Dichtheit & Wahrung. Hervorgegangen aus Der Kutter. Verdrängung ist, was uns über Wasser hält. http://kutter.antville.org/
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Naheliegendes zum hannoverschen Nahverkehr

Ob die beinahe schon beängstigende Präzision des Taktverkehrs, in dessen Rhythmus die U-Bahnzüge verschiedener Linien des hannoverschen öffentlichen Personennahverkehrs synchronschwimmerinnenartig nahezu zeitgleich in eine Zentralstation mit Mittelbahnsteig wie „Aegidientorplatz“ hinein- und wieder hinausgleiten und so den gleichwohl mürrischen Fahrgästen ein nahezu verspätungs- und wartezeitenfreies Umsteigen gewährleisten, letztlich nur in einer Gesellschaft denk- und organisierbar ist, die die Erfahrung einer brutalen faschistischen Gleichschaltungsdiktatur durchlaufen hat?

Ich denke ja.

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Eher zäh als knapp:
Zum Ausgang der
US-Präsidentschaftswahlen

Bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen sind die Stimmen in 50 von 51 Staaten1 bereits so weit ausgezählt, dass jeweils ein Sieger feststeht. Diese 50 Staaten habe ich in meiner Wahlprognose allesamt richtig prognostiziert. "50 out of 50 ain't bad", könnte man sagen - aber ein wichtiger Punkt ist noch offen.

In meiner Prognose hatte ich zwei Szenarien für den wahrscheinlichsten Wahlausgang erklärt, die von einer Ausnahme abgesehen identisch sind. Diese Ausnahme war der Staat Florida. Das ist jetzt auch genau der Staat, in dem der Wahlausgang offiziell noch immer offen ist. In meinem "konservativen" Szenario fällt Florida an Romney, der Wahlausgang beträgt dann 303:235 Electoral Votes für Obama. Im "aggressiveren" Szenario verteidigt Obama Florida. Dann beträgt der Wahlausgang 332:206 Electoral Votes für Obama. Genau zwischen diesen beiden von mir in Aussicht gestellten Szenarien hängt derzeit auch der tatsächliche finale Wahlausgang in der Schwebe, so lange in Miami-Dade County nach teilweise chaotischen Wahlbedingungen noch gezählt wird.

Wie steht's denn jetzt in Florida?

Eine Entscheidung zwischen diesen beiden Szenarien fiel mir im Vorfeld schwer, weil die Kandidaten in den floridanischen Umfragen auch bei verschiedenen Betrachtungsweisen zuletzt immer gleichauf lagen. Einer Entscheidung auszuweichen und einfach "Toss-up" zu tippen, empfand ich allerdings als uncool. Aus einem Bauchgefühl heraus hatte ich mich deshalb schließlich für das konservative Szenario (303:235) entschieden, damit dann wieder gehadert, kurz mit einer Korrektur geliebäugelt, es dann aber schließlich dabei belassen.

Auch wenn es in Florida noch keinen offiziellen Sieger gibt, scheint aber mittlerweile klar zu sein, wohin die Reise geht. Der Staat ist praktisch ausgezählt, ein knapper Obama-Vorsprung ist seit etlichen Stunden stabil, Gründe für größere Wahlbeschwerden und Recounts gibt es eigentlich nicht, weil das Gesamtergebnis eh nicht mehr gedreht werden kann. Sollten Floridas Wahlmänner also an Obama gehen, wovon man derzeit ausgehen kann, hätte ich in diesem einen Fall aufs falsche Pferd gesetzt. "50 out of 51" wäre zwar immer noch eine ziemlich gute Quote - zumal die Kandidaten in Florida derzeit nur um rund 46.000 Stimmen oder einen halben Prozentpunkt auseinanderliegen. Aber natürlich wäre eine Punktlandung grandios gewesen.

Wie eng war denn nun das Kopf-an-Kopf-Rennen?

Wie auch immer der endgültige Wahlausgang aussehen wird: Der Abstand zwischen Obama und Romney beträgt mindestens 68, wahrscheinlich sogar 126 Wahlmännerstimmen. Das ist kein knappes Ergebnis, das ist auch kein Kopf-an-Kopf-Rennen. Diesem im Gegenteil sehr deutlichen Ergebnis liegen zwar mehrere knappe Rennen in den Einzelstaaten zugrunde, aber bei aller Knappheit waren die Mehrheiten dort über einen längeren Zeitraum durchgehend stabil. Das Ergebnis ist also nicht so überraschend, wie man es nach Zeitungslektüre und Fernsehkonsum in den letzten Wochen hätte vermuten können.

Deshalb möchte ich auch die Bedeutung einer "50 out of 51"-Trefferquote in der Prognose etwas relativieren: Bei diesen 50 richtig getippten Rennen war es nicht so irrsinnig schwierig, 49mal richtig zu liegen, wenn man rechnen kann, auf die heute öffentlich zugänglichen Umfrage- und Prognosedaten zugreift und sich die Mühe gibt, ein wenig in die Zahlen (und das Wahlrecht) einzusteigen. Arbeitsweisen, die im klassischen Journalismus allerdings weitgehend verpönt zu sein scheinen: Dort greift man sich lieber einfach die letzte US-weite Popular-Vote-Umfrage, die gerade über den Ticker kommt (Aktualitäts-Gebot!), ignoriert alle methodischen Besonderheiten der Umfrange sowie das Wahlsystem (Nerd-Kram!) und ruft auf dieser Grundlage einfach fröhlich-fahrlässig einen nationalen Trend aus (Relevanz-Gebot!). So entstehen dann Kopf-an-Kopf-Rennen. Genauso spielt man übrigens auch Fußball-Toto.

Spannend wurde es neben Florida eigentlich nur in Virginia (und für etwa ein halbes Stündchen originellerweise auch noch einmal in Ohio). In Virginia werden die Wahlergebnisse aus den traditionell demokratisch geprägten, bevölkerungsstarken nördlichen Wahlkreisen für gewöhnlich deutlich später gemeldet als die aus den republikanischn geprägten ländlichen Bezirken. Deshalb war klar, dass Romney hier lange in Führung liegen und die tatsächliche Entscheidung erst spät kommen würde. Dass Romney aber soo lange vorne liegen würde wie es gestern Abend der Fall war, hatte mich zwischendurch dann doch beunruhigt. Am Ende betrug der Vorsprung Obamas aber auch hier recht komfortable drei Prozentpunkte.

Beachtlich ist, dass es Obama gestern letztlich gelungen ist, seine historische Wahlmänner-Koalition, die er bei seinem Erdrutschsieg im Jahr 2008 geschmiedet hatte, weitgehend zusammenzuhalten. Nur zwei Staaten, die er vor vier Jahren erobern konnte, musste er in diesem Jahr wieder abgeben: Indiana und North Carolina (mit insgesamt 26 Electoral Votes, die hier auch entsprechend prognostiziert wurden2). Von einem "Denkzettel" also keine Spur.

Es war durchaus unterhaltsam, in der Wahlnacht die Entwicklungen in einzelnen Staaten wie Florida, Virginia, Ohio oder Colorado zu verfolgen und sich etwa von CNNs John King die einzelnen Wahlbezirke auf der Magic Wall erklären zu lassen - gerade weil die Ergebnisse in diesen Staaten lange auf sich warten ließen. Überraschungen gab es unterm Strich jedoch keine, und eine große Spannung, was den endgültigen Wahlausgang betrifft, kam ebenfalls zu keinem Zeitpunkt auf. Dass das Rennen ausgehen würde, wie man es erwarten durfte, zeichnete sich zudem bereits relativ früh ab, auch wenn offizielle Bestätigungen lange auf sich warten ließ. Es war eher ein zähes als ein enges Rennen mit einigen durchaus knappen, aber stabilen Mehrheiten. Ein Rennen ohne Ausreisser, ohne Sensationen - und wenn ich darauf noch einmal herumreiten darf: kein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Und wie steht's beim Popular Vote?

Auch beim Popular Vote liegt Obama mittlerweile mit 2,5 Millionen Stimmen oder rund zwei Prozentpunkten vor Romney. Dass das in der Wahlnacht zunächst lange Zeit anders aussah, war ebenfalls abzusehen. Diese Dynamik hat etwas mit den verschiedenen Zeitzonen, verschiedenen Öffnungszeiten von Wahllokalen und der geographischen Lage bestimmter "sicherer" Staaten zu tun. Aus dem gleichen Grund lag Romney in der Wahlnacht auch in der Wahlmänner-Zählung zunächst längere Zeit vorn, ohne dass das irgendeine Aussagekraft über den endgültigen Wahlausgang hatte.

Der Vorsprung Obamas beim Popular Vote dürfte sogar noch ganz leicht zunehmen, weil insbesondere an der Westküste, wo die Demokraten traditionell die Nase vorn haben, noch nicht alle Bezirke ausgezählt sind. Das Popular Vote-Ergebnis wird zwar sicherlich kein Erdrutschsieg mehr werden, aber es gibt Obama bereits jetzt die Legitimation, die Wahl nicht nur aufrund wahlrechtssystematischer Besonderheiten, sondern durch ein (knappes) Wählervotum gewonnen zu haben. Wer allerdings den Anspruch hatte oder hat, Aussagen über die Wahrscheinlichkeit bzw. nun über das Ausmaß des Wahlausgangs zu treffen, für den sind diese Zahlen allenfalls indirekt relevant.

Wie geht's weiter im gespaltenen Amerika?

Man sollte aus dem knappen Popular-Vote-Ergebnis auch nicht reflexhaft eine tiefe Spaltung der USA ableiten. Anders als die zuspitzungs- und erregungsfreudige Inszenierung der Medienwirklichklichkeit durch die von durchpartisanisierten Pundit-Panels geprägten Cable News-Sendern nahelegt, ist nicht jeder Romney-Wähler ein Obama-Hasser, und nicht jeder Obama-Anhänger ist ein Romney-Verächter. Solche Radikalisierungen gibt es zwar durchaus, aber die Mitte Amerikas tickt nicht wie das politische Washington.

Das bringt Obama allerdings wenig. Die Republikaner haben ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verteidigt, die Demokraten die ihre im Senat. Für den Präsidenten werden die nächsten zwei Jahre also nicht schöner werden als es die letzten beiden Jahre waren. Auch wenn Amerika nicht so tief gespalten ist wie es den Anschein hat - der Kongress ist es durchaus. Anlass zur Hoffnung gibt hier allerdings der Umstand, dass die fundamentalistische Tea Party-Bewegung innerhalb der Republikaner bei den Kongresswahlen geschwächt wurde. Sollte dadurch ihr Einfluss innerhalb der Mehrheitsfraktion im Repräsentantenhaus schwinden, wäre wieder - trotz aller Gräben - ein etwas konstruktiverer Umgang zwischen den politischen Lagern denkbar.

Was haben wir aus dieser Wahlnacht gelernt?

IT'S THE DATA, STUPID! Es war richtig, im Vorfeld der Wahlnacht wie die Demokraten nüchtern auf "cold, hard data" (David Axelrod) zu setzen und sich vom Gerede der "Experten" und Pundits nicht verrückt machen zu lassen. Es lohnt sich, sich mit dem Wahlrecht und mit der Logik und Qualität von Umfragen zu beschäftigen. Es ist sinnvoll, sich ein Bild davon zu machen, welche Daten einem helfen, die Wahl und ihren Ausgang zu verstehen - und welche nicht. Das gilt auch und insbesondere für Menschen, die sich aufgrund ihres Berufsbilds eigentlich nicht als Zahlenknechte, sondern als Männer und Frauen des Wortes verstehen.

HOPE BY NUMBERS: Wir haben in dieser Wahl so deutlich wie vielleicht nie zuvor gesehen, dass Wahlkampf heute nicht mehr nur bedeutet, die Interpretationshoheit über Themen und politische Gegner zu erlangen, sondern auch über die Prognosen. Wer heute im Wahlkampf ein Hoffnungsträger sein will, muss diesen Anspruch mit Daten unterfüttern können. Als die Datenlage einen klaren und konsistenten Trend zugunsten Obamas ergab, beklagten die Republikaner und viele konservative Websites eine angeblich "liberal Verzerrung" der Umfrage- und Prognosemodelle und entwarfen ein Paralleluniversium, in dem sie sich sogar eine Chance in Pennsylvania ausrechneten. Das hat zwar viele professionelle Beobachter wunschgemäß verunsichert, aber in der Wahlnacht erwies sich die Mär vom "liberal bias" der Daten als Pfeifen im Walde - und wohl auch als Selbstbetrug, der manche strategische Entscheidung im Nachhinein als zweifelhaft erscheinen lässt.

GET OUT THE VOTE! Obamas Wahlsieg ist das Ergebnis eines präzisen, planvollen, datengestützten Mobilisierungsprozesses. Mit einer intelligenten, zielgerichteten Allokation der finanziellen und personellen Kampagnen-Ressourcen konnte deshalb die "Firewall" in allen entscheidenen Swing States kontinuierlich aufrecht erhalten werden. Wahlkampf ist damit heute deutlich mehr als das Buchen von Werbezeiten im Fernsehmärkten. Wie erfolgreiche Kampagnen heute ihre "Get-out-the-vote"-Bemühungen steuern, ist aber ein Thema für sich.

PINCH AND DRAG: Öffentlich-rechtliche Fernsehmacher konnten in dieser Wahlnacht wieder einmal lernen, wie man Touchscreen-Wände im Wahlstudio nicht nur als modisches Gimmick, sondern auch als mächtiges Instrument zum Verständnis der politischen Prozesse einsetzen kann. Stattdessen wird sich aber vermutlich in den Redaktionen die Erkenntnis durchsetzen, dass man eine solche Analysetiefe einem deutschen Gebührenzahler leider nicht zumuten kann. Allerdings ist das US-Wahlsystem auch deutlich komplexer als das hiesige und braucht deshalb andere Vermittlungsformen.

Man muss das amerikanische Wahlsystem nicht mögen, und man kann die Parteien und Politiker, die sich in USA zur Wahl stellen, ablehnen. Dass in jedem Wahlkampf neue Rekordsummen an Spendengeldern verbrannt werden und aufwendiges Data-Mining betrieben wird, sind bedenkliche Entwicklungen. Mir fällt es aber dennoch schwer, dem aufgeregten Pathos, mit dem die Amerikaner ihr durchaus verknöchertes, anachronistisches Wahlrecht pflegen und leben, nicht mit einer gewissen Rührung und Sympathie zu begegnen.



1 Der sprachlichen Einfachheit halber zählen wir das District of Columbia zu den Staaten.
2 Interessanterweise sind dies auch exakt jene beiden Staaten, bei denen ich mich vor vier Jahren geirrt und diese für McCain getippt hatte.
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Die QTR Electoral Vote Prognose 2012

Dem US-Politikberater und demokratischen Wahlkampfmanager James Carville habe ich diese ganze US-Wahl-Obsession überhaupt nur zu verdanken. Und James Carville, der sonst nie um eine knackige Meinung oder Behauptung verlegen ist, hat jetzt seine Wahlprognose abgegeben. Er sieht Obama als Sieger, traut sich aber eine Prognose für Colorado, Iowa und Florida nicht zu.

Ich schon. Am Ende muss man sich halt entscheiden, auch auf die Gefahr hin, kräftig daneben zu langen. Wobei ich mich bei Florida auch besonders schwer tue. Gestern noch deuteten sich dort hauchdünne Vorteile für Romney an, heute könnte Obama ganz leicht vorne liegen - wenn man ehrlich ist, ist hier keine seriöse Prognose zu treffen. Man kann raten oder eine Münze werfen oder nach dem Bauchgefühl gehen. Aber wie Chicken James die Festlegung einfach zu verweigern ist uncool.

Hier ist deshalb QTR Electoral Vote Prediction für die US-Präsidentschaftswahlen 2012:

US-Wahlprognose 2012: Wieviele Wahlmänner gehen an Obama und Romney?

Ich habe meinem Gefühl nachgegeben und Florida an Romney gegeben. Damit sehe ich Obama bei 303 Electoral Votes in 25 Staaten sowie dem District of Columbia und Romney bei 235 EVs in ebenfalls 25 Staaten. Das bedeutet mithin einen Vorsprung von 68 Wahlmännern und damit nicht gerade ein knappes Ergebnis. Das wäre der von mir gewählte konservative Ansatz. In einem etwas aggressiveren Szenario könnte auch Florida an Obama fallen. Dann würde das Wahlmänner-Verhältnis 332 zu 206 und der Abstand 126 EVs betragen. Diese beiden Szenarien halte ich für die wahrscheinlichsten.

Aber auch Colorado sieht wahnsinnig knapp aus, New Hampshire und Iowa ebenfalls, und Karl Rove hält sogar Pennsylvania für ebenso eng wie Florida - aber das muss man wohl nicht so ernst nehmen. Die Romney-Kampagne hat viel in Pennsylvania investiert, scheint dort aber nicht wirklich vorangekommen zu sein - ähnliche wie Obamas Leute in Arizona.

Mit meiner Prognose bin ich aus zwei Gründen unglücklich: Zum einen fußt sie diesmal weitgehend auf den veröffentlichten Prognosen anderer und kaum auf eigenen Annahmen und Berechnungen. Das macht nur wenig Spaß. Es fühlt sich nicht an wie etwas eigenes. (Vor vier Jahren habe ich mit Notebook und Notizblock bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck im Kino gesessen und zwischen den Filmen gerechnet wie ein Teufel.)

Und das führt direkt zum zweiten Grund: Das Ergebnis ist wie befürchtet ziemlich unoriginell. Obama bei 303 EVs ist eine Prognose, die man derzeit an vielen Orten gratis nachgeschmissen bekommt. Ich habe deshalb kurz überlegt, Florida doch noch bei Obama einzusortieren und damit mutig voran zu schreiten. Aber irgendetwas in mir sträubt sich dagegen. (Das letzte Mal, als ich gegen mein Gefühl getippt habe, war beim Super Tuesday 2008, als ich Kalifornien an Obama gegeben habe. Hillary hat's dann gemacht. Diesmal bleibe ich lieber bei meinem Gefühl.)

Ein anständiges Ergebnis wäre, nicht mehr als zwei von 51 Staaten falsch vorhergesagt zu haben. (Also nicht schlechter als vor vier Jahren abzuschneiden.) Hoffen wir, dass es nicht eine allzu lange Nacht werden wird. Vieles spricht dafür allerdings nicht. Und am morgigen Mittwoch dürfen Sie dann schon herzlich über meine Annahmen und Vorhersagen lachen, während ich noch im Bett liege und ausschlafe. Na, ist das ein Deal?


State-by-State-Prognose: QTR 2012 EV Spreadsheet (application/pdf, 58 KB)

Swing States-Auszug: QTR 2012 EV Watchlist (application/pdf, 44 KB)


Der Kutter zur Wahl, live bei Twitter: twitter.com

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Neues aus den Rasierklingenstaaten

Relativierende Anmerkungen zur US-Präsidentschaftswahl

Beim Fußball war ich nie besonders gut am Ball (lange Schlakse bewegen sich selten elegant). Also spielte ich an der rechten Außenlinie, wo ich mir den Ball weit vorlegen und mich dann darauf verlassen konnte, dass ich meistens schneller war als meine Gegenspieler. Ich stratzte also los, hängte den Gegner ab, erwischte den Ball kurz vor der Grundlinie und flakte ihn irgendwie rein. Niemand kann sich meine Genugtuung vorstellen, als ein Spieler namens David Odonkor 2006 plötzlich in den WM-Kader rückte. Ich fühlte mich im Nachhinein bestätigt und sah meinen als technisch limitiert belächelten Spielstil rehabilitiert.

Genauso wie beim Fußball halte ich es mit Prognosen: Man muss sich den Ball weit vorlegen. Prognosen müssen klar und scharfkantig sein, egal wie unübersichtlich die Lage ist. Prognosen müssen sich weit aus dem Fenster lehnen, selbst bei Absturzgefahr. Und gerade dann: Eine gute Prognose braucht Fallhöhe. Vorsichtige Prognosen minimieren das Irrtumsrisiko, vor allem aber minimieren sie den Spaß bei der Sache. Vorsichtige Einerseits-Andererseits-Abwägungen braucht kein Mensch. Gestern habe ich dem Affen mal wieder Zucker gegeben und das Kopf-an-Kopf-Rennen im US-Präsidentschafts-Wahlkampf abgesagt.

Dabei bleibe ich auch. Aber einige relativierende Anmerkungen können nicht schaden. Ich glaube nach wie vor, dass das Wahlergebnis schlussendlich nicht sonderlich knapp sein und ein relativ klarer Vorsprung für "Brack Bamma", wie ein einzelner Herr aus der kleinen, verbliebenen Restleserschaft dieses Blogs ihn gerne nennt, herausspringen wird.

Diesem Endergebnis werden aber in den Schwingstaaten (wie der gleiche Herr die ausgeweideten Kampfzonen nennt) eine Menge sehr knapper Wahlausgänge zu Grunde liegen, von denen Obama die Mehrzahl zwar für sich entscheiden können dürfte - dies zum Teil aber eben sehr knapp. Das ist meine Annahme.

Knappe Wahlausgänge in einigen Staaten (oder Wahlbezirken) können zu langen Auszählungszeiten führen. Knappe Auszählungsergebnisse können angefochten werden und Neuzählungen zur Folge haben. In manchen Staaten führen bestimmte Schwellen automatisch zu Recounts. Das bedeutet: Bis ein Wahlsieger einigermaßen verlässlich ausgerufen werden kann, kann es sehr, sehr spät respektive sehr, sehr früh werden. Es könnte auch passieren, dass es am Mittwoch noch keinen Wahlsieger gibt. Es könnte sogar passieren, dass wir - wie 2000 - einige Wochen auf ein endgültiges Wahlergebnis werden warten müssen. Dieses Wahlergebnis würde dann - daran glaube ich weiterhin - zwar nicht allzu knapp sein. Die Art und Weise, wie dieses Ergebnis zustande kommt, punktuell allerdings schon.

Ich glaube nicht, dass am Ende die Wahlmännerstimmen eines einzigen Staates den Unterschied ausmachen werden wie 2000 im Rennen Bush vs. Gore. Und wenn beispielsweise ein eher EV-schwacher Staat wie New Hampshire oder Colorado nachgezählt werden sollte, muss das nicht bedeuten, das damit die ganze Wahl in der Schwebe hängt. Wenn anderswo bereits genug Wahlmännerstimmen für eine Seite verteilt wurden, kann ein Sieger ausgerufen werden, auch wenn irgendwo noch gezählt wird.

Malen wir also den Teufel nicht an die Wand. Mittwoch morgen sollten wir zumindest grob wissen, wohin die Reise geht. Ein Kopf dürfte dann hängen und einer hoch erhoben sein. Wie früher beim Fußball.

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Was geht ab beim Schwingstaaten-Sextett?

Vorläufige Anmerkungen zur US-Präsidentschaftswahl

Es gibt kein Kopf-an-Kopf-Rennen, es gibt keinen knappen Vorsprung: Barack Obama wird die Präsidentschaftswahlen in den USA voraussichtlich mit einem relativ deutlichen Wahlmänner-Vorsprung gewinnen. Ungeachtet der US-weiten Meinungsumfragen zum so genannten „Popular Vote“, die immer wieder die Berichterstattung der Medien bestimmen, zeichnet sich dieses Ergebnis bereits seit Monaten nahezu unverändert ab. Fraglich war hierbei immer nur der Abstand der beiden Kandidaten – oder deutlicher gesagt: das Ausmaß von Obamas Vorsprung.

Dass die Umfragen nach der ersten Fernsehdebatte in Denver kurzzeitig nahelegten, dass der denkbare Vorsprung auf bis zu dreißig Electoral Votes zusammendampfen könnte, hat dem Rennen kurzzeitig etwas Würze verliehen: Was könnte passieren, wenn dieser Trend womöglich anhält? Doch das Zwischenhoch von Romneys Umfragewerten war nur von kurzer Dauer, wenn man sich die Auswirkungen auf mögliche Wahlmänner-Verteilungen anschaut. Und das Wahlmänner-System ist nun mal die Grundlage des amerikanischen Präsidentschafts-Wahlrechts. Die Nase vorn hatte Romney dabei nie.

Dass die Entwicklungen von Popular Vote und Electoral Vote sich zeitweilig zu entkoppeln schienen, ist ein durchaus interessantes und diskussionswürdiges Phänomen – hätte vor allem aber ein Anlass für Vorsicht sein sollen für alle jene, die plötzlich einen nachhaltigen Romney-Aufschwung beobachtet haben wollen. Grundsätzlich gilt in diesem wie in jedem Wahljahr die goldene Faustregel: Ein Korrespondenten-Bericht, der Aussagen zum möglichen Wahlausgang auf der Grundlage einer oder mehrerer nationaler Popular-Vote-Umfragen trifft, kann getrost ignoriert werden. 1

Vom Sandy-Boost zum Denkzettel?

Mittlerweile stellen sich auch die Medien, die bislang immer von einem knappen Rennen ausgegangen waren, darauf ein, dass das tatsächliche Wahlergebnis nicht allzu knapp ausfallen wird. Das ist blöderweise erklärungsbedürftig, und als Erklärung wird nun (beispielsweise im Aufmacher der heutigen SZ) deshalb gerne „Sandy“ angeführt: Der Hurrikan habe Obama gewissermaßen auf den letzten Metern kräftigen Rückenwind gegeben. Die Auswirkungen, die der Sturm und Obamas Krisenmanagement auf das Wählerverhalten haben könnten, lassen sich heute allerdings kaum valide bewerten. Zudem war der Vorsprung Obamas auch vor Ausbruch des Sturms zwar nicht übermäßig komfortabel, aber zumindest deutlich.

Auch wenn der Wahlausgang diesmal etwas enger werden wird, ist der Wahlkampf 2012 langweiliger als der vor vier Jahren. Im September twitterte ich in der mir eigenen selbstherrlichen Art: "Obama vs. Romney ist kein Kopf-an-Kopf-Rennen, ist es seit Monaten nicht, und wird es voraussichtlich auch nicht mehr werden." Bereits Anfang August posaunte ich: „Falls kein unvorhersehbarer crazy shit mehr passiert, sehe ich derzeit kein Szenario, bei dem Mitt auf über 255 EVs kommt. Eher drunter.“ Wie ich nun genau auf 255 gekommen bin (krude Zahl eigentlich!), erschließt sich mir heute nicht mehr, aber auch das war schon als theoretisches Maximalszenario gedacht.

Aus meiner heutigen Sicht liegt ein realistischer Wahlausgang für Mitt Romney zwischen 206 und 244 Electoral Votes. Um die Wahl zu gewinnen, benötigt Romney allerdings mindestens 270 EVs. Dementsprechend sehe ich Obamas EV-Range bei 294 bis 332 EVs. Im schlechtesten Fall besteht sein Vorsprung damit aus 50 Wahlmännern. Selbst das wäre zwar nicht gerade ein Erdrutschsieg, aber alles andere als ein knapper Ausgang. Möglich wäre aber auch ein Vorsprung von bis zu 126 Wahlmännern. Selbst dann werden es sich die deutschen Medien aber vermutlich nicht nehmen lassen, das Ergebnis als einen Dämpfer für Obama auszulegen, weil er die historische 364-Wahlmänner-Marke von vor vier Jahren nicht wiederholt haben wird. Das könnte dann der berühmte „Denkzettel“ sein, ein Bild, das deutsche Journalisten über alles lieben.

Prognose-Profis greifen an

Ich habe in diesem Jahr kein eigenes Prognose-Modell mehr aufgesetzt. Nate Silver von Fivethirtyeight/NYT, Drew Linzer von Votamatic oder Sam Wang vom Princeton Election Consortium haben das Prognose-Geschäft sowohl methodologisch als auch von der Datengrundlage her mittlerweile so weit verfeinert und professionalisiert, dass es ein sinnloses Unterfangen geworden ist, mit den bescheidenen eigenen Mitteln hier noch mithalten zu wollen.

Deshalb – und aus profanen Zeitgründen – habe ich in diesem Wahlkampf keine Primärdaten (insbesondere Einzelstaaten-Umfragen) mehr ausgewertet und gewichtet, sondern schaue mir nur noch die verschiedenen Prognose-Modelle (und nur noch in Zweifelsfällen einzelne, allgemein zugängliche Umfragen) an und bilde mir eine mittelmäßig informierte Meinung. Ein Abweichen von Mainstream oder gar Originalität darf man von meiner Wahlprognose in diesem Jahr also nicht erwarten.

Trotz deutlich höheren Aufwands in den Vorjahren ist mir eine originelle, abweichende Prognose aber eh nur im Jahr 2000 gelungen, mit der ich dann auch kräftig falsch gelegen habe. 2004 lag ich um einen Staat oder fünf EVs neben dem Endergebnis (wegen eines hauchzarten 8.400-Stimmen-Vorsprungs von Bush in New Mexico). 2008 verfehlte ich das offizielle Endergebnis um zwei Staaten oder 26 EVs (Indiana und North Carolina hatte ich McCain zugeschlagen).

Was passiert in der Wahlnacht?

Für dieses Jahr nun hat die New York Times eine schöne interaktive If-Then-Graphik veröffentlicht, die alle 512 halbwegs realistischen Wahlmänner-Konstellationen durchspielt. 431 davon bedeuten einen Sieg für Obama, nur auf 76 dieser Wege kommt Romney ins Ziel.

Um das das Wirrwarr etwas übersichtlicher zu machen, gehen wir mal systematisch an die Sache heran: Bei 39 Staaten steht bereits lange fest, wie die Wahl ausgeht. 382 Wahlmänner sind somit bereits aus der Verlosung. Bei dieser ersten Betrachtung führt Obama mit 201 EVs knapp vor Romney (181).

Bei den verbleibenden zwölf Staaten mit insgesamt 156 Wahlmännern lohnt sich ein näheres Hinsehen. Diese zwölf Staaten lassen sich noch einmal aufteilen: In sechs Staaten zeichnet sich bereits eine einigermaßen deutliche Tendenz ab, wie es jeweils ausgehen dürfte (Pennsylvania, Michigan, Wisconsin und Nevada gehen an Obama, North Carolina und Missouri gehen an Romney). Bei dieser Betrachtung führt Obama mit 253 EVs vor Romney (206).2 Gewonnen hat damit noch keiner.

Die verbleibenden Staaten, in denen der Wahlausgang voraussichtlich sehr knapp ausfallen wird, sind Colorado, Florida, Iowa, New Hampshire, Ohio und Virginia. 3 Diese Staaten bringen gemeinsam 79 Wahlmänner auf die Waage. Von diesen braucht Obama voraussichtlich nur noch 17, um seine Wiederwahl zu sichern. Damit Romney Präsident werden kann, müsste er schon 64 der 79 Wahlmännerstimmen gewinnen. Oder anders gerechnet: Romney muss in mindestens vier der sechs Staaten gewinnen, Obama reichen bestenfalls schon ein Staat (Florida oder Ohio) oder zwei (falls er Virginia gewinnt). In keinem Szenario benötigt er mehr als drei der sechs Staaten.

Geht man nach den gängigen Prognose-Modellen, scheinen fünf dieser sechs Staaten ganz leicht zu Obama zu neigen (Colorado, Iowa, New Hampshire, Ohio und Virginia). In Florida ist der Ausgang völlig offen, hier deuten sich derzeit minimale Vorteile für Romney an. Mit 29 Wahlmännern ist Florida allerdings auch der gewichtigste Brocken in diesem Schwingstaaten-Sextett. Wenn das Gerede und Geschreibe über den angeblichen Romney-Aufschwung jemals einen Sinn ergeben hat, dann vermutlich überhaupt nur hier in Florida, wo Obama einmal knapp die Nase vorn hatte.

Auf dieses Schwingstaaten-Sextett wird in der Wahlnacht also zu achten sein – und das erst recht, wenn es in dem vorgelagerten Tendenzstaaten-Sextett noch zu einer Überraschung kommen sollte. Sollte es Obama beispielsweise überraschend gelingen, in North Carolina oder Missouri zu gewinnen, zeichnet sich für Romney ein Desaster ab. Ein überraschender Romney-Sieg in Pennsylvania, Michigan und/oder Wisconsin hingegen könnte für Obama doch noch ein böses Erwachen bedeuten. Denn wenn Romney das gelingt, könnte er unter Umständen sogar eine Niederlage in Ohio verschmerzen.

Der Kongress tanzt

Zurück zur „Dämpfer“-These. Man kann eine selbst relativ klare Wiederwahl Obamas als Ohrfeige oder zumindest Denkzettel werten, weil Obama die Staaten-Koalition von 2008 nicht zusammengehalten hat – aufgrund der vielen Erwartungen, die er zunächst geweckt hatte, dann aber nicht erfüllen konnte. Wenn man die bisherige Bilanz Obamas bewerten möchte, kommt man nicht umhin, einen Schnitt in der Mitte seiner Präsidentschaft zu machen. In den ersten beiden Jahren hat er zwar nicht alle Wahrversprechen einlösen, aber einige beachtliche Erfolge erzielen können. In den letzten beiden Jahren fehlte Obama eine Mehrheit im Repräsentantenhaus, seitdem ist das politische Washington mehr oder weniger blockiert. 4

Mindestens genauso spannend werden daher auch die aktuellen Kongresswahlen, von deren Ausgang die Handlungsfähigkeit des neuen Präsidenten maßgeblich abhängen wird. Im Repräsentantenhaus scheinen die Republikaner die Nase relativ deutlich vorn zu haben. Etwas unübersichtlicher ist die Lage im Senat, wo es nicht sicher ist, ob die Demokraten ihre aktuelle knappe Mehrheit werden verteidigen können. Mit anderen Worten: Mit klaren Mehrheitsverhältnissen braucht man für die nächsten zwei Jahre eher nicht zu rechnen. Voraussichtlich wird ein demokratischer Präsident erneut einem gespaltenen Kongress gegenüberstehen. 5

Morgen veröffentliche ich hier meine Electoral Vote-Prognose. Wie ich mich bei Florida entscheiden werde, ist mir selbst noch völlig unklar. Und falls dann Mittwoch morgen alles ganz anders aussieht und wir in Romneyworld aufwachen, freue ich mich schon auf das Gelächter über diese allzu selbstgewissen Ausführungen...



1 So schrieb etwa die Welt am Sonntag in ihrem gestrigen Aufmacher: „Die amerikanische Internetseite Real Clear Politics kommt bei einer Auswertung der zehn wichtigsten Umfragen der vergangenen Tage auf einen Vorsprung Obamas von nur 0,1 Prozentpunkten – 47,4 zu 47,3 Prozent.“ Etwas später folgt noch ein wenig weiterführender Verweis auf eine Studie über Wetterfühligkeit und Parteipräferenz.
2 Wer zu übermäßiger Vorsicht neigt, kann auch noch auf Maine, Minnesota, New Mexico und Arizona acht geben.
3 Die New York Times zählt beispielsweise auch Wisconsin dazu, das wir hier aber bereits in die Obama-Spalte einsortiert haben. Auch, weil die 6-plus-6-Staaten-Logik einfach schöner aussieht.
4 Einen spannenden Einblick in diese Zeit bietet beispielsweise David Corns gut informiertes, zugegebenermaßen aber etwas parteiisches Buch "Showdown".)
5 Wer sich auf die Kongresswahlen vorbereiten möchte, für den gibt es einen schönen One-Pager von Rothenberg Political Report.
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Kutter lässt einen twittern:Die NFL 2012 Sonderedition

Seit 2003 blogge oder twittere ich über die Nordischen Filmtage Lübeck. Im Gegensatz zu einigen Vorjahren ist es mir in diesem Jahr sogar gelungen, wieder den einen oder anderen Film zu sehen. Lesen Sie hier in chronologischer Reihenfolge meine gewohnt geschmackssichere Bestandsaufnahme in twitteresk hingeschluderter Kurzatmigkeit.

Oh mein Gott, was soll ich bloß anziehen?

Bin noch nie so unvorbereitet zu den Nordischen Filmtagen Lübeck gefahren. Habe aber vorsichtshalber mal jede Menge Serien aufs iPad gepackt

Die Nordische Filmtage Lübeck-Bilanz: Eröffnungsfilm am Mittwoch war die norwegische Thor-Heyerdahl-Saga "Kon-Tiki". #NordicFilmDays

"Kon-Tiki": Angenehm altmodischer Abenteuerfilm, dessen Hanldung allerdings nur so auf den Pazifikwellen dahinplätschert. #NordicFilmDays

"Kon-Tiki" wurde tatsächlich zweimal gedreht: Einmal auf norwegisch, einmal auf englisch. Fast volle Besetzung war anwesend. #NordicFilmDays

"Kon-Tiki" profitiert vom Hai-Grusel-Reflex, den Spielberg uns eingepflanzt hat. Gut gebaute, gut gebräunte Männerkörper #NordicFilmDays

Falls Sie auf dem Eröffnungsempfang waren: Ich war der, der alle 20 Sek den Liveticker des #H96 Pokalspiels aktualisiert hat #NordicFilmDays

"Dom över död man" (Das letzte Urteil): Schwedisches Ehedrama in unheildräuenden Schwarz-weiß-Bildern #NordicFilmDays

"...död man" wurde in Farbe gedreht und in S/W umgewandelt. Verleihe, die S/W-Version nicht wollen, bekommen die Farbversion #NordicFilmDays

"...död man": Ein arg langsam auserzählter Film über Torgny Segerstedt, einen Journalisten, der gegen Hitler anschrieb. #NordicFilmDays

"...död man": Vor allem geht es aber um Segerstedts Unfähigkeit, die Liebe der Frauen zu erwidern. #NordicFilmDays

"...död man": Jesper Christensen spielt Segerstedt mit dänischem Akzent. Regisseur Troell und Autor "Rif" Rifbjerg waren da. #NordicFilmDays

"Hungry Minds": Ein sehr toller Dokumentarfilm von Beatrix Schwehm über mobile Bibliotheken in Bangladesh, Kenia u. Mongolei #NordicFilmDays

"Hungry Minds": Bibliotheken auf Booten oder Kamelen - und die Menschen, die damit Bücher in die Peripherien bringen. #NordicFilmDays

"Kompani Orheim": Nach "Mannen som elsket Yngve" und "Jeg reiser alene" der dritte Teil der Jarle-Klepp-Saga aus Norwegen. #NordicFilmDays

"Kompani...": Ein Prequel. Jarle ist hier 16, leidet unter seinem alkoholkranken Vater, entdeckt die Musik, Politik, Mädchen #NordicFilmDays

"Kompani...": Kristoffer Joner als Vater Terje ist gewohnt großartig, und Vebjørn Enger als der junge Jarle eine Entdeckung #NordicFilmDays

"Vuosaari" (Naked Harbour): Ein neuer Großstadt-Episoden-Film aus Helsinki von Aku Louhimies im Stil von Frozen Land/City. #NordicFilmDays

"Vuosaari": Zurückweisungen, Demütigung, Verachtung, Einsamkeit, die vergebliche Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung #NordicFilmDays

"Vuosaari": Ich verehre Aku Louhimies sehr, aber nach dem Film wollte ich mir spontan die Pulsadern aufschneiden #NordicFilmDays

"Vuosaari": Dreht Aku eigentlich auch mal nicht im Winter? Hell-sinki ist jedenfalls auch diesmal wieder mal die kalte Hölle #NordicFilmDays

"Fraktus": Die Drei von Studio Braun in einem überraschenden, unerwartet ernsthaften, leisen, ja zärtlichen Film. #NordicFilmDays #fraktus

"Fraktus" ist eine gefühlvolle Meditation über das Scheitern und die alle Hindernisse überwindende Macht der Musik. #NordicFilmDays #fraktus

"Fraktus": Hintergründige Gesellschaftskritik, komplexe Musik, opulente Bilder, Gewalt mit Dönerspießen. #NordicFilmDays #fraktus

"Fraktus": Eine Hymne auf die Freundschaft und die Kraft der Musik. Nichts für das vergnügungssüchtige NFL-Publikum #NordicFilmDays #Fraktus

"Fraktus": Außerdem tolle Landschaftsaufnahmen von Madeira und Brunsbüttel. Oder irgendwo jedenfalls. #NordicFilmDays #fraktus

In "Fraktus" kann man R. Schamoni, H. Strunk, J. Palminger als unerwartet ernsthafte Charakterdarsteller entdecken. #NordicFilmDays #fraktus

"Fraktus": Devid Striesow treibt sein Spiel dann aber doch manchmal etwas zu sehr in Richtung Kunstfilm. #NordicFilmDays #fraktus #taube

"Fraktus" ist ein echter Autorenfilm, was man schon daran erkennt, dass gleich sechs (!) Autoren mitgewirkt haben. #NordicFilmDays #Fraktus

Studio Braun, Regisseur Jessen &al waren anwesend. Sehr introvertierter, nachdenklicher Auftritt. Strunk war stramm #NordicFilmDays #fraktus

Gestern abend Filmschuppen-Party. War nach "Fraktus" aber zu sehr in Gedanken, um zu richtig zu feiern. Trotzdem viel Bier. #NordicFilmDays

Wie geht's heute weiter? Gleich Olof-Palme-Doku, später vlcht noch "People Out There" (Lettland) u./o. "Uskyld" (Schweden). #NordicFilmDays

Heute abend dann planvoll herbeigeführter Filmriss auf der Filmpreisnacht. Danach das Hotelzimmer verwüsten, wie jedes Jahr. #NordicFilmDays

Nordische Filmtage ist jedes mal wieder harte Arbeit. Und nächste Woche ist dann schon US-Wahl. Habe seit 3 Wochen keine EVs mehr gerechnet.

Der Kutter wurde auf den #NordicFilmDays auch dieses Jahr wieder ausgestattet von: Boardrider, maKULaTUR und Galenus-Apotheke

Wie ich es schaffe, auf den #NordicFilmDays ohne Kater aufzuwachen? Vor dem Schlafengehen immer eine hiervon nehmen: pic.twitter.com/f2d7cf2j

Hotels ohne Wasserkocher auf den Zimmern sind grundsätzlich immer abzulehnen.

Wer ist dein Freund bei Nacht und Tag? / Das Glutamat, das Glutamat.

"Palme": Solide und informative Bio-Doku über Olof Palme - weniger über seine Ermordung als seinen politischen Werdegang. #NordicFilmDays

"Palme": Warum müssen heute eigentlich selbst Dokus mit eigener Filmmusik zugebreit und hochdramatisiert werden? #NordicFilmDays

"Palme": Sind historische Filmdokumente heute etwa musikalisch erklärungsbedürftig durch Leute wie Benny Andersson? C'mon! #NordicFilmDays

("Palme") Benny Andersson: Thank you for the music. Not. #NordicFilmDays

"Palme" Fun Fact: Der Onkel der Freundin des Cousins meiner Lebensrestlaufzeitpartnerin wurde übrigens auch interviewt. #NordicFilmDays

"Fraktus"/"Palme": Eines hab ich bei den diesjährigen NFL gelernt: Devid Striesow MUSS Olof Palme spielen! #NordicFilmDays

Das Problem mit der Filmpreisnacht ist jedes Jahr der Kollege Carlsberg, der mir irgendwann immer einen über die Rübe zieht #NordicFilmDays

Thomas Vinterberg hat mit "Jagten" drei Preise abgeräumt, und ich habe wie jedes Jahr den Gewinnerfilm wieder nicht gesehen. #NordicFilmDays

Orr, Kollege Carlsberg, die Sau!

Orr, Kollege Carlsberg ist ein echt hinterhältiger Hund!

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