Dichtheit & Wahrung. Hervorgegangen aus Der Kutter. Verdrängung ist, was uns über Wasser hält. http://kutter.antville.org/
Seit 16. Dezember 2001 und 4639 Tagen täglich fangfrisch. Außer manchmal.

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Beitrag von soen soensen | 23.11.12 04:31
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Beitrag von kutter | 10.11.12 10:48


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Now Playing: Camille, »Le Fil«

Now Playing: Camille, Pour que l'amour me quitte, Le Fil

Zwiespältig. Ich mag diese bis ins letzte i-Tüpfelchen durchproduzierten Platten mit all ihren blitzenden kleinen Details nicht, das ist eher was für die Hi-End-Spacken, und insbesondere, wenn es sich um fünfhundert kunstvoll ineinander verwobene Vokal-Spuren handelt, werde ich sehr schnell sehr nervös. Was ich an der Platte mag: die Stimme, die Art des Gesangs, die defensive Elektronik, das Songwriting. Insbesondere bei dem siebten (»Pour que l'amour me quitte«) sowie dem letzten Lied (»Quand je marche«). Das sind zugleich die konventionellsten Chansons auf der Platte. Der Rest klingt streckenweise wie das, was Björk zuletzt im Kopf gehabt haben dürfte, ein getupftes Stimmenwirrwarr, allerdings und glücklicherweise weit weniger versponnen. Alles steht sehr klar vor einem. Zwiespältig.

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Das Weiß des Schnees weht über der Stadt, als wollte sie sich ergeben.

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DER VERFALL DER ZVKVNFT
KANN NICHT MEHR AVFGEHALTEN WERDEN
.


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EXPO 2000 +5 (mit rarem Kutter-Selbstporträt! (und nein: das ist KEIN Bart!))

[EXPO 2000 +5]

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Dichtheit & Wahrung, XXV. Lieferung

||: Die Forderungen nach einem Verbot dieser komischen Gewalt-Telespiele da sind nur folgerichtig, wenn man bedenkt, dass Mark David Chapman ein exzessiver Beatles-Hörer war.   :||
[&]
Vor mir an der Supermarktkasse ein junger Kerl, wirklich richtig jung, mit einer Fehlfarben-LP in Transparentplastik-Schutzhülle unterm Arm. Auf dem T-Shirt unter dem abgeschabten Cord-Sakko steht: »Ich mach auch was mit Medien. « Als er seine Sachen zusammenpackt, flüstere ich ihm zu: »Lauf, solange Du noch kannst!«
[&]
So wie mich auch das Leiden an der großen unerwiderten Liebe zwischen Journalisten und Bloggern immer noch verblüfft. Alle wollen sie Journalisten sein. Dabei gibt es ja nun wahrhaft schönere Federn, mit denen man sich schmücken kann, als jenes Rupfgefieder des gemeinen Medienproletariats.
[&]
Wenig bereitet mir eine tiefere Befriedigung als panisch-empörte Anrufe, weil ich bestimmte Mails nicht beantwortet hätte und nunmehr Fristen überschritten seien. Solche Situationen entstehen häufig, und ich füge hinzu: viel zu häufig, weil ich meinen Mail-Filter aus purer Gehässigkeit sowie blankem Überlebenswillen (und das sind die schönsten Momente, wenn beides miteinander einher geht) so programmiert habe, dass jede Mitteilung unverzüglich und spurlos gelöscht wird, die mit einer leeren Betreffzeile oder allenfalls mit einem einsamen »Fw:                  « o.ä. eintrifft. Man muss sich ja schließlich organisieren. Ich mag diese Telefonate. Die Freude an meinen gelegentlichen Ausflügen ins pädagogische Fach verblüfft mich immer wieder.
[&]
Ich hatte ihm empfohlen, seine weiße Katze Blofeld zu nennen, aber er wollte nicht auf mich hören.
[&]
»Hochinteressant, was junge Leute unternehmen, um mal den Nobelpreis zu gewinnen.«

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Dichtheit & Wahrung, XXIV. Lieferung

Sechs Folgen an einem Abend sind gar nichts: Wenn es um »West Wing« geht, entdecke ich Züge eines Suchtverhaltens an mir, als hätte man Paul Gascoigne über Nacht in einem Off-Licence eingeschlossen. Viel wäre zur sechsten Staffel zu sagen, aber ich unterschreibe einfach jeden Satz von C.J. Gröner hierzu, denn sie spricht wahr, und mir spart es Arbeit und Platz. Denn dieses Weblog, falls Sie es noch nicht bemerkt haben sollten, hat ein Platzproblem. Es hat keinen Platz mehr für mich.
[&]
Es gibt viele Arten, die Zeit totzuschlagen. Manche schnitzen Holzschuhe, andere können nicht ruhen, bevor sie nicht jeden Gegenstand ihres Hauses eingehäkelt haben, wieder andere schreiben, sobald nur etwas Gedankengang in ihrem Kopf einsetzt, ein Weblog voll, was den zumeist sporadischen Charakter neuer Beiträge erklärt. Bzzzzt. Ich wiederum habe in den letzten Monaten viel Zeit damit verbracht, in kleinem Kreise als a-capella-Stimmimitator berühmter Synthesizer-Sounds von »Living on a Prayer« (humpa-humpa-humpa) bis »Holiday Rap« (doüp-dip-dö-dö-dö-dö-doüp) zu reüssieren. Danach dann a-capella-Interpretationen von Bläsersätzen berühmter Soul- und Funk-Klassiker von »Move on up« bis »Soul Power«. Da-da-dap da-da-dadada-da-da-da...
[&]
Liebesbriefe in neuer Rechtschreibung schreiben ist doof.
[&]
Nachdem ich mich juristisch darüber aufklären lassen musste, dass es keine rechtliche Handhabe gegen die erhobene Behauptung gibt, ich hätte Edmund Stoiber einmal »voller Bewunderung« beobachtet, ist meine Karriere als notorischer Prozeßhansel leider noch schneller wieder beendet als sie beginnen konnte. Hmpf. Und sowas nennt sich nun Rechtsstaat!
[&]
Als ich noch ein junger Mann von geringem Verstand war, habe ich mich gelegentlich dazu hinreissen lassen, im Stadion lauthals den Rauswurf eines Trainers zu fordern. Aber auch als junger Mann habe ich mich gern gegen die Masse gestellt, und als der frühere Hannover-96-Trainer Peter Neururer in die Kritik kam und die Stadionmehrheit ihm den Rücken stärkte, habe ich mit meinem langjährigen Kompagnon Delle kontrapunktische »Peter raus!«-Rufe angestimmt. Das damalige Präsidium unter der Führung eines Immobilien-Hais und späteren Swinger-Club-Betreibers ist dieser Aufforderung nur allzu gern gefolgt. Das ist nun elf Jahre her, und seither hat sich Hannover 96 noch von vielen weiteren Trainern getrennt. Zuletzt und kürzlich von Ewald Lienen, dessen Paranoia-Fußball ich zwar nicht ertragen konnte, dessen Entlassung und deren Umstände ich jedoch für unangebracht halte. Aber in Hannover hat man traditionell kein Herz für die Gattung des Trainers, sie gilt dort als nachwachsende Ressource. Der ewige Kreislauf des Lebens. Am Sonntag wird nun sein Nachfolger auf der Trainerbank sitzen: Peter Neururer, und obwohl ich es besser weiß und schon damals besser wusste, freue ich mich darauf. Bislang, wenn unter Ewald Lienen mal ein Sieg erzittert werden konnte, hat man zur Feier des Tages eine Packung Knäckebrot aufgerissen. (Glücklicherweise hält sich Knäckebrot sehr lange.) Aber nun, unter Neururer, könnte man sich überlegen, vielleicht mal wieder verwegen an einem Pils zu nippen.

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Typologie der Berliner Busfahrer

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DER KUTTER berichtet von den 47. Nordischen Filmtagen 2005 in Lübeck

Die Zwickmühlen mahlen langsam


Mal angenommen, Sie haben ein paar schöne Tage in Lübeck zu verbringen, die Luft ist klar und kühl und die Herbstsonne schüttet ihr Licht verschwenderisch über all die wunderbaren Gassen, Kirchen, Kaufmannshäuser aus, ihre Strahlen blitzern und tanzen auf den Armen der Trave, welche die Altstadt sanft umschließen: Würden Sie sich da nicht auch vier Tage in einem dunklen stickigen Kino vergraben und von morgens bis abends Filme schauen, die sich bevorzugt und ausführlich mit Tod, Schuld, Verzweiflung und den großen und kleinen Zwickmühlen des Lebens beschäftigen? Natürlich würden Sie das! Schade deshalb, dass Sie nicht bei den 47. Nordischen Filmtagen waren, deren Programm diesmal von besonderer Düsternis und Tragik geprägt war. Ich habe Sie jedenfalls nicht gesehen. Und den aufdringlichen Bruder Sonne da draußen auch nicht, Suppenkasper, leuchtender!

Tag 1: Mord und Totschlag

Der Totschlag (l.), Wie im Himmel (m.), Nachbarn (r.)

Dieses Jahr will ich alles richtig machen. Nicht mal eben für einen halben Tag nach Lübeck fahren und zwei Filmchen wegflimmern. Diesmal geht es über die volle Distanz. Vier lange Tage wollen gefüllt werden. Also erstmal ein paar Tage auf Vorrat schlafen, sich in einem kleinem Lübecker Gassenhäuschen einmieten und vor der Festival-Eröffnung noch schnell zum Friseur gehen, der alle geäußerten Wünsche sanft ignoriert, um statt dessen ein strenges Ebenbild seines eigenen Haarschnitts zu schaffen. Zum Glück sieht der gut aus. Jedenfalls bei ihm.
_____Den Eröffnungsfilm kenne ich schon: »Drabet« (»Der Totschlag«) des Dänen Per Fly, ein Drama über Schuld und Verdrängung, die uns zwar, wie zu wiederholen ich nicht müde werde, über Wasser hält. Aber manchmal ist man an Land doch besser aufgehoben. Der Verlust von Mitgefühl und Anteilnahme, wo politische Überzeugungen, Loyalität und Liebe ineinanderfließen. Die Grenze zwischen Totschlag und Mord, wo Täter und die Angehörigen der Opfer mit einem Unrecht weiterleben müssen, das wie immer vielschichtiger und widersprüchlicher ist, als man es sich wünscht. »Drabet« schließt Per Flys Trilogie über die dänische Gesellschaft ab und wird am Ende des Festivals — wie schon die beiden Vorgängerwerke, die ich leider nicht kenne — den NDR-Filmpreis gewinnen. Wenn der Film in die deutschen Kinos kommt, werden die Rezensenten vermutlich wieder ihre 68er-Abrechnungs-Phrasenmaschine anwerfen, aber eine starke Charakterzeichnung, hervorragende Darsteller (Jesper Christensen, Beate Bille) und eine hervorragende, teilweise an Arvo Pärt erinnernde Filmmusik (Halfdan E.) unterstreichen, dass es in »Drabet« um eine viel grundsätzlichere Tragik geht.
_____Ich schaue mir währenddessen »Så som i himmelen« (»Wie im Himmel«) des schwedischen Regisseurs Kay Pollak an: ein klassisches Spiel der Gegensätze um einen international erfolgreichen Dirigenten, der seine Karriere aufgibt und in das kleine Dorf seiner Kindheit nach Nordschweden zurückkehrt. Das Mit- und Gegeneinander des Künstlers und der Provinzeier (M. Platzeck) bietet genügend Anlass für rührende Komik und handfeste Konflikte. Und selbstverständlich auch für eine zarte Liebesgeschichte. Eine routinierte Schmonzette mit obligatorisch schönen Landschaftsaufnahmen. Überall um mich herum höre ich Schluchzen. Kein Wunder, dass der Film für einen Oscar nominiert wurde. Das Lächeln von Frida Hallgren ist es allemal wert.
_____Zur Spätschicht gibt es »Naboer« (»Nachbarn«) des Norwegers Pål Sletaune, ein düsteres, verwirrendes, bedrohliches Kammerspiel um Gewalt und Sex, Verdrängung und Scham und die schwimmenden Grenzen des Verstandes und das weite unbekannte Land dahinter. »Naboer« saugt einen in einen labyrinthischen Albtraum in einer labyrinthisch-undurchschaubaren Altbauwohnung, setzt verstörende Schocks und sieht aus wie ein psychopathischer Bastard von David Lynch und Roman Polanski.
_____Da ich auch diesen Film schon kenne und fast jemand erschlagen hätte, nachdem ich ihn das erste Mal gesehen hatte, gehe ich statt ins Kino lieber gleich zum Eröffnungsempfang in einer zum Veranstaltungsort umgebauten Kirche. Man darf nicht in der Mitte des Raumes stehen, wenn man ein Glas in der Hand hat. Wegen des Bodens (der Kirche, nicht des Glases). Und tatsächlich: Alle Anwesenden drängen sich entweder an die linke oder rechte Seitenwand der Kirche, die Mitte ist menschenleer. Sieht aus wie die Wiedergeburt der Apartheid in der alten Hansestadt Lübeck. Das macht keinen Sinn. Hey, gibt's auf der anderen Seite etwa Desserts? Wir erwägen kurz einen Überraschungsangriff auf die Linkswändler.

Tag 2: Der Blues und der Alkohol

Red and Blues (l.); Ein Volksfeind (m.); Factotum (r.)

Das sieht nicht gut aus. Der zweite Tag hat kaum begonnen, und ich fange schon an zu schwächeln. Ich schwänze die 10-Uhr-Schiene und nehme ein ausgedehntes Frühstück bei Bagel Brothers. Aber nachdem das Sonnenlicht da draußen Überhand nimmt, flüchte ich mich doch ins Kino. »Red and Blues« von Susanna Salonen ist ein Dokumentarfilm über den Bluesmusiker Iverson Minter alias Louisiana Red. Seit 22 Jahren lebt er in Deutschland (und zwar in der Hafenstadt des KUTTERS: Hannover) und tingelt durch die Blueskneipen des Landes, eine fürchterliche Parallelwelt voller Schnauzbart- und Lederwestenträger. Das sieht deprimierend aus, ist aber einträglicher als eine US-Tournee, die Salonen ebenfalls begleitet: In seiner Heimat wird Louisiana Red weitgehend ignoriert, und seine Verbitterung hierüber kämpft immer wieder mit der Hoffnung, es irgendwann doch noch zu schaffen. Der Mann ist 71 Jahre alt. Und so trägt Salonens Film den Blues selbst in das Herz eines weißen Mittelschichts-Europäers wie mich, der diese Musik schon seit vielen Jahren nicht mehr hören kann. Als Vorfilm wird mit »Optical Sound« übrigens eine optisch überaus eindrucksvolle »Verfilmung« der »Symphony Nr. 2 for dot matrix printers« gezeigt, auf die ich schon einmal hingewiesen hatte. Der Kontrast zwischen der scheppernden metallischen Steel Guitar Iverson Minters und dieser ritschenden und ratternden Maschinengrooves könnte schärfer kaum sein.
_____Einer der Höhepunkte des Festivals ist »En folkefiende« (»Ein Volksfeind«) aus Norwegen. Erik Skjoldbjærg hat das gleichnamige Henrik-Ibsen-Stück in die heutige Zeit übertragen und zu einem Umweltschutz-Konflikt gemacht. Der Held Tomas Stockman bringt mit seinem dickköpfigen Versuch, sich in einer kritischen Situation korrekt und anständig zu verhalten, seine Firma, seine Stadt, seine Familie und schließlich das ganze Land gegen sich auf. Je mehr auf der Wahrheit beharrt, um so tiefer verstrickt er sich in einer ausweglosen Lage. Eine klassische Tragödie mit unbarmherziger Dramaturgie, die gegen Ende allerdings etwas aus den Fugen gerät. Skjoldbjærg kennt man übrigens durch seinen großartiger Krimi »Insomnia«, Tony Blair kann in 45 Minuten überall sein.der glücklicherweise regelmäßig im Fernsehen wiederholt wird und auch ein US-Remake mit Al Pacino unbeschadet überlebt hat.
_____Zwischendurch schaue ich mir »Frank & Wendy« auf Video an, der eigentlich erst morgen abend laufen wird, ein illes Anarcho-Lo-Fi-Zeichentrick-Gemetzel aus Estland, in dem ein amerikanisches Super-Super-Agentenpaar in sieben Episoden gegen Nazizwerge, fleischfressende Eisbären, kommunistische Seehunde und Gehirnwäsche-Hamburger kämpft. Und zwar in Estland. Der Film bedient, wie soll man es sagen, in empörender Weise gewisse anti-amerikanische Klischees und gefällt sich insbesondere auch in despektierlichen Witzen gegenüber Lettland, das am Ende jeder Episode von den Amerikanern teppichbombardiert wird (»Let's carpet-bomb Latvia!«). Tony Blair tritt in einer Nebenrolle als Taxifahrer auf: Er kann innerhalb 45 Minuten überall sein. Ich glaube, dies ist ein Film, der mikro_robert gefallen müsste.
____In der diesabendlichen Spätschicht läuft »Factotum«, eine Bukowski-Verfilmung von Bent Hamer, der vor zwei Jahren die skurilen »Kitchen Stories« bei den Nordischen Filmtagen gezeigt hat. Hamer macht vieles besser als Barbet Schroeder mit »Barfly«, und Matt Dillon ist ein besserer Hank Chinaski als Mickey Rourke. Und doch scheint Hamers norwegische Lakonie bei diesem in Minnesota (wenn ich mich richtig erinnere) gedrehten Arbeiter- und Trinkerepos seltsam festgefahren. Wenn Dillon seine Dialoge und Off-Texte schleppend langsam über die Zeit quält, während er über den Rand seines Glases stiert, dann scheint auch bei dieser Bukowski-Adaption das Klischee wieder über das Werk zu siegen. Ein Fluch. Und auch wieder nicht. Jetzt muss ich erstmal was trinken.

Tag 3: Das Recht und die Fremde

Zozo (l.); Der Richter (m.); Riot On! (r.)

Noch zu nachtschlafener Zeit, um 10:30 Uhr in der Frühe, beginnt »Zozo«, ein autobiographisch eingefärbter Film des im Libanon geborenen Schweden Josef Fares, der bislang mit »Jalla! Jalla!« und »Kopps« eher für Klamauk bekannt war. Aber jetzt ist das ganze Kino am Heulen, von allen Seiten hört man das Ritschen der Taschentuchpackungen, und zwar den ganzen Film lang. Der zwölfjährige Zozo verliert seine Familie im Bürgerkrieg in Beirut, lässt Freunde und seine erste zarte Liebe zurück und kommt zu seinen Großeltern nach Schweden, wo ihm die Eingewöhnung schwer fällt und ihn die Schatten des Krieges weiter verfolgen. Ein trauriger Film, aber auch voller trotziger Komik. (Langsam gehen mir die Adjektive aus.)
_____Zweite Schicht, mein Favorit für den Hauptpreis: »Dommeren« (»Der Richter«) des dänischen Regisseurs Gert Fredholm. Überzeugt von der Richtigkeit seiner Informationen, überzeugt davon, das Recht korrekt anzuwenden, lehnt der Richter Jens Christian einen Asylantrag ab. Als der Flüchtling einen dramatischen Selbstmordversuch begeht, muss der Richter seine Entscheidung nicht nur vor sich selbst und seinem Gewissen rechtfertigen, sondern auch gegenüber den Kollegen, dem Ministerium und den Medien. Während er zu einem Politikum wird, krempelt sich auch das Privatleben des Richters um: Sein Sohn Erik, den er nie zuvor gesehen hat, nimmt den Kontakt auf und drängt ihn mit sanfter Gewalt dazu, die Distanz zu seiner Familie aufzugeben. Die Verknüpfung eines beruflichen und eines familiären Wendepunkts ist zwar kein besonders originelles dramaturgisches Mittel, aber vor allem die herausragende darstellerische Leistung Peter Gantzlers, der den Richter spielt, lässt den Film nie banal erscheinen. Im Gegenteil erscheint er mir sogar als der dichteste aller Festivalbeiträge, die ich gesehen habe. Hervorragend auch der norwegische Kurzfilm »Bawke« von Hisham Zaman, der vorab gezeigt wurde und der innerhalb von 12 Minuten einen ganzen Spielfilm über einen kurdischen Vater und seinen kleinen Jungen erzählt, die illegal nach Norwegen flüchten und dort versuchen, ihrer sofortigen Abschiebung zu entgehen. Als der Film vorbei ist, legt Peter Gantzler noch sehr lange seinen Kopf in den Nacken, damit ihm die Tränen nicht in den Bart laufen.
_____Den Nachmittag nehme ich mir frei, schließlich will die Garderobe für das abendliche Filmfest ausgewählt werden. Ich entscheide mich für meinen legendären Schatzkanzler-Anzug, aber vor der Party gibt's noch einen Schlenker zurück ins Kino, denn am frühen Abend läuft die furiose finnische New-Economy-Dekonstruktions-Dokumentation »Riot On!«, die den rasanten Aufstieg und abrupten Absturz der finnischen Firma Riot Entertainment nachzeichnet. Mit Communities und Spielen für Mobiltelefone wollten die sechs Gründer Milliardengewinne erzielen, doch von der dahinterstehenden Technik hatte keiner eine Ahnung. Auch Buchhaltung und ähnlich langweilige Dinge wurden zunächst eher »What we need is Hannibal Lecter as a five year old child — on acid.«vernachlässigt. Als Riot-E nach 666 Tagen Bankrott geht, sind 21 Millionen Dollar verbrannt, die internationale Investoren bereitgestellt hatten — darunter Nokia, Rupert Murchoch und die Carlyle Group, in der die Familien Bush und Bin Ladin investiert sind. Wie das Geld eingeworben wurde, aber auch, wie es wieder pulverisiert wurde, zeichnet der finnische Filmemacher Kim Finn mit enormen Tempo, Witz, bunten visuellen Mätzchen, Trickfilm-Einsprengseln und gehöriger Häme nach. Wegen dieser wildgewordenen Machart wird er gelegentlich mit Michael Moore verglichen (Wird er das? Ich würde wetten!), doch anders als dieser große Pamphletist und Selbstdarsteller des Doku-Genres bleibt Finn immer eng an der Geschichte. Und diese Geschichte ist voller wunderbarer ironischer Wendungen — etwa, als sich der Vorstand von Riot-E endlich entschließt, sein Geschäftsgebaren etwas seriöser zu gestalten und sich von einem renommierten Headhunter einen Finanzspezialisten vermitteln lässt. Der wird bald darauf als Hochstapler und Kleinbetrüger entlarvt — und hatte dem Unternehmen zuvor trotzdem den profitabelsten Deal seiner kurzen Geschichte eingefahren. »We should have hired bigger, better, stronger criminals, than we would have made it«, kommentiert der Mitbegründer von Riot-E, John Hakalax diesen Umstand. Darin ist immerhin eine Abkehr von der alten Rekrutierungsphilosophie zu erkennen, die der damalige CEO Jan Wellmann zuvor so formuliert hat: »We need Hannibal Lecter as a five-year-old child — on acid.« Viele Mitarbeiter und Investoren kommen in »Riot On!« zu Wort, aber die Hauptdarsteller sind eben diese beiden treibenden Gestalten: Hakalax und Wellmann. Und genau darin liegt die Crux, denn beide sind auch die Produzenten dieses Films. Und Regisseur Kim Finn war einst selbst bei Riot-E beschäftigt. (Letzteres erklärt beispielsweise, wie die Gruppensex-Aufnahmen einer ausschweifenden Firmenparty in den Film geraten konnten.) Man kann die drei Gestalten also nicht davon freisprechen, den Film als Vehikel für ihre eigene Sicht der Dinge zu nutzen und sich mit »Riot On!« selbst ein Denkmal für einen Fuck-up zu setzen, der in seinem ganzen Ausmaß fast schon wieder cool ist. Man kann andererseits aber auch nicht behaupten, dass das Unternehmen und die Menschen, die es gegründet und gesteuert haben, besonders gut dabei wegkommen. Kritische Töne mischen sich immer noch und immer wieder mit Staunen und schierem Unglauben, und niemand, der den Film gesehen hat und nur halbwegs bei Sinnen ist, käme auf den Gedanken, Wellman oder Hakalax Geld für eine neue Geschäftsidee in die Hand zu drücken. Jedenfalls nicht sein eigenes.
In Finnland ist der Film reichlich angefeindet worden — wegen der personellen Verquickungen von Machern und Gegenstand, aber natürlich auch, weil die Mobiltelefonindustrie dort den Status einer Ersatzkirche hat. Die Anwälte von Nokia und mehrere ehemalige Riot-E-Mitarbeiter haben die Veröffentlichung des Films mit Klagen zu verhindern versucht, aber: Man habe ihn keiner Lüge überführen können, lässt Kim Finn mitteilen — was immer das heißen mag. Er und Hakalax seien derzeit die meistgehassten Filmemacher in Finnland, die finnische Filmstiftung habe angedeutet, dies sei die letzte Dokumentation, die diese beiden je gemacht hätten — jedenfalls mit finnischer Förderung. Ein gewisser Stolz über diesen Wirbel ist unüberhörbar, und der Wirbel passt hervorragend zu dieser »fucked-up media opera«, die nun über die internationalen Film-Festivals tingelt und die so rasant und unterhaltsam geraten ist, als hätte sie ein fünfjähriger Hannibal Lecter gedreht — auf Acid. Don Alphonso müsste das gefallen.
_____Ja. Das abendliche Filmfest in der Kongresshalle. Also. Ich bin während der Filmtage sehr zuvorkommend behandelt worden, außerdem merkt man dieser Veranstaltung an allen Ecken und Enden an, wie liebevoll, sorgfältig und enthusiastisch sie vorbereitet wurde und durchgeführt wird. Deshalb werde ich gewiss nichts nachteiliges zum Beispiel über ein langweiliges Fest mit einer schlechten Cover-Band und wirklich skandalösen Tombola-Preisen sagen. (Ich habe einen Beutel Murmeln gewonnen, eine Packung mit farbigen Bändern [je 0,5 m] sowie einen sog. E-Mail-Öffner aus Edelstahl mit Logo-Aufdruck des Werbemittel-Herstellers, bei dem ich bestimmt noch 5000 weitere Exemplare dieses total lustigen Gimmicks bestellen kann. Als wir gehen, thront der iPod Mini immer noch auf dem Preisestapel, und ich erwäge eine gezielte Straftat.) Die Suche nach einer Kneipe zur After-Party-Party gestaltet sich langwierig, weil eine Bibel, die ebenfalls bei der Tombola gewonnen wurde, den Weg weisen soll. Die heilige Schrift jedoch sagt nichts zur Lübecker Innenstadt. Kein Wunder, dass hier die Kirchen zu Veranstaltungsorten umgewandelt werden! Ein paar gottlose schwedische Dokumentarfilmer drücken unentwegt auf der Tastatur eines Geldautomaten der HSH | Nordbank herum, um diesem ein paar Scheine zu entwinden. Minute um Minute verstreicht. Programmieren die das Ding etwa neu? Knacken Sie gerade den Bibel-Code? Man weiß so wenig.

Tag 4: Der Frost und die Drogen

Frozen Land (l.); Dark Horse (m.); Nordkraft (r.)

Der letzte Tag. Noch einmal stehen vier Filme auf dem Programm. Alles bisher Gesehene verschwimmt in der Erinnerung langsam zu einem einzigen, nicht enden wollenden... naja: Film. Aber wir sind ja nicht zum Vergnügen hier.
_____»Frozen Land« des Finnen Aku Louhimies ist genau das richtige, um einen Sonntagmorgen zu beginnen: 130 Minuten über den Tod, Schuld und Demütigung. Ein in sich verschachtelter, sich an Tolstoi anlehnender Episodenfilm, in denen verschiedene Protagonisten immer wieder zufällig aufeinander treffen und sich dabei meist kein Glück bringen. In diesem Film haben im Gegenteil viele Menschen sehr viel Pech. Nicht nur der Alliteration wegen ist man versucht zu sagen: Kieslowski meets Kaurismäki. Ich bin sehr begeistert, weil dieser Film dem Leiden Zeit gibt und dabei immer wieder die Kraft findet, auch komische Akzente zu setzen. Komisch auch die kurze Fragerunde vor der Vorführung. Welche Erinnerungen er noch an die Dreharbeiten habe? »Es war kalt«, sagt Louhimies. Das sei in Helsinki doch nichts ungewöhnliches. »Nein, nicht ungewöhnlich. Normal.« Warum er den Film nicht im Sommer gedreht habe? »Ich bin ganz zufrieden damit, wie er ist.« Das Publikum auch. Es wird getötet, es wird gestorben, aber niemand weint. Das ist so schön, dass mal niemand weint! Dafür sehe ich sogar gern über den Umstand hinweg, dass mein In diesem Film haben viele Menschen sehr viel Pech.Nebenmann die ganze Zeit furzt. Drüberwegriechen hätte allerdings mehr geholfen.
_____Ein »Dark Horse« ist ein Pferd, auf das niemand gesetzt hat, aber das das Rennen gewinnt. Gleiches gilt für Graffiti-Sprayer Daniel, die Hauptfigur dieser dänischen Produktion, der sich weitgehend mittel- und ziellos durch den Alltag schlägt, bis eine Frau plötzlich alles verändert. Der Film beginnt als ein verschrobenes kleines Schwarzweiß-Machwerk voll skurilem Humor und absurder Situationskomik, ein Slacker-Movie mit exzellenten Dialogen des dänischen Drehbuchautors und Seinfeld-Fans Rune Schjøtt. Ungefähr in der Mitte variiert der Film dann spürbar Ton und Tempo und wird ernsthafter, zielgerichteter. Dieser Umschwung irritiert zunächst, auch weil zugleich die tragende Nebenrolle ausgetauscht wird, doch er spiegelt auch den Wandel, den die Hauptperson in der Handlung durchläuft. Überragend in der Nebenrolle als Morfar (»Opa«) ist Nicolas Bro, der bereits bei den leztjährigen Filmtagen im Politkrimi »Kongekabale« einen starken Auftritt hatte. Morfar arbeitet in einem Institut, das wisschenschaftliche Schlafuntersuchungen durchführt, vor allem aber ist er ein fanatischer, jedoch etwas fehlgeleiteter Fußballfan: Bei Champions-League-Übertragungen beobachtet er nur den Schiedsrichter. Merke: »Fußball ist ein Mannschaftssport. Aber beim Schiedsrichter zählt nur die Einzelleistung!« »Dark Horse« beginne wie eine Seinfeld-Folge und ende wie Kieslowski, behauptet der isländische Regisseur des Films, Dagur Kári Petursson. Beides stimmt nicht so ganz, und das jeweils zum Wohle des Films. Als er Rune Schjøtt in einer Pariser Kneipe kennen gelernt habe, hätten beide gerade für sich beschlossen gehabt, mit dem Filmgeschäft abzuschließen. Am Ende des Abends habe dann die Idee für »Dark Horse« gestanden. So sollten sie es ruhig öfter machen. Im Nebenberuf betreibt Kári übrigens die tolle Band Slowblow. Und seine dänischen Freunden nennen ihn Dark Horse.
_____Aus eigener Doofheit komme ich nicht mehr ins Kino, um »Kim Novak badete nie im See Genezareth« zu sehen, obwohl ich eine Karte hierfür ergattert habe und sogar schon (doppeldoof!) vorab im Saal war, als die etwas unkoordinierte Preisverleihung des Festivals vollzogen wurde. Weggegangen, Platz vergangen. Dabei war dies einer der beiden Filme, die ich allein schon wegen des Titels unbedingt sehen wollte. (Der andere heißt »Die Armdrückerin aus Einsamkeit«.) Das ist insofern schade, als die Hauptdarstellerin Helena af Sandeberg heute anwesend ist, wenn Sie verstehen, was ich meine. Das ist schon was anderes als, sagen wir mal, Peter Gantzler. Man kann sie aber auch hinterher auf den Gängen bewundern. Ah, Ihren Mann und ihr Kind hat sie auch dabei. Na gut. Eigentlich sowieso ein doofer Name für einen Film: Kimnovakbadetenieimseegenezareth...
_____Mein letzter Film: »Nordkraft« des dänischen Regisseurs Ole Christian Madsen nach einem Roman von Jakob Ejersbo. Drei lose mit einander verbundene Handlungsstränge um eine Handvoll junger Menschen in Aarhus. Weil sich letztlich alles immer wieder um Drogen dreht, lt. Rezensionen gar um ein sog. »Drogenmilieu«, was und wo immer das sein mag, wird der Film gern mit »Trainspotting« verglichen. Keine Frage: Auch »Nordkraft« lebt von einem hohen Tempo und skuriler Situationskomik. Aber die Charaktere sind sehr viel differenzierter und stärker gezeichnet, und letztlich ist der Film auch deutlich ernsthafter. Hier geht es um die Suche nach Liebe und Wahrheit und darum, dass es einfach nicht stimmt, dass die Liebe alles besiegt, was sich ihr in den Weg stellt. Und überhaupt: was für ein Weg? Ein toller Film, aber bitte sehen Sie mir nach: Ich habe fast keine Erinnerung mehr an ihn, ich muss schlafen schlafen schlafen.

1,5 Wochen danach: Die Untertitel passen nicht.

Herzlichen Glückwunsch, falls es Ihnen gelungen ist, den Text bis hierhin durchzuhalten. Seien Sie froh, Sie mussten den Riemen bloß lesen! Herzlichen Glückwunsch an Sie erst recht, falls Sie erst hier (wieder) eingestiegen sein sollten. So hätte ich's vermutlich auch machen sollen.
Ich hatte eigentlich gar nicht vor, etwas zu den Nordischen Filmtagen aufzuschreiben. Entsprechend ausufernd und platitüdensatt sind diese nachträglichen Notizen ausgefallen. Was nicht heißen soll, dass ich den Platitüden nicht noch einige hinzufügen könnte. Lange genug bin ich schließlich als Decksteward auf einem Rezensionsdampfer mitgefahren. Und der beste Weg, um einen nicht guten Text richtig schlecht zu machen, ist sowieso immer, ihm ein Fazit anzuhängen. Also bitte:
Was fast alle Filme vereint, die ich in diesem Jahr in Lübeck gesehen habe, ist eine sehr uneitle, aber sehr eindringliche und ernsthafte Art, Geschichten zu erzählen und starke Charaktere zu entwickeln. Ein Blick für Konflikte und Verstrickungen und all jenes, was so gern verdrängt werden will. Und auch die Bereitschaft, den Geschichten die Zeit zu geben, um Zwickmühlen gründlich mahlen zu lassen, langsam und unerbittlich. Wenn ich einen Vergleich zum deutschen Film wagen müsste, würde ich den Namen Christian Petzold droppen und auch auf die letzten Filme von Dominik Graf verweisen, die ich kürzlich im Fernseh gesehen habe. Aber ich bin nicht gerade ein besonders guter Kenner des deutschen Films. Wäre ich naiv oder ein reaktionärer Zausel, würde ich sagen: Was mir an diesen »nordischen« Filmen so gefällt, ist ihre Wahrhaftigkeit. Es fällt mir normalerweise meist sehr schwer, tatsächlich Interesse für den Film, seine Geschichte und Charaktere aufzubringen, wenn ich einen sehe. Weil ja alles bloß noch aus Versatzstück-Dialogik und Komplementär-Dramaturgie zusammengeschemelt wird. (Was immer das nun wieder heißen soll, dürfen Sie sich selbst aussuchen.) Als ich aber nach diesen Filmtagen zurück nach Hause nach Hannover fuhr, fiel es mir schwer, wieder Interesse für die Welt da draußen aufzubringen. Okay, das ist sonst auch nicht anders. Sonst wäre dieses Weblog auch voller. Sie sehen schon: Selbst das Fazit scheitert.
In der ersten Nacht nach meinem Filmmarathon hatte ich Untertitel in meinem Traum. Sie passten irgendwie nicht zur Handlung. So geht's diesem Text auch gerade. Mein Rat: Lesen Sie lieber ein vernünftiges Weblog.

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Ein unaufhörlicher Strom hysterisch-überdrehten Geschnatters dringt durch die Wohnzimmertür. Oh weh, die »Gilmore Girls« laufen wieder.

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