Dichtheit & Wahrung. Hervorgegangen aus Der Kutter. Verdrängung ist, was uns über Wasser hält. http://kutter.antville.org/
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» LUX Luxemburg
Beitrag von Luxpark Luxemburg | 23.10.18 21:35
» P3 Parkplatz Flughafen Weeze
Beitrag von Parkplatzvergleich | 22.09.18 11:55
» kein Hund erwähnt
Beitrag von bubo | 15.08.18 16:31
» im grunde isses skandalös
Beitrag von kleinzwolferl | 28.02.17 21:11
» Ich denke, dass das Bloggen...
Beitrag von gHack | 28.02.17 20:39
» Das stimmt. Ich habe es...
Beitrag von kutter | 27.02.17 17:57
» Hm.
Beitrag von gHack | 27.02.17 15:48
» Yay, das sieht sehr fein...
Beitrag von kutter | 11.04.16 08:16
» Very fab, Mr. Tobi, Sir.
Beitrag von gHack | 09.04.16 14:07
» Das mit den Zeilenlängen war...
Beitrag von tobi | 09.04.16 14:04

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A New Breed of Democratic Kung-fu Fighters

Demokraten gelten als notorisch undisziplinierte, ängstlich-paranoide und chronisch unterfinanzierte Wahlkämpfer. Heute muss man jedoch feststellen, dass die Obama-Kampagne die Republikaner auf allen Feldern geschlagen hat, auf denen die GOP seit vielen Jahren haushoch überlegen war: Fundraising, Microtargeting, Organisation, GOTV. Und als der Wahlkampf schmutzig wurde, reagierte das Obama-Camp anders als andere demokratische Präsidentschafts-Anwärter so souverän, diszipliniert und bretthart, dass die Attacken auf den Angreifer zurückfielen. Gleiches gilt für die in dieser Größenordnung unerwarteten Wirtschaftskrise, wo ebenfalls sofort der richtige Ton gefunden wurde. Kleinere Schwächen wie Iran, Georgien und ein schwacher Bowling-Nachmittag wurden nie zu zentralen Themen. Dieser Demokraten-Wahlkampf spielt in einer ganz anderen Galaxie als etwa die von Bob Shrum zusammengeschrummten Kampagnen für Gore und Kerry ― von Dukakis ganz zu schweigen.

Barack Obama haben nicht nur seine Botschaft des Wandels, die Unbeliebtheit des amtierenden Präsidenten und die ökonomische Krise nach vorne geholfen. Er hat die gefürchtete republikanische Wahlkampfmaschine auch in ihrem ureigenen Spiel geschlagen. Das man heute ― durch nie geahnte Fundraising-Rekorde finanziert ― McCain selbst in Staaten wie North Dakota, Georgia oder Arizona (!) in die Defensive und damit zum Splitten seiner Ressourcen zwingen kann (McCain musste bereits Teile seiner Wahlkampf-Infrastruktur vorzeitg abwickeln, um mehr Geld für Fernseh-Werbespots zu erlösen), ist nicht allein durch rhetorische Kraft oder die Zeitgemäßheit einer wolkigen Vision zu erklären. Obama hat die Republikaner organisatorisch, finanziell und strategisch überrollt.

Dass die Republikaner sich haben derart überrollen lassen, verwundert um so mehr, als alle Qualitäten, die die Obama-Kampagne zeigt, bereits in den demokratischen Primaries eindrucksvoll zu bewundern waren. Tatsächlich war die von Spenden und Kontakten getriebene Politik-Maschine von Hillary Clinton schwerer zu schlagen als die McCain-Kampagne, doch gelang dies letztlich mit den gleichen Mitteln, an denen sich heute die McCain-Manager Schmidt und Davis die Zähne ausbeißen.

Clinton wurde von der Wucht der Obama-Welle überrascht und war gehandicapt durch ihre eigene Organisation, die aufgrund interner Streitigkeiten und einer ebenso widersprüchlichen wie fehlerhaften Wahlstrategie nie zur vollen Schlagkraft gelangte. (Nach allem, was man hört, muss die interne Hymne des Hillary-Camps "Everybody was kung-fu fighting" gewesen sein...) Warum die Republikaner allerdings trotz aller Vorwarnungen bis zuletzt keine schlagende Antwort auf die Obama-Kampagne gefunden haben, ist die wesentlich interessantere Frage.

Gefeiert für diesen Wahlkampf werden vor allem David Axelrod als Medienstratege und David Plouffe als Wahlkampfmanager, dem zuzuschreiben ist, dass eine rasant wachsende Organisation mit einer in der Demokratischen Partei nie dagewesenen Disziplin und Präzision agiert. Hinzu kommt Steve Hildebrandt, der mit einer milimeter-genau ausgetüftelten Vorwahlstrategie die Grundlage dafür gelegt hat, die unschlagbare Hillary Clinton aus dem Rennen zu kegeln. Und nicht zu vergessen ein Fundraising-Team, dass die amerikanische Wahlkampffinanzierung von Grund auf revolutioniert hat.

Man sollte sich jedoch hüten, die Obama-Kampagne nun als einen Solitär hinzustellen, mit dem sich allenfalls noch der von James Carville und George Stephanopoulos gesteuerte 1992er Clinton-Wahlkampf messen könne (vgl. hierzu den ausgezeichneten Dokumentarfilm »The War Room«, den die Süddeutsche Zeitung gerade auf den Markt gebracht hat). Denn tatsächlich haben die Demokraten bereits vor Obama das Hardball-Game wiederentdeckt. Die Demütigungen von 2000, 2002 und 2004 haben zu einem massiven Umdenken bei den Demokraten geführt. Unterstützt von Nancy Pelosi entwickelte sich eine new breed demokratischer Wahlkämpfer, die vor den Kampagnen Karl Rove'scher Prägung nicht mehr ängstlich zurückwich, sondern massiv in die Offensive ging.

In diesem Sinne verstehe ich die Obama-Kampagne als direkte Fortsetzung des 2006er Kongress-Wahlkampfs, in dem die Demokraten eine lange nicht gesehene Härte und Effizienz an den Tag legten und den Republikanern eine demütigende Niederlage beibrachten. Die Verlierer schoben dieses »Massaker« auf die Unbeliebtheit des Präsidenten ― und unterschätzten damit bis heute die neue Professionalität ihrer bislang nur müde belächelten Gegner, die nun bei Obama eine neue Qualität erreicht. Die grimmige Entschlossenheit, mit der die Obamas Bodenpersonal die personell und finanziell unterlegenen McCain-Truppen selbst in vermeintlich sicheren »roten Staaten« vor sich hertreibt, erinnert stark an 2006.

Geführt wurde dieser Kongress-Wahlkampf im Wesentlichen von Rahm Emanuel, einem engen Vertrauten Obamas, ebenfalls aus Illinois. (Emanuel steht übrigens den Clintons ebenfalls nahe, er war Nachfolger von George Stephanopoulos als Bill Clintons Sonderberater im Weißen Haus. Besser vernetzt kann man in der Demokratischen Partei nicht sein.) Heute gilt Emanuel als ernstzunehmender Kandidat für den Posten des Stabschefs in Obamas Weißem Haus. (Er selbst würde es vermutlich so formulieren: »fucking Chief of Staff at the fucking White House«. So wie Barack Obama als Vorbild für die West Wing-Figur Matt Santos herhalten musste, erkennen wir viel von Rahm Emanuel in der Figur des Josh Lyman.) Auch andere wichtige Protagonisten des 2006er Wahlkampfs wie der Pressesprecher Bill Burton spielen heute eine zentrale Rolle in Obamas Wahlkampf und werden wohl ebenfalls ins Weiße Haus einziehen. Obama wiederum unterstützte den Kongress-Wahlkampf nach Kräften. Wenn es beispielsweise galt, hoffnungsvolle Aspiranten von einer Kandidatur zu überzeugen, schickte Emanuel einen Käsekuchen ― und einen persönlichen Anruf von Obama.

Obama wurde schon bei den diesjährigen Vorwahlen als wolkig-abgehobener, elitärer Schöngeist dargestellt, der gut daherreden könne, dem aber die notwendige Härte fehle, um sich der Attacken der Republikaner erwehren zu können. Diese Charakterisierung war durchaus effizient, wie der bis zuletzt offene, verbissen geführte Vorwahlkampf belegt. Das Problem der Obama-Gegner war, dass sie an diese Charakterisierung wohl selbst geglaubt haben. Es wird gern übersehen, dass Obama das politische Geschäft in der harten Schule der Demokratischen Partei Chicagos gelernt hat ― und das mitnichten nur als Community Organizer. Er ist in einer rauen Organisation groß geworden, in der man zum Boxen nicht erst Handschuhe anzieht und in der ein Tritt in die Weichteile als visionär gilt. Dieses Kapitel seines Lebens wird in Obamas Autobiographie »Dreams of my Father« allenfalls gestreift. Es passt nicht zum Image eines Mannes, der das politische Establishment zum Edleren wandeln will. Aber es zeigt, dass man seine Entschlossenheit und Härte nicht unterschätzen sollte (s. hierzu Ryan Lizzas ausführliches Stück im New Yorker).

Die Republikaner haben aus ihrem 2006er Debakel ebenso wenig gelernt wie aus dem beispiellosen Untergang Hillary Clintons, für den sie allenfalls Häme übrig hatten. Tatsächlich erinnert der heutige Wahlkämpfer McCain mit seinen oft kopflos erscheinenden Änderungen der politischen Richtung und des persönlichen politischen Stils an die zunehmend verzweifelte Hillary im Vorwahlkampf. Beide Kampagnen sind angesichts der Obama-Maschinerie, die seit Anfang des Jahres den Rhythmus der politischen Debatte vorgibt, ähnlich widersprüchlich, profillos und defensiv geblieben. Beide Kampagnen waren von Anfang an getrieben. Und das bei zwei Kandidaten, die sich mit Recht viel auf ihre langjährige politische Erfahrung und Kampferprobtheit einbilden können.

Mit Barack Obama steht heute ein Mann kurz vor dem Einzug ins Weiße Haus, der zu Beginn des Jahres noch als Nummer 3 für die demokratischen Primaries gehandelt wurde. Dem nachgesagt wurde, er wolle sich nur auf der nationalen Bühne präsentieren, damit sich die Wähler an ihn gewöhnen ― für 2012 oder 2016. Wer auch immer heute glaubt, er habe eine ungefähre Vorstellung davon, wie eine Obama-Präsidentschaft aussehen könnte, sollte sich auf weitere Überraschungen gefasst machen.














Quelle: http://Kutter.dev.antville.org/

 
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