iowa nicht über- und nach New Hampshire nicht unterschätzt. Aber vor dem Super Tuesday habe ich ihn deutlich unterschätzt, insbesondere seine Fähigkeit, in allen Ecken des Landes Mehrheiten zu gewinnen. Ich war mir sicher, dass er aufgrund der proportionalen Delegiertenverteilung mit einer Reihe achtbarer zweiter Plätze im Rennen bleiben würde. Gleiches gilt nun für Hillary. In einem wichtigen Punkt habe ich Obama aber überschätzt: (2) In Kalifornien hatte ich ein knappes Rennen vorhergesehen und auf Obama gesetzt, obwohl ich es irgendwie besser wusste. Alle Erfahrung sprach eigentlich für Hillary, aber ich witterte eine Sensation. Eine Bauchentscheidung, aber nicht nur: Fast überall war ein knappes Rennen prognostiziert worden, nur war es am Ende alles andere als das. Hier ging wohl das Wunschdenken mit mir durch. Nun könnte man sagen: War ja nur ein Staat, einer von 21. Aber es war der wichtigste Staat, den man gewinnen oder verlieren konnte. Schmerzlich für Obama, so wie der Sieg Hillarys in Massachusetts süß war. Da lag ich wenigstens mal richtig. (3) Bei den Republikanern habe ich - analog zu Obama - Mike Huckabee unterschätzt. Mehr als Arkansas hatte ich ihm nicht zugetraut. Drei meiner vier falsch prognostizierten republikanischen Rennen waren Huckabee-Siege gegen den von mir gesetzten McCain. Was das Rennen um die Delegierten angeht, liegt Hillary knapp, aber nicht uneinholbar vorn. Es gibt unterschiedliche Zählweisen, was grob gesagt auf komplizierte Verteilungsschlüssel und sogenannte Superdelegierte zurückzuführen ist, die dem Wählervotum nicht unterworfen sind. Trotz der Schlappe in Kalifornien steht Obama besser denn je im Rennen. Während er Fundraising-Rekorde aufstellt (und ausposaunen lässt), schießt Hillary nun privates Geld in ihre Kampagne. Ich hätte eigentlich erwartet, dass das Privatvermögen der Eheleute Clinton für Anwälte draufgegangen ist, aber wer weiß. Die Staaten, die jetzt in die Verlosung kommen, sind offen in beide Richtungen, in einigen finden Caucusses statt, was Obama liegt. Es wird spannend zu beobachten, welche Dynamik das Rennen nimmt. Momentum, diesen großen Fetisch und Götzen der amerikanischen Politik, können beide, Obama wie Clinton, für sich beanspruchen. Gewinner des Expectation Games ist aber eindeutig Obama. Er ist der Mann für die Überraschungen im Rennen und hat nun auch seine Electability unter Beweis gestellt.
Weiteres Ergebnis der Wahlnacht: Twitter saugt. Ich kann damit nichts anfangen. Ich find ja schon Bloggen seltsam, immer noch nach all den Jahren. Aber twittern? Liegt mir nicht.
Auf der Grundlage öffentlich zugänglicher Umfragen (die meisten davon über diese Links auffindbar), eigener Berechnungen unter Berücksichtigung soziodemographischer Daten und der politischen Vorgeschichte einzelner Staaten, lokaler Berichterstattung, anekdotischer Evidenzen und nicht zuletzt etwas happy guessing sind dies meine Vorhersagen für den Tsunami Tuesday.
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HC = Hillary Clinton, BO = Barack Obama McC = John McCain, MR = Mitt Romney, MH = Mike Huckabee, RP = Ron Paul # = wird ein enges Rennen ! = ist 'ne bombensichere Sache ?( ) = keine Ahnung, Gewinner mehr geraten als geschätzt * = Oh Gott, ich glaub, ich lieg falsch. Wunschdenken? Egal, jetzt bleib ich dabei. Obama gewinnt CA. Ich muss verrückt sein! Oder? Oder doch nicht??? In Kalifornien fällt es schwer, sich festzulegen. Bei den Demokraten spricht alles für Hillary: Monatelang stabiler Vorsprung, exzellente Vernetzung, potente Geldgeber, vor allem aber die ausgezeichnete Bodenorganisation (wichtig für's GOTV). Dennoch hat die Aufholjagd Obamas in den Umfragen zum Patt geführt, alles scheint möglich. Mein Verstand sagt mir: Hillary wird's machen. Mein Instinkt sagt mir, dass es Zeit ist für einen Außenseitertipp: Obama. (Oder doch nicht?) Ähnlich eng ist es in Kalifornien auch bei den Republikanern: Die Umfragen widersprechen sich, schlagen mal für Romney, mal für McCain aus. Huckabee wird Romney in Kalifornien nicht entscheidend schwächen, das Schwarzenegger-Endorsement für McCain sollte man wiederum auch nicht überbewerten. Seine Wirtschaftsorientierung wird Romney mehr helfen als ihm seine religiöse Herkunft schadet. Dennoch: Ich lege mich fest auf McCain. Kalifornien stellt bekanntlich die meisten Delegierten (DEM: 441, GOP: 173), aber auch woanders wird gewählt, und auch woanders gibt es knappe Rennen: Alabama, Connecticut, Missouri und New Jersey bei den Demokraten, Delaware, Georgia, Missouri und Tennesee bei den Republikanern. Manche behaupten, bei den Demokraten könnte selbst NY knapp werden - aber das glaube ich nicht. Anyway, was bringt der Super Tuesday unterm Strich? Beachtet man die Delegiertenkontingente der einzelnen Staaten sowie die jeweiligen Verteilungsschlüssel, würde die obige Prognose bedeuten, dass bei den Republikanern (wie allgemein vorhergesagt) John McCain das Rennen machen wird. Huckabee traue ich außer in Arkansas und vielleicht in Montana keine Siege zu. Romney wird die Mobilisierung des konservativen Partei-Establishments nicht ausreichend helfen können. Bei den Demokraten wird sich das Rennen weiter verdichten und der Super Tuesday noch keine Entscheidung bringen. Gerade hier sind die Verteilungsmodalitäten aber so fieselig und von Staat zu Staat unterschiedlich, dass ich hier keine Delegiertenhochrechnung abgeben möchte - zumal ja auch noch die PLEO-Superdelegierten und ungebundene Delegierte eine Rolle spielen, und in diesem Geschäft habe ich nun wirklich keine Aktien. Wenn Hillary Kalifornien gewinnt, wird Obama weiterhin und noch ziemlich lange hinter ihr herlaufen. Gewinnt Obama, muss ich meine Herztropfen nehmen. Und mir vor allem erstmal welche verschreiben lassen! Es wird spät werden, bis man etwas sagen kann, und bevor Kalifornien nicht ausgezählt ist, kann man eigentlich gar nichts sagen. Manche sagen, eine besonders hohe Wahlbeteiligung deute auf ein gutes Abschneiden von Obama hin, weil er in besonderem Maße Nichtwähler mobilisiert. Das stimmt zwar. Aber als ich während der New-Hampshire-Primary hörte, dass der Andrang auf die Wahllokale alle Rekorde sprenge, ging ich beruhigt zu Bett. Am nächsten Morgen war dann Hillary die Siegerin. Was für ein Rennen! Bei den Demokraten in einer so frühen Phase nur noch zwei Kandidaten im Rennen (naja, wir wollen nicht Mike Gravel unterschlagen) und kein klarer Front Runner zu sehen, Hillary wird immer inspirierender, Obama wird immer staatstragender. Bei den Republikanern ist Rudys Resterampe am Start: der Early Bird hat sich an Florida verschluckt, dazu die Wiederaufstehung McCains (Phoenix liegt nicht umsonst in Arizona), die gegenseitige Neutralisierung Romneys und Huckabees, und wo ist eigentlich die Christian Coalition abgeblieben? Das alles sind tolle Geschichten im großartigsten Vorwahlkampf seit 1992 - aber da bin ich befangen. Bald schließen die ersten Wahllokale. Thank God, it's Tuesday!
![]() Policy wonks, pundits and poll junkies, track the race, day and night, at your desk or on the go: Primary Sources, meine Survival-Liste mit nützlichen Links zu den US-Präsidentschafts(vor)wahlen 2008, auf nullfachen Wunsch jetzt auf dem Kutter. Bzw. was früher mal der Kutter war.
Stockholm Syndrom. An manchen Tagen sind mir meine beinahe zärtlichen Gefühle für Wolf Blitzer dann selbst schon wieder peinlich.
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Wer hier schon etwas länger mitliest, weiß, dass ich in ohne Rest durch 4 teilbaren Jahren weitgehend durch die amerikanischen Präsidentschaftswahlen konsumiert und für andere Themen nur noch bedingt ansprechbar bin. Ich erinnere bloß daran, beim letzten Mal das Endergebnis auf lächerliche fünf Wahlmänner genau vorhergesagt zu haben. (Okay, ich gebe zu, diese Geschichte wäre glaubhafter, hätte ich damals meine Prognose vorab veröffentlicht. Ebenso wie meine diesjährige Vorhersage, dass — egal wer die Caucuses in Iowa gewinnt, und ich hatte hier auf Obama gesetzt — weder Obama noch Clinton den zweiten Platz machen würden, sondern der, der es dann auch tat.)
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Eine gute Übersicht der grundlegenden Fakten (auch zu Details des Wahlsystems) und bisherigen Ergebnisse bieten das Election Center von CNN und der Election Guide der New York Times. Eine gute Presseschau gibt es bei Real Clear Politics nebst eigener Umfrage-Sektion. It's the numbers, stupid! Da Umfragen der Treibstoff sind, der den Motor der amerikanischen Politik befeuert — und hier sollte man sich nie darauf verlassen, was deutsche Medien darüber berichten —, erhält man umfassende aktuelle Daten nebst gelegentlich süffisanter Kommentierung beim Votemaster von Electoral Vote. Für solche Seiten wurde das Internet erfunden: kein professionelles Angebot, sondern die exzellente, enthusiastische (allerdings nicht unbedingt schön gestaltete) Arbeit des Informatikers Andrew Tanenbaum, der auch mal darauf hinweist, wo Umfragen an ihre Grenzen stoßen. Beispielsweise in New Hampshire. Noch tiefer in die Demographie eingraben kann man sich bei Political Artihmetik und bei pollster.com. Denn es ist ja nicht immer die gute alte Sonntagsfrage auch die entscheidende. Ständige Begleiter durch die Berichterstattung und die Umfragenmeteorologie sind außerdem das Campaign Desk der Columbia Journalism Review oder Teagan Goddards Political Wire, Kommentierungen aus dem Betrieb gibt es bei Politico von Capitol News, The Hill oder auf der Website des Magazins Campaigns and Elections. Und natürlich gibt es tausende von Blogs, die ich allerdings weitgehend meide, weil ich um die Sogwirkung dieses ganzen Irrsinns nur allzu gut weiß. Ein gutes Journalisten-Blog (ich glaub ja immer noch, dass das geht) schreibt Marc Ambinder für den Atlantic (wo im Dezember übrigens zwei exzellente Stücke über Barack Obama und Hillary Clinton erschienen sind: 1 | 2). <Nachtrag: Und was ich noch vergessen hatte zu erwähnen: die Blogs auf RealClearPolitics: Jay Costs HorseRaceBlog, Reid Wilsons Politics Nation und das RCP Blog sowie eine praktische Blog-Rundschau.> Mit dieser — unrepräsentativen und etwas willkürlichen — Erst- und Grundausstattung ist man erst einmal recht unabhängig von den Meinungen und Deinungen deutscher USA-Korrespondenten, deren Analyse selten der politischen Dynamik, ja oft kaum den Gegebenheiten des Wahlsystems gerecht wird. Die beschreiben sehr schön das echte oder falsche Lächeln der Kandiaten und interviewen ansonsten reihenweise freiwillige Wahlhelfer oder obskure Politikprofessoren (weil die entscheidenden Repräsentanten der Kampagnen sich meist nur Zeit für die wahlentscheidenden US-Medien nehmen, von den Kandidaten ganz zu schweigen.) Das sorgt für nettes Kolorit, aber eben auch nicht für sehr viel mehr. Da darf man sich dann nicht wundern, wenn nach Iowa plötzlich Obama als neuer Favorit der Demokraten ausgerufen wird. Wobei man fairerweise sagen muss, dass die Berichterstattung amerikanischer Medien nicht weniger hypegetrieben ist und damit nicht dazu beiträgt, das ganze Geschäft berechenbarer zu machen. Und einräumen muss man fairerweise auch, dass die politische Dynamik der primary season so immens ist, dass allein die Zeitverschiebung in entscheidenden Phasen zu beachtlichen Aktualitätsverlusten führen kann. Im Grunde ist eh alles egal: Time hat das ganze Rennen gerade für unberechenbar erklärt. Schuld seien die Wähler: Die machten einfach, was sie wollen. Das mag schon sein. Aber mal ehrlich: Unter Dick Morris oder Karl Rove wäre das nicht passiert! <Nachtrag: Meine Linkliste Primary Sources>
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Barack Obama ist Matt Santos 2.0
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Früher, als ich noch ein Weblog führte, war ich glücklich, wusste es aber noch nicht. Heute, wenn ich mal Gedankengang habe oder etwas passiert, glimmt da gelegentlich dieser Impuls auf: Wenn ich jetzt ein Weblog hätte, ich würde das aufschreiben.
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Jedoch: Versuchen Sie mal einen klaren Gedanken zu fassen oder gar zu formulieren, wenn Ihnen morgens um 7 Uhr einer den großen Absaugschlauch ans Hinterkopfgewinde anschließt und mit Verweis auf gewisse vertragliche Vereinbarungen damit anfängt, alles, was da so sprudelt und gluckert, abzupumpen, so dass Ihnen abends um 23 Uhr, wenn der Schlauch wieder abgeschraubt und eingerollt wird, nichts anderes übrig bleibt, als vom Nachhall des Pumpenaggregats betäubt in einen unruhigen Schlaf zu schrammen. Das ist wahrlich kein Spaß, denke ich mir, es ist mir aber eigentlich gleich, weil ich hier natürlich nicht aus eigener Erfahrung sprechen kann. Ich lebe ja insgesamt und insbesondere ein arg beschauliches Leben und beschäftige mich vornehmlich mit Dingen, von denen meine Mutter einst sehr zutreffend sagte, dass das ja nun wahrlich keine richtige Arbeit sei. Vor allem wenn man bedenkt, dass Arbeit heute ganz offensichtlich darin besteht, sich mit einem Notebook in einer Kaffeebrutzelbude einzurichten und den Studentinnen hinterherzugucken. Wahlweise nennt man das auch Projekt, habe ich mir sagen lassen. Ich hingegen habe mein Notebook das letzte Mal im Frühjahr 2005 vom Schreibtisch weggenommen, als ich damals umgezogen bin. Kürzlich bin ich mit ausgewählten Teilen der Anverwandtschaft für einige Tage in ein Hotel verschwunden. Es war empfohlen, im Internet hinreichend beschaut und anschließend gebucht worden. Die Route war geplant, ein Stapel Stullen geschmiert und die Reise begonnen worden. Dann bogen wir am Zielort um die Ecke, ich sah das Hotel von weitem, und da wurde mir schlaggleich klar: Ich war hier schon mal. Drei Jahre vorher. Ich hatte keine Erinnerung mehr daran gehabt, diesen Landstrich, diesen Ort, dieses Hotel je betreten zu haben. Bis zu diesem Zeitpunkt des neuerlichen Eintreffens, als mir einfiel, dass ich mir damals ein Prospekt eingesteckt hatte, weil ich dachte: Dies ist der perfekte Ort, um mit Teilen der Anverwandtschaft mal für einige Tage zu verschwinden. Nach der Rückkehr fand ich das Prospekt wie erwartet im Hängeregister "Reisen". Was will ich damit sagen? Was ich damit sagen will, ist dies: Es glitscht uns alles zwischen den Fingern weg. Wir können zwar versuchen, das irgendwie aufzuhalten. Es gibt Gemüse, das die Soße vom Teller aufnimmt, damit das Fett nicht über die Spülmaschine ins Grundwasser gelangt. Die Menschen werden immer dicker, weil so viel Fett im Grundwasser ist. Und es gibt Weblogs, in die wir Dinge schreiben, damit diese Dinge kein anderweitiges Eigenleben entwickeln, von dem keiner sagen kann, wo es hinführt. Denn die Dinge, und das ist das einzige von Belang, was ich (neben dem Begriff Wupptizität) je gelernt habe, sind unberechenbar in jeder außer in dieser einen Hinsicht: Letztlich glitscht einem immer alles weg. Nehmen Sie's nicht zu persönlich, es hat nichts mit Ihnen zu tun. Wie Sie dazu stehen, ist dingperspektivisch betrachtet vollkommen wumpe. Das ist es, verehrte Entitäten, geschätzte Umstehende, liebe Mitlesende, was ich Ihnen in all den Jahren mit auf den Weg geben wollte. Es wird Ihnen nicht immer klar gewesen sein. Das lag dann an meinem eigenen beträchtlichen Unvermögen, mich hier begreiflich zu machen. Es ist auch mir nicht immer klar gewesen, und das würde ich dann im Gegenzug gern Ihrem Unvermögen anlasten. Machen Sie sich nichts daraus: Auch das ist dingperspektivisch gesehen letztlich vollumfänglich wumpe. Verdrängung ist, was uns über Wasser hält. Sagen Sie nicht, ich hätte es Ihnen nicht gesagt. Next page |
![]() KUTTER'S PRIMARY PREDICTIONS
Super Tuesday: 40 races ... 30 correct, 10 false /// LA, NE, WA: 3 Obama ... 3 correct, 0 false /// ME: Obama ... correct /// DC, MD, VA: 3 Obama ... 3 correct, 0 false /// HI, WI: 2 Obama, 2 McCain ... 4 correct, 0 false /// OH, RI: 2 Clinton, 2 McCain ... 4 correct, 0 false /// TX, VT: 2 Obama/ 2 McCain ... 3 correct, 1 false /// WY: Obama ... correct /// MS: Obama ... correct /// PA: Clinton ... correct /// IN: Clinton ... correct /// NC: Obama ... correct /// WV: Clinton ... correct /// KY: Clinton ... correct /// OR: Obama ... correct /// MT, SD: 2 Obama ... 1 correct, 1 false Final Track Record: 57 of 69 predictions accurate, strike rate 82,6% ![]()
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