Dichtheit & Wahrung. Hervorgegangen aus Der Kutter. Verdrängung ist, was uns über Wasser hält. http://kutter.antville.org/
Seit 16. Dezember 2001 und 2759 Tagen täglich fangfrisch. Außer manchmal.

» Herzlich willkommen! Sie sind nicht eingeloggt.
» Um weitere Funktionen nutzen und Kommentare veröffentlichen zu können, müssen Sie sich zuerst mit Ihrem Benutzer-Namen hier einloggen.
» Falls Sie noch keinen Benutzer-Namen und kein Passwort haben, können Sie sich hier registrieren.


» ja. wir dachten, wir versuchen...
Beitrag von kutter | Di, 30. Jun, 16:40
» auf subtilere art hat selten...
Beitrag von boecker | Di, 30. Jun, 16:33
» decemberists hören: immer gern. allerdings...
Beitrag von kutter | Di, 30. Jun, 11:46
» wenn genesis "the lamb lies...
Beitrag von boecker | Di, 30. Jun, 11:40
» Ein gelber Cabrio ist im...
Beitrag von diestimmeausdemhintergrund | Do, 25. Jun, 16:45
» Das
Beitrag von kutter | Do, 25. Jun, 16:06
» naja, ich weiß nicht, ob's...
Beitrag von boecker | Do, 25. Jun, 13:34
» Glücklich jene, die beim Einkauf...
Beitrag von kutter | Do, 25. Jun, 12:45
» Ich hätte eher getippt, einen...
Beitrag von goncourt | Do, 25. Jun, 09:11
» der resp. die
Beitrag von boecker | Mi, 24. Jun, 21:38


» 0000ff
» 15:00 Taktikbesprechung
» 2 oder 3 dinge
» abb.
» achnaja
» affectionista
» allee der spackonauten
» allesaußersport
» alles wird gut
» anke gröner
» argh!
» außerlomografische opposition
» batzlog
» belle de jour
» bildblog
» blogbar
» [bov] eier erbsen schleim und zeug
» camp catatonia
» chuzpe
» close your eyes
» coffee and tv
» cursor
» Das Fanmagazin (Hannover 96)
» das hermetische café
» dekaf
» dem herr paulsen sein kiosk
» dienstraum
» digital ist besser
» dogfood
» domino | cover by cover
» drum und dran
» e621
» elektrosmog
» elementarteilchen
» elephäntville
» elfengleich
» emily's beatbox
» enlarge your pen
» erratika
» etc.pp
» euroranch
» everything's gone green
» existenzielles besserwissen
» fernsehratgeber
» filmtagebuch
» fischlog
» flagr.ant
» fontblog
» fotok
» frafuchs
» fragmente
» frappantville
» freakshow
» freememes
» funkenfeuer
» funktionale gruppe
» gesprächsfetzen
» gigantville
» goncourt's blog
» googleschmoogle
» haboglabobloggin'
» heimchen
» henso
» hirn&verbrannt
» hoffentlich kann man das später noch ändern
» hunkabutta
» i hate music
» (i think) he was a journalist
» indirekter freistoß
» industrial technology & witchcraft
» insects are all around us
» instant nirvana
» interieur
» ipod
» irgendwas ist ja immer
» iso800
» jump cut
» kaffeetanten
» knipser
» kommunikationsguerilla
» kompetenzteam
» kollektiv, das
» krit
» le grande bouffe
» le lounge electronique
» letters from rungholt
» ligne claire
» logladies
» malorama
» medienrauschen
» mediumflow
» mehrzweckbeutel
» melancholie modeste
» meow
» meine kleine stadt
» metal machine music
» miagolare
» minusvisionen
» miss.understood
» nanoblogg
» neuronale emergenzen
» new filmkritik
» new filmkritik für lange texte
» newsdesigner
» nichts. es ist nichts
» ofterdingen and kropotkin
» ohne punkt
» ohrensessel
» ortsanfang
» pan-o-rama
» paranews
» passe.par.tout
» pop-log
» psycholog
» qfladen
» rebellen ohne markt
» relatin' dudes to jazz
» robot
» romblog
» ronsens
» savoy truffle
» schiffsmeldungen
» schriftstellwerk
» selbr
» sexblog | was von der hitze übrig bleibt
» she said destroy
» siebenviertel
» sofa. rites de passage
» spindoktor
» stattgeschichten / picture edition
» stefan niggemeier
» street art
» supatyp
» supernova express
» synchron./monochron
» taberna kritika
» the new joerg times
» the smorgasbord
» tomte weblog
» too posh to push
» txt
» ubique
» unrund
» vague
» verflixt und zugenewst
» wasted comments dump
» wildcard
» wörterberg
» worldwideklein
» zirbel
» ziboy
» zwitscherdiele






resident of antville.org #347//D-2759
Helma Object Publisher

XML version of this page Hannover 96
www.hannoverblogs.de
Get Firefox!


 
pixel
Seit einiger Zeit parkt regelmäßig ein Jaguar XJ in Botanic Green in unserer Straße. Er muss vor einigen Wochen in die Gegend gezogen sein. Heute morgen nun lungerte auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein weiterer dunkelgrüner Jaguar herum, dieser zwar nur ein S-Type, dafür aber immerhin mit Damenstrohhut auf der, nunja, Hutablage. Man kann es diesem Stadtteil förmlich ansehen, wie er herunterkommt.

Link   |   10 Kommentare   |   jetzt kommentieren





pixel
Selbstabmahnung

Hier stand gestern für kurze Zeit so ein blöder "Herr Lehrer, ich weiß was"-Beitrag von mir, den ich so unoriginell fand, dass ich ihn zwei Stunden später einfach wieder gelöscht habe. Er war sogar noch unorigineller und unwitziger als dieser blöde Kurras-Beitrag hier drunter, den ich allerdings schweren Herzens stehen lasse, denn wenn ich jetzt alles löschen würde, was ich hier unoriginell und misslungen finde, wäre wieder viel Speicherplatz im Internet frei für die ganzen anderen Idioten da draußen, die es noch schlechter machen als ich, und das kann ja auch keiner wollen. So. Bevor ich jetzt aber noch mehr Mails bekomme, in denen ich gefragt werde, ob ich diesen einen unfassbar brisanten Streber-Beitrag etwa deswegen gelöscht hätte, weil der Spiegel mit irgendwelchen Konsequenzen gedroht hätte, nur weil ich meinem Eindruck, dass die schon wieder 'ne aktuelle Titelstory vom Atlantic abgekupfert haben, Ausdruck verliehen habe (bisherige Anzahl von diesbezüglichen Anfragen: 1, aber das ist für meine Verhältnisse schon ein beachtlicher Rücklauf), beantworte ich diese Frage wahrheitsgemäß mit "Nein". Warum sollten sie auch? Unfug. Ich will aber trotzdem niemand davon abhalten, ein Solidaritätskonto für meine Rechtsvertretung einzurichten. Ich vertrete mich übrigens selbst.

Link   |   3 Kommentare   |   jetzt kommentieren





pixel
Karl-Heinz Kurras soll übrigens auch ein begeisterter Counterstrike-Spieler gewesen sein, Tag und Nacht nur Slipknot-Schallplatten gehört und überdies leidenschaftlich gern Paintball gespielt haben. Keine Ahnung, wie er das damals hinbekommen hat, aber wir können sehen, wohin das gefüht hat. Die Nachbarn beschrieben ihn als einen freundlichen, zurückhaltenden Menschen.

Link   |   1 Kommentar   |   jetzt kommentieren





pixel
Art Brut records and chocolate ice cream ― even though I'm (ca.) thirty-eight!

Hab mir gedacht: Du warst acht Monate nicht mehr draußen. Geh doch mal raus. Art Brut sind in der Stadt, die magst Du doch so gerne!

Und das ist ja das Seltsame am Älterwerden: dass man anfängt, mit sich selbst zu reden, als wäre man seine eigene Mutter. Also gut, gehe ich halt zu Art Brut. Die mag ich nämlich gerne. Und da ich mich mittlerweile in einem Alter befinde, in dem man nur noch Platten oder deren digitale Derivate rezipiert, aber nicht mehr das Gerede drumherum oder Videos und das ganze bandmythologische Beiwerk, kann man mich auch noch vollrohr überraschen: Eddie Argos, den ich mir immer als stylisch-dandyesken Jarvis-Cocker-Wiedergänger vorgestellt habe, ist ja genauso dick wie ich! Even though he's twenty-eight! Während des Konzerts in der hannoverschen Faust rührt er unentwegt mit dem Zeigefinger in der Luft wie mein alter Musiklehrer Kampe, wenn er eine Coda ankündigte.

Und auch das ist ja das Seltsame am Älterwerden: dass man wie die eigene Mutter damit anfängt, Leute nach ihrem Äußerem zu beurteilen. Und wo wir schon mal dabei sind: Der Rhythmus-Gitarrist sieht aus, als hätte man Klaus Kinski mit Tick, Trick und Track gekreuzt, wenn auch nicht unbedingt in dieser Reihenfolge, und er benimmt sich auch so. Den Schlagzeuger habe ich das letzte Mal 1981 an der Startbahn West gesehen ― Haare und Bart wie die drei Tornados. Die Bassistin wiederum erinnert mich an meine Mitschülerin Ines. Die fand mich ein bisschen gut, weil ich ein bisschen weniger schlecht Schlagzeug spielte als sie. Ich spielte ja auch schon ein halbes Jahr länger. Im Gegensatz zur ihr hatte ich aber kein eigenes Schlagzeug und keinen Schlagzeugunterricht. Braucht man als Gitarrist auch nicht, fand ich. Und finde ich immer noch. Bei Auftritten habe ich halt immer auf dem Schlagzeug der Headliner rumgedroschen. Wir waren als Vorband nicht sehr beliebt.

Die Vorband von Art Brut habe ich nicht mitbekommen, weil ich den Hund noch rausbringen musste, aber das ist eine andere Geschichte. Es gibt jetzt nämlich einen kleinen Hund auf dem Kutter. Art Brut, Headliner mit eigenem Schlagzeug, jedenfalls waren so, wie ich sie mir vorgestellt hatte: Das Schlagzeug rommelt, die Gitarren zicken, der Bass plunkert, und Eddie Argos hat den Anwesenden so einiges mitzuteilen. In seiner Neigung zur Sloganisierung ist er gar nicht so weit weg vom Grafen aus Hamburg, aber er ist deutlich hinterfotziger. The record-buying public shouldn't be voting, heißt es gegen Ende, und ich denke mir: Als anständiger Raubkopierer Sicherheitskopienanfertiger muss mir um meine bürgerlichen Partizipationsrechte also nicht bange sein.

Art Brut sind sehr laut und ziemlich schnell und schaffen es folglich, viele schöne Stücke in eine recht kurze Konzertdauer zu pressen. Der Auftritt dauert nur fünf Bier. Mein geschundener Rücken dankt es ihnen. Der Rest allerdings auch: Lange bin ich nicht mehr mit so einem seligen, dummen Grinsen aus einem Konzert gewankt. Okay, ich bin auch schon ziemlich lange nicht mehr in ein Konzert gewankt, wenn man von irgendwelchen französischen Neo-Chanson-Elsen kürzlich mal absieht. Zur Erinnerung habe ich mir noch einen "Bring Me Coffee Bring Me Tea"-Becher gekauft und weiter an meinem südenglischen Akzent gearbeitet. Art Brut sind eine der sehr wenigen Bands, die mich heute uneingeschränkt elektrisieren. Even though I'm (ca.) thirty-eight!

Link   |   30 Kommentare   |   jetzt kommentieren





pixel
__________________________
dzt. unter wasser.


Nachtrag 5.5.: Habe einige von Euch und Ihnen da draußen eine Weile im Stich ge- oder zumindest bei diesem oder jenem warten lassen. Ich schiebe das mal alles auf eine fieselige familiär-gesundheitlich-berufliche Dreieinigkeit von Scheißamhacken, die zudem den argumentativen Vorteil hat, dass es sie tatsächlich gibt, insofern gibt's da auch gar nix zu schieben. Ich denke aber, wir haben hier jetzt das erreicht, was wir Finanzhaie da draußen in den Finanzmärkten als "Bodenbildung" bezeichnen (auch wenn ich nicht weiß, was ein Hai mit einem Begriff wie "Boden" anfangen soll). Sprich: Ab jetzt geht's wieder bergauf, und zwar bergauf im hoffentlich nicht-sisyphonischen Sinne (auch wenn ich nicht weiß, was Haie in den Bergen zu suchen haben sollten, aber ich habe vor einiger Zeit ein Buch gelesen, in dem ein toter Hai immerhin in einem Hochhaus-Swimmingpool in Wien aufgefunden wurde, insofern geht da wohl so einiges). Ich werde in den nächsten Tagen damit beginnen, mein Call Sheet abzuarbeiten. Danke für die Geduld. Und nehmen Sie sich vor Haien in 8!


Link   |   8 Kommentare   |   jetzt kommentieren





pixel
Für Freunde der italienischen Oper

Was ich noch nicht wusste, weil ich es nicht mitbekommen habe, wie ich derzeit vieles nicht mitbekomme, zum Beispiel, wie das alles hier weitergehen soll, ist, dass die anbetungswürdige Birgit Schönau, die in der SZ regelmäßig von der Seria A berichtet, ach was, erzählt und singt, bereits seit vergangenem November ein Weblog mit dem schönen Titel operabuffa führt, dessen Lektüre ich, falls Sie diesen viel zu langen Satz wirklich bis hierhin durchgehalten haben, und keine Sorge, das Ende ist nah, nicht nur dieses Satzes übrigens, nur dringend anraten kann. Falls nicht: auch.

Link   |   unkommentiert   |   jetzt kommentieren





pixel
Im Wortsinn Fakten

Bundesliga-Konferenz auf Premiere. Feuerkopf Matthias Sammer hat seine Feuerbach-Thesen gelesen: »Fakten sind letztlich dazu da, sie zu widerlegen.« Karl-Heinz Rummenigge wiederum wünscht sich, dass sich seine Mannschaft den Arsch aufreisst, und zwar: »im wahrsten Sinne des Wortes.« Dafür sollte sich Charlotte Roche mal interessieren.

Link   |   17 Kommentare   |   jetzt kommentieren





pixel
Emmy the Great, liebe mitlesende Entitäten, Emmy the Great! Die ist wirklich, naja, der Name sagt's ja schon. Seit Tagen läuft hier, mal abgesehen von Lisa Hannigan und The All New Adventures Of Us, eigentlich nichts anderes mehr als Emmy the Great. Das Debüt-Album »First Love« kommt jetzt raus oder ist schon raus oder was auch immer. Das sollten Sie haben! Also wenn Sie auf so Indie-Songwriter-Folk stehen. Ohne Scheiß jetzt.

Link   |   7 Kommentare   |   jetzt kommentieren





pixel
Dichtheit & Wahrung,
XXXII. Lieferung

Christian Petzold, Christiane Rösinger, Peter Praschl sind Kolumnisten, einer meiner Lieblingsfilmkritiker, Ekkehard Knörer, ist Redakteur, im ersten Heft gibt ein Dossier über The Wire (bin gerade in die erste Staffel eingestiegen) und ein Diagramm über (u.a.) die Beziehung von Rahm Emanuel zu Josh Lyman, und im Editorial geht es gleich im ersten Satz, nur um mir ein Zuhause zu geben, um den Baltic Dry Index (auch wenn dieser, wie wir alle wissen, nur für Trockenschüttgut gilt). Wie blöd, bitteschön, müsste ich sein, um CARGO nicht sofort zu abonnieren? (Antwort: Hab ick natürlich längst jemacht, wa! Deshalb war es ja och schon in der Post, wa!) Ernsthaft: Dieses Heft ist wie für mich gemacht. Und für Sie da draußen auch.
[ & ]
Ich verklappe in letzter Zeit übrigens wieder verstärkt Flüssigschüttgut.
[ & ]
Und noch eine neue Zeitung: denn den gerelaunchten Freitag kann man guten Mutes so nennen. Fangen wir, wie es sich für Miesepeter gehört, mit dem negativen an: Die letzte Seite mit dem »A-Z« ist irgendwie hässlich (allein der gelbe Fond!). Der Untertitel »Das Meinungsmedium« klingt in meinen Ohren irgendwie entscheidermäßig infoelitesk. Öhm. Und das war's dann auch schon mit dem Gemecker. Die Zeitung sieht aus, wie frischgewaschene Zeitungen heute halt so aussehen, aber das sehr gekonnt und, ja, wirklich schön. Das Schriftbild ist klar, die Seiten atmen. Der Themenmix ist gut. Die Graphiken sind toll (Seite 3!). Und es gibt sogar, wie damals nach der Fusion, wieder drei Bücher. Auch der Online-Auftritt gefällt mir. Inwieweit die Freitag-»Community« nun künftig die Zeitung befüllt, wird man sehen müssen. Ich bin da ja eher skeptisch, ob das das neue große Ding wird. Ich mag es, bestimmte Autoren in bestimmten Zeitungen zu lesen und keinen Meinungs-Mashup. Aber dann sehe ich Georg Seeßlen, einen meiner Lieblingsfilmkritiker, der den Kulturteil aufmacht, und alles ist gut. (Seeßlen war früher ein wesentlicher Grund für mich, sich auf die Volkszeitung einzulassen.) Lässt man dieses Meinungscommunitymediumdingdong also mal kurz außen vor und schaut sich einfach die Zeitung als solche an, dann möchte ich sagen: Respekt! Das war bestimmt kein Spaziergang. Das ist ein wirklicher Sprung nach vorn. Ich bin neugierig auf die zweite Nummer. Und wann war ich bitte schön das letzte Mal neugierig auf eine Zeitung?
[ & ]
Und trotzdem sage ich: Wer auf Print-Online-Verzahnung setzt und Blogs einsetzt (Sie wissen schon, diese crazy Internettagebücher für junge Leute!), der sollte nicht der Blog sagen. Das dürfen nur Duden-Redakteure, die sich morgens erst einmal zu einer Tasse Filterkaffee das Internet ausdrucken.
[ & ]
Immer wenn ich da draußen in den Wäldern bin, kommen die Ideen in meinen Kopf. Ich hatte gerade einen Schluck Färskpressad Apelsin Juice von Kiviks Musteri getrunken, den ich vergleichsweise* günstig im 30 Kilometer entfernten Supermarkt erstanden hatte, und dabei festgestellt, wie ungleich besser dieser Stoff doch schmeckt als die handelsüblichen Obstsäfte und -nektare, die es sonst in Tetrapaks und Flaschen abgefüllt zu kaufen gab. Da wusste ich mit einem Mal, womit ich meine erste Million machen würde: Instant-Fruchtfleisch! Instant-Fruchtfleisch aus der Tüte, das man einfach in den Billig-Orangensaft vom Supermarkt um die Ecke rühren konnte, um dann, zurück aus der Küche, seinen Gästen zuzurufen: Hier, hab ich gerade frisch für Euch gepresst!
(* Das Gute an der Euro-Umstellung ist ja, dass einem Einkaufen in Skandinavien nicht mehr teuer vorkommt.
[ & ]
Der Lapsang Souchong Nō210 von Kusmi Tea ist wahrlich der Lagavulin unter den Schwarztees. Yeek!
[ & ]
In »Fernsehen« von Jean-Philippe Toussaint geht es erwartungsgemäß ums Fernsehen, oder doch eher ums Nicht-Fernsehen. Außerdem noch ums Nicht-Blumengießen, Nicht-Schreiben, Nicht-Arbeiten, ja vielleicht sogar ums Nichts-Tun auf einer höheren Ebene. Das hat durchaus seinen Reiz, insbesondere die feingewirkten Beschreibungen (überhaupt ist Toussaint ein Meister der Museums-Szene) und gedanklichen Abschweifungen, auf die Toussaint sich begibt, doch gelang ihm dies in seinen vorangegangenen Büchern, »Sich lieben« und »Fliehen«, deutlich besser, und vielleicht liegt das gerade daran, dass die Protagonisten in diesen Büchern so einiges taten, und selbst wenn sie mal nichts oder wenig taten, war immer noch einiges los, so dass die Bücher vor lauter Getöse manches Mal in der Hand zu vibrieren schienen.
[ & ]
Warum ich amerikanische Politik so liebe: How Obama Gets To 60. Ist handwerklich schon etwas anspruchsvoller als immer nur auf den Bundesrat zu schimpfen und im Vermittlungsausschuss Vermittlungsausschuss zu produzieren.
[ & ]
Übrigens, als ich gerade dabei war, The Wire bei amazon.co.uk zu bestellen, noch The Complete Yes Minister & Yes Prime Minister obendrauf gepackt. Hatte schließlich auch mal einen Staatssekretär.
[ & ]
Oft, wer wüsste das wohl besser als der Kutter, steht nach operativen Brustvergrößerungen der gesteigerte Brustumfang in keinem vorteilhaften Verhältnis mehr zum verbleibenden Ursprungskörper und insbesondere zur Schulterpartie, die, wie mir im Laufe meines Lebens deutlich geworden ist, einen ganz wesentlichen Einfluss darauf ausübt, wie wir die Attraktivität einer Brustpartie wahrnehmen. Silikonierte Brüste sehen deshalb oft so aus, als hätte man an ein eigentlich sehr schmuckes Haus einen hässlichen Wintergarten drangeklatscht.
[ & ]
Ankündigung in eigener Sache: Wenn unsere Kopfrechenkünste uns nicht täuschen, wird sich in diesem Herbst zum nunmehr 20. Mal die sog. friedliche Revolution jähren, die zum Ende der sog. DDR und über dieses zur sog. Wiedervereinigung diverser Deutschländer führte. Für den Kutter, in Fachkreisen auch als Das Ost-West-Weblog bekannt, Anlass genug, um nach über zwei Jahren der Gesprächsabstinenz zurückzukehren für ein neuerliches großes »Interview mit mir selbst«. Der Kutter hat sich hierzu im Januar tief in die nordischen Nadelwälder zurückgezogen und ausführlich Auskunft über seine tiefe persönliche Verstrickung in die sog. »Wende« gegeben. Herausgekommen ist ein historisches Dokument über viel Schuld und wenig Sühne. Schon heute können wir sagen, dass die jüngere deutsche Geschichte nach Erscheinen dieses Gesprächs wird umgeschrieben werden müssen. Seien Sie also gespannt auf die Veröffentlichung am 9. November 2009 und erleben Sie ein 9-11 der Zeitgeschichtsschreibung exklusiv bei Dichtheit & Wahrung!

Link   |   9 Kommentare   |   jetzt kommentieren





pixel
Aber wer ist schon Berliner?
Zum Freitag

Wer heute in eine Zeitung investiert und dann sagt, die Zeitung müsse „wachsen, um zu überleben“, der kann es sich erlauben, auf den marktschreierischen Hinweis zu verzichten, dass der Rest der Presselandschaft den entgegengesetzten Weg eingeschlagen hat. (Note to self: Landschaften können keine Wege einschlagen.) Jakob Augstein, der den Freitag akquiriert hat und nun bei Blattumfang, Redaktion und Online-Auftritt auf Wachstumskurs statt auf Schrumpfkur gegangen ist, tut gut daran, nicht allzu sehr damit anzugeben. Denn auch heute wandelt man als Mitarbeiter dieser Zeitung nah an der Schwelle zur Selbstausbeutung, hört man. Trotzdem muss man den Mut zum Investment in schwieriger Zeit anerkennen. Kaum eine Branche zeigt so wenig Sinn für antizyklisches Handeln wie die Medienbranche. Deshalb sollte Augstein auch nicht befürchten müssen, von seiner Redaktion auf Aufgabe seiner Doppelfunktion als Verlagsgeschäftsführer und Mitglied der Chefredaktion verklagt zu werden. (Kleiner Scherz meinerseits.)

Ich fühle mich dem Freitag auf unbestimmbare Art verbunden. In seinem westdeutschen Vorläufer, der Volkszeitung, stand in den achtziger Jahren mal was von mir drin. In der Volkszeitung las ich, glaube ich, zum ersten Mal Georg Seeßlen. Die Fusion mit dem ostdeutschen Sonntag fand ich zunächst verheißungsvoll. Aber musste man gleich eine „Ost-West-Wochenzeitung“ daraus machen? Wiedervereinigung war doch auch so schon genug. Also für Berliner mag das ja eine spannende, vielleicht auch zwingende Idee gewesen sein. Aber wer ist schon Berliner? Mir ging die neue Zeitung zu sehr auf Befindlichkeitssuche. Viele Beiträge der ehemaligen Sonntag-Autoren empfand ich als unfokussierte Nabelschau. Das war sicherlich unfair, aber so genau wollte ich es dann einfach nicht wissen. Gehörte vielleicht doch nicht zusammen, was da zusammen gewachsen war?

Ich habe mein Abonnement irgendwann gekündigt und den Freitag seither nur noch sehr sporadisch gekauft. Immer wieder fand ich sehr kluge Artikel darin. Und doch fand ich das Gesamtpaket eher langweilig. Natürlich ist auch das kein qualifizierter Einwand, natürlich ist auch das vor allem: Befindlichkeit. Und natürlich war die Volkszeitung vorher auch keine bessere Zeitung, das nun wirklich nicht. Man hat sich halt auseinandergelebt.

Dass die „Ost-West“-Idee nun zurückgefahren wird, finde ich klug. Das guardianeske Layout scheint ganz hübsch zu werden. (Ich bin sowieso einer, der alles liest, solange die Typographie schön ist.) Dass der Online-Countdown für den Relaunch von einem Sponsor präsentiert wird, finde ich nicht erschreckend. Dass nun im Blatt verstärkt die Leser zu Wort kommen sollen, ist… bemerkenswert. Aber bemerkenswert war die Sache mit der „Ost-West-Wochenzeitung“ ja irgendwann auch mal.

Man kann die angekündigte Aufnahme von Leserstimmen in die gedruckte Ausgabe natürlich als billige Möglichkeit der Seitenbefüllung abtun. Will ich aber gar nicht. So oder so verspreche ich mir nicht viel davon: Wenn mich Privatmeinungen und allgemeine Klugscheißereien interessieren würden, würde ich Weblogs lesen oder meinetwegen Leserbriefe in Zeitungen und Kommentare in deren Online-Ausgaben. (Mache ich übrigens nie.) Aber ich kaufe keine Zeitung, um zu lesen, was ihre Leser denken. (Diese Pein!) Und ich habe meinerseits auch nie das Bedürfnis empfunden, zu den Lesern der Zeitungen zu sprechen, die ich lese. (Und ich hatte das Gefühl, dass auch die ganz gut damit leben konnten.) Sonst hätte ich mich ja gleich in das Rupfgefieder des gemeinen Medienproletariats einreihen und Journalist werden können! Nein, die sollen ihren Job machen, ich mache meinen.

Hätte ich dieses Mitteilungsbedürfnis, würde ich wohl ein Weblog führen. Das tue ich zwar gelegentlich, aber selbstverständlich aus völlig anderen Gründen. (Ich habe übrigens nie zu denjenigen gehört, die nur Empörung für den Weblogs-Klowände-Vergleich übrig hatten. Er kam mit Sicherheit vom falschen Mann im falschen Zusammenhang, aber die meisten, die da aufschrien, schienen mir zu Recht getroffen zu sein.) Der Magnum-Philosoph Harry Calahan sagte einmal: Opinions are like assholes. Everybody has one. Aber möchte man auch damit behelligt werden?

Apropos Klugscheißerei: Das Bedürfnis, sich zum neuen Freitag zu äußern, eine Woche bevor er überhaupt zum ersten Mal erscheint, ist natürlich nichts anderes als genau das. Und passt daher viel besser in ein Weblog als in ein Druckwerk. Aber ich liege ja auch gern mal voll daneben, einfach weil es so selten passiert, und das gelingt am besten nun mal dann, wenn man sich vorab völlig ahnungslos äußert. Was hiermit geschehen sei.

Und dann muss ich doch ehrlicherweise auch noch sagen, dass es mich wirklich neugierig macht, was aus dem Freitag wird. Und wann war ich bitte schön zum letzten Mal neugierig auf eine Zeitung? Zeitungen nimmt man so hin wie die Tatsache, dass das Wasser aus der Leitung kommt, es geht halt nicht ohne, Einzugsermächtigung, gelegentliche Verstopfung im Abfluss bzw. die Altpapiertüte reisst. Wir schalten jetzt um in den Leitartikelmodus.

[Leitartikelmodus] Der Neustart des Freitags, das Wachsen fürs Überleben sind ein Wagnis in einer Zeit, die nicht zu Wagnissen einlädt. Das verlangt Mut und verdient Respekt. [/Leitartikelmodus] Ich fühle mich dem Freitag immer noch auf unbestimmbare Weise verbunden. Habe ich schon erwähnt, dass ich neugierig bin?

Link   |   3 Kommentare   |   jetzt kommentieren





pixel
Kutter has left the building

Draußen in Outloggistan. Ende Januar geht's hier wohl weiter.

Link   |   20 Kommentare   |   jetzt kommentieren





pixel
Es ist die Liebe,
die uns auseinanderreisst

Notizen von den 50. Nordischen Filmtagen Lübeck

In diesem Beitrag werden Sie wenig über mein zugegebenermaßen gutes Aussehen erfahren, nur so viel: Ich war zu den 50. Nordischen Filmtagen Lübeck ohne besondere Absicht mit meinem Schatzkanzler-Anzug und einem Sechstagebart angereist, den ich mir zwei Tage später allerdings entnervt wieder abnahm, weil ich nicht länger mit Samuli Vauramo verwechselt werden wollte, der sich für eine finnische Fernsehserie gerade ebenfalls so eine Fliese hatte stehen lassen. (Das »ebenfalls« bezieht sich auf »Fliese«, nicht auf »Fernsehserie«. Ich mache keine Fernsehserien. Man bietet mir ja auch keine an.) Apropos Fernsehserien: Samulis Geschichte, wie er als Kind im finnischen Fernsehen mit unsynchronisierten Folgen von »Der Alte« Deutsch gelernt hat (»Was denken Sie, Herr Kommissar?«), war bei der dritten Wiederholung nicht mehr ganz so charmant wie vor zwei Jahren. Aber Fernsehserien geht’s ja nicht anders.

Zuvor hatte ich mir klugerweise schon die Haare abschneiden lassen, damit ich nicht auch noch mit Rolf Kristian Larsen verwechselt werde (der ja bekanntlich aussieht wie ein Jugendfoto von mir plus Zahnlücke). Ich weiß nicht, ob mit Erfolg, auf jeden Fall bin ich nicht mit »Hej Rolf!« angesprochen worden, sondern nur mit »Nein, die Glocke bedeutet bei uns nicht ›Last Orders‹, sondern ›Ende des Ausschanks‹!«. Darauf muss man ja auch erstmal kommen. Und Ausschank gab es so einigen: Eröffnungsempfang, Baltischer Empfang, Skandinavischer Empfang und Filmpreisnacht mussten gewissenhaft durchgearbeitet werden, mit allen Konsequenzen für die Konzentrationsfähigkeit für den nächstmorgendlichen 10-Uhr-Slot. Der Kutter wurde wie in jedem Jahr bei den Nordischen Filmtagen ausgestattet von der Galenus-Apotheke.

Zum ersten Mal seit langer Zeit habe ich mir in diesem Jahr keinen Dokumentarfilm angesehen, nicht einmal »Lotman's World«, den ich aber noch nachholen werde. (Dafür kannte ich aber immerhin schon »Punksters & Youngsters« und »Heima«.) Zu meiner eigenen Überraschung habe ich in diesem Jahr also ein reines Spielfilmpensum absolviert. Die Höhepunkte folgen im Schnelldurchlauf; Filme, die ich an anderem Ort gesehen habe (etwa »O'Horten« oder »Låt den rätte komma in« (»So finster die Nacht«), die jetzt in Deutschland anlaufen) sowie Filme, bei denen ich eingeschlafen bin oder denen ich sonstwie nicht folgen konnte (z.B. »Maria Larssons eviga ögonblick«), lasse ich außen vor, ohne dass damit eine Wertung vorgenommen sein soll. Sie wissen ja: Im Kino schlafen heißt dem Film vertrauen. Nicht vertraut, und dies meist zu Unrecht, habe ich folgenden Filmen:

»Mannen som elsket Yngve« (»Der Mann, der Yngve liebte«): eine schöne und vor allem tragische Coming-of-age- und Coming-out-Geschichte mit Rolf Kristian Larsen (sieht aus wie der junge Kutter mit Zahnlücke), der einen jungen Mann spielt, der Yngve liebt und ansonsten im Stavanger des Jahres 1989 mit seiner Punk-Combo herumlärmt. Gerölltrockener Humor, zu allem entschlossene junge Darsteller, phantastische Musik und ein Ende voll lakonischer Traurigkeit, das uns zeigt, dass es bekanntlich die Liebe ist, die uns auseinander reisst. Dass »Yngve« am Ende des Festivals mit dem NDR Filmpreis die Hauptauszeichnung erhielt, war eine – positive – Überraschung. Niemand hat es besser verstanden als die Skandinavier, dass die Familie der moderne Aggregatzustand der Hölle ist.Normalerweise gewinnen hier präzise, realistische Sozialdramen sowie Filme, die zeigen, dass die größte Hölle immer noch der eigenen Familie entspringt. Andererseits: Auch in »Yngve« wird Schuld auf sich geladen, und Schuld und Sühne sind schon seit jeher ein bedeutender Topos im skandinavischen Film.

»Dansen« (»Der Tanz«) aus Dänemark: Ein typischer NFL-Eröffnungsfilm im Spannungsfeld zwischen Liebe und Verdacht, Begehren und Misstrauen. Eine stolze Trine Dyrholm brilliert neben einem etwas naturtrüben Anders Berthelsen: Kann man einem Mann vertrauen, ihn gar lieben, der wegen Vergewaltigung im Gefängnis saß? Oder ist es doch erst wieder die Liebe, die uns auseinander reisst?

»Switch« aus Norwegen wurde treffend beschrieben als »Karate-Kid auf Snowboards«: Großstadt-Junge kommt in die Provinz, muss sich auf der neuen Schule gegen missgünstige Cliquen durchsetzen und das Herz der zuckersüßen Ida Elise Broch (spielt übrigens an anderer Stelle auch die Freundin eines gewissen Mannes, der Yngve liebte) und dafür wiederum einen Ernst-Deil-igen Snowboard-Contest gewinnen. Vorhersehbar, aber unterhaltsam, selbstironisch, rasant, witzig. Es ist die Liebe, die uns von der Schanze treibt. Unvergessliche Auftritte von Peter Stormare als Snowboard-Dude. Plus: Ein Deutschlehrer, der John Rambo und Franz Beckenbauer zitiert. Bessere Bus-Szenen als in »Speed«. Schöner Jugendfilm. Gut zum Wachwerden nach dem Eröffnungsempfang.

»Lønsj« (»Cold Lunch«): In Oslo braucht man nicht die Liebe, um auseinandergerissen zu werden. In dieser Stadt ist man auch in Gesellschaft einsam. Wie die Insassen einer Großstadt sich einander immer wieder mit traumwandlerischer Sicherheit Verletzungen und Demütigungen zufügen, davon erzählt Eva Sørhaugs kühl beobachtender und präzis komponierter Episodenfilm.

»Käsky« (»Die Unbeugsame«): Man könnte sagen: ein Kostümfilm von Aku Louhimies, dem Großstadt-Dostojewkij des finnischen Films, der in den vergangenen Jahren mit »Frozen Land« und »Frozen City« dem Lübecker Publikum ordentliche Schläge in die Magengrube versetzt hat. Hier erzählt er eine tragische Geschichte aus dem halb vergessenen, halb verdrängten finnischen Bürgerkrieg, in dem 1918 die ersten Soldaten des Landes von ihrer Ausbildung im deutschen Reich zurückgerufen wurden, um im Glauben, es gehe gegen russische Angreifer, ihre kommunistischen Mitbürger niederzukartätschen. Samuli Vauramo und Pihla Viitala stehen auf verschiedenen Seiten, so fängt es an. Sie belauern, umkreisen, begehren sich. Doch sie ist seine Gefangene, und er glaubt an das Kriegsrecht. Es ist die Liebe in Zeiten des Bürgerkriegs, der die beiden erst zusammenführt und dann wieder auseinanderreisst. Noch heute kann es passieren, dass man, wird man den Eltern der neuen Freundin vorgestellt, gefragt wird, ob man aus einer weißen oder roten Familie stammt, erzählt Samuli.

»Den du frygter« (»Wen Du fürchtest«): Niemand hat es besser verstanden als die Skandinavier, dass die Familie der moderne Aggregatzustand der Hölle ist. Ulrich Thomsen kämpft gegen Depressionen, und er entscheidet sich für die chemische Kriegsführung im Selbstversuch. Was wir sehen, ist eine Verwandlung, und zwar – hey, wir reden hier über skandinavisches Kino! – nicht zum besseren. Selten kam Sadismus so achselzuckend ins Haus geschlendert wie hier und lässt eine Familie zerbrechen. Denn letztlich ist es die Ehe, die uns auseinerreisst.

»Det som ingen ved...« (»Was niemand weiß«): Ein irgendwie routinierter, aber dann doch auch dramaturgisch recht halbherzig konstruierter dänischer Polit-Thriller über Geheimdienstverstrickungen, denen erst ein harmloser Puppenspieler auf die Spur kommen muss. Anders Berthelsen ist der größte, auf jeden Fall der hartnäckigste Hartnäckigkeitsdarsteller des dänischen Kinos. Der Kerl ist wirklich hartnäckig. Wenn Sie dem sagen, er solle aufhören, in der Angelegenheit weiter rumzubohren, kann es gut sein, dass er sich überhaupt nicht dran hält! (Sie wollen dänische Politthriller? Schauen Sie »Kongekabale« mit einem überaus hartnäckigen Anders Berthelsen.)

Sichtungsplan Nordische Filmtage Lübeck 2008


Dass die Nordischen Filmtage heuer zum 50. Mal ausgerichtet wurden, hatte die Veranstalter bereits im Verlauf des Jahres zu einigen schönen Aktionen animiert. Davon haben wir uns selbst überzeugt, etwa im Juni beim Open-Air-Kino-Picknick mit schwimmender Riesenleinwand auf dem Krähenteich oder im September bei einer Autokinonacht auf dem Marktplatz. Die Filmtage selbst bestachen dann wieder durch das, was sie jedes Jahr so angenehm macht: ein No-Bullshit-Festival, das mit Leidenschaft gemacht und vom Publikum gern in Besitz genommen wird. No Bullshit heißt: Man kann es sich leisten, auf rote Teppiche zu verzichten (hat aber trotzdem einen), die Empfänge sind sympathisch unprätentiös, die Veranstaltungen aus dem Rahmenprogramm wie der Drehbuch-Workshop sind uneitel und sachlich. Die Filmtage sind ein unaffektiertes, aber keineswegs unambitioniertes Festival, das selbst zum 50. Jubiläum angenehm bescheiden auftritt. Und diese norddeutsche Bescheidenheit kann man sich leisten in Lübeck, denn sie steht einem Festival, bei dem die Filme glänzen und nicht der Flohzirkus drumherum, ganz ausgezeichnet.

FRÜHERE NFL-BERICHTERSTATTUNG BEI DICHTHEIT & WAHRUNG:
(2006/2007) | 2005 | 2004 | 2003


Link   |   1 Kommentar   |   jetzt kommentieren





pixel
Dichtheit & Wahrung,
XXXI. Lieferung

Ob es nicht noch etwas zu früh sei für die Midlife Crisis, wurde ich gefragt, als ich von meinem Plan erzählte, wieder mit dem Skateboardfahren anzufangen. Die Midlife Crisis?, dachte ich. Gibt's da etwa nur eine? »Die Mitte des Lebens definiert sich notwendig aus dessen Gesamtdauer, und bei meinem Lebenswandel sollte man diese besser nicht zu spät ansetzen«, antwortete ich. Im Kopf verdoppelte ich mein momentanes Alter, Die Mitte des Lebens ergibt sich aus dessen Gesamtdauer. Man sollte sie nicht zu spät ansetzen.das sich irgendwann einmal in jenem öden Niemandsland zwischen Nochrechtjung und Altersack verfahren hatte. Ich erschrak und mixte mir sogleich noch einen Gintonic.
[ ¶ ]
Heute morgen Alina Pogostkina gehört, wie sie im Deutschlandfunk ihre liebste Musik spielte und nicht zuletzt: anmoderierte. Lange nicht mehr so fasziniert gewesen vom Klang einer sprechenden Stimme und von einer bestimmten Art und Weise zu sprechen. Sie echauffierte sich ein wenig über den Erfolg von Paul Potts, und ich schämte mich sofort ein wenig für den profanen Grund meines plötzlichen Interesses an ihr: der bezaubernden Stimme einer Geigerin. (Aber immerhin nicht die schlechten Zähne Glissandi eines Mobiltelefonverkäufers.) Kurz darauf spielte sie die Cello-Suite Nr.1 von Joh. S. Bach an, und ich erinnerte mich an ein sehr schönes, sehr unwirkliches Erlebnis, das ich vor einigen Jahren einmal im Intercity von Berlin nach Schwerin mit diesem Stück hatte und von dem ich hier bald erzählen werde, vermutlich aber nicht vor Februar, denn zwischenzeitlich werde ich auf einem einsamen, ebenen Stück Asphalt zwischen Markaryd und Hinneryd Skateboardfahren und mir die Arme und Beine brechen aufschürfen, und da draußen bin ich aber sowas von Outloggistan.
[ ¶ ]
Bericht von den Nordischen Filmtagen kommt auch noch. Entweder vor Weihnachten oder nach Januar.
[ ¶ ]
Meine neue Band wird Paul Potts & the Khmer Rouge heißen. Wir spielen Puccini auf kambodschanischen Nasenflöten, falls es solche gibt. (Klingt verrückt? Haben Sie mal Coconami gehört? Brotbackende Japaner, die auf Ukulelen Ramones-Cover und Wies'n-Musik spielen! Macht jedenfalls mehr Sinn als Pol Pot in der Royal Albert Hall.)
[ ¶ ]
Wie erbärmlich kann ein Leben sein? Habe dieses Jahr keine Zeit gehabt, Musik zu hören. Damit meine ich: Neue Musik zu entdecken. Schaffe es nicht mal, die monatlich beigelegten CD-Sampler der Spex durchzuhören. Hab mir jetzt in der Dezember-Ausgabe die Redaktions- und Leser-Charts angeschaut und lade alles runter, was irgendwie interessant klingt und besser nicht verpasst sein sollte. Und jetzt kommt's: Davon interessieren mich auch nur so ca. 3,5 Alben. Wir erbärmlich kann ein Leben sein?
[ ¶ ]
Sie ruft gelegentlich aus Washington an und stellt aufgeregt Fragen, weil sie mal den Vornamen eines anderen mit meinem Nachnamen verwechselt hat. Fucking funny German names. Blöd, wenn man sein Adressbuch nicht im Griff hat. Schön, wenn man so viele originelle Thesen auf Lager hat wie ich. Irgendwann wird sie was merken, "award-winning journalist" einer international renommierten Nachrichtenagentur.
[ ¶ ]
Konnte es nicht länger ertragen, dass Teile meines eh aus allen Nähten platzenden Bücherregals mit DVDs vollgestopft waren sowie dass weitere DVDs sich ringsherum bereits in hüfthohen Stapeln auftürmten. Jetzt alle DVDs in kleine Papiertaschen gesteckt und diese in so Ikea-CD-Aufbewahrungskartons verstaut, die original DVD-Plastikhüllen hingegen in den Müll gehauen (Gelber Sack, recycle this, Ihr Spacken!). Welche Erleichterung! Dann 200 VHS-Kassetten in Müllsäcke verstaut und nur eine kleine Auswahl von Filmen, die wirklich nie mehr im Fernsehen laufen und niemals als DVD veröffentlicht werden (z.B. »Little Murders« von Alan Arkin) über Festplattenrekorder auf DVDs gebracht und diese wiederum in die Kartons sortiert. Und jetzt kommt's: Kleine Klebeetiketten entworfen, auf die ich filmographische Daten eintragen kann, damit man beim Blättern in den Kartons auf den ersten Blick alle relevanten Informationen erfassen kann, und das ganze dann wieder intuitiv-thematisch-autobiographisch sortiert. Sie wissen ja: It's a Wissenschaft, Baby! Ihnen mag das zwar alles etwas analfixiert vorkommen. Kein aber.
[ ¶ ]
Apropos analfixiert, apropos Little Murders: Irgendso'n Furzknoten hat sich mal vor 'ner Weile beklagt, dass vereinzelte Unmenschen und so auch ich das unwahrscheinliche Verbrechen an der Menschkeit begangen hätten, ihre allerersten Blogeinträge nachträglich zu verändern. Möge mir die Hand abfaulen! In der Tat mag dieses schändliche Tun nachkommende Germanisten-Generationen, die eine historisch-kritische Werkausgabe des Kutters zu erstellen haben, vor ernsthafte Unfährnisse stellen, für die ich mich schon heute entschuldigen möchte. Euch armen Teufeln sei hiermit zugerufen: Dort, wo jetzt nur noch das simple Motto dieses Weblogs prangt, nämlich im ersten Eintrag aus dem Dezember 2001, hatte ich seinerseits testhalber das Filmplakat von Little Murders gepostet und ein paar belanglose Sätze zu dem Film geschrieben, um mal zu sehen, wie die Software funktioniert. Allen anderen wird es so egal sein wie mir.
[ ¶ ]
Hatte zwischenzeitlich echte Angst, dass achnaja (Rounders 2) mal wieder fischen gegangen ist und, so wie schon bei Rounders 1, alle Texte verloren gegangen sind. Aber er hatte nur ein Serverproblem und ist wieder da. Hab sicherheitshalber sogleich das gesamte Archiv auf die Platte gesaugt. Vielleicht bereite ich ja mal eine historisch-kritische Werkausgabe vor.
[ ¶ ]
Wer hier seit längerem vorbeischaut, wird festgestellt haben, dass der Kutter (heute: Dichtheit & Wahrung) immer wieder längere Pausen für seinen Schönheitsschlaf einschiebt. Da der Schlaf der Vernunft aber bekanntlich Monstren gebiert und wir uns hier seit jeher als jene scharf geschliffene Axt der Vernunft im Walde des Mythos (im Benjaminschen Sinne, darunter tun wir's nicht) vestehen, wollen wir nicht weiter verantwortlich sein für die Ungeheuer und Ungeheuerlichkeiten, die während unserer Abwesenheit ihr hässliches Haupt erhuben bzw. erheben. Werten Sie, wenn Sie möchten, diese Worte als ein Bekenntnis zu dem festen Willen, hier künftig wieder mehr Zinnober zu veranstalten. Aber erst nach nächstem Januar. Bis dahin ist Outloggistan. Danach kommt eventuell ein neuer Ko-Autor, wir verhandeln noch über die Ablöse. Oder auch nicht. Oder ich verhöker den ganzen Kahn hier an den Meistbietenden.
[ ¶ ]
Und vergessen Sie nie, wo Sie »Outloggistan« zum ersten Mal gelesen haben!

Link   |   12 Kommentare   |   jetzt kommentieren





pixel
Ubergang

Link   |   unkommentiert   |   jetzt kommentieren





pixel
Alte Liebe: Mr. Bad Guy

Okay, der ei-gent-liche Grund, warum ich regelmäßig (Dauerkarte, Block W17) zu Hannover 96 ins Niedersachsenstadion gehe, ist ja nicht die spielerische Qualität des auf dem Rasen Dargebotenen (ha, das kann einem nun keiner vorwerfen!), sondern weil im Refrain der Stadionhymne nach der titelgebenden Refrainzeile »Sechsundneunzihig, alte Liebe« ein schleifender Old-School-Synthie-Streicher-Sound einsetzt, den ich ansonsten überhaupt nur einmal und dann nie wieder gehört habe, und nämlich auf dem ersten Freddie-Mercury-Soloalbum »Mr. Bad Guy« von 1985, das ich damals ― junge Menschen aufgemerkt!― auf MC besaß.

Am Schlagzeug damals übrigens Curt Cress. Im Block W17 in der Reihe hinter mir übrigens Daisy Duck auf Speed.


Link   |   1 Kommentar   |   jetzt kommentieren





pixel
»Wear Good Shoes: Advice to young photographers« [VIA ISO800]

Link   |   unkommentiert   |   jetzt kommentieren





pixel
Jan Rosenthal: bester 96-Torwart seit Andrzej Kobylanski.

Link   |   6 Kommentare   |   jetzt kommentieren





pixel
Das hier beschreibt sehr genau meinen aktuellen Bewusstseinszustand. [VIA TXT]

Link   |   4 Kommentare   |   jetzt kommentieren





pixel
»Waltz with Bashir« ist ein Film, der zeigt, wie uns Verdrängung sehr wohl über Wasser hält. Dass man aber nicht ein Leben lang auf See bleiben kann, sondern immer irgendwann wieder an Land muss (um mal im Bild zu bleiben). Ein beeindruckendes Dokument über die Aufarbeitung von Kriegstraumata und Kriegsverbrechen, dass eine tiefe Melancholie Traurigkeit verströmt.

Link   |   5 Kommentare   |   jetzt kommentieren





pixel
Kafka, Käfer, Kater

Ich habe einige Zeit meines Lebens mit der Interpretation und mit Interpretationen von Kafkas »Verwandlung« zugebracht. Aber Kingsley Amis' Deutung, über die ich erst jetzt und zufällig und nur beiläufig gestolpert bin, wonach das alles die (bestgelungene) literarische Verarbeitung eines tüchtigen Katers (im veisalgisch-toxischen Sinne) sei, erscheint mir bei näherer (ich möchte nicht sagen: nüchterner) Betrachtung als zunehmend flüssschlüssig und kaum mehr abwaschweisbar.

Link   |   unkommentiert   |   jetzt kommentieren





pixel
Wir waren schon mal besser

Das sehe ich ja jetzt erst: Hätte ich meine erste, verkatert im Kinosaal hingerotzte Wahlprognose vom 31. Oktober nicht kleinmütig kurz vor Schluss der Wahllokale noch wieder falschkorrigiert, hätte ich ja eine komplette Punktlandung hingelegt! Wieder mal Angst vor der eigenen Mutter Courage, bekanntlich die Mutter aller Porzelankisten...

Versprochen: Dies war der letzte Eintrag zum Thema Wahlprognosen für die nächsten 3,5 Jahre.

Link   |   5 Kommentare   |   jetzt kommentieren





pixel
Hannover 96: die Keintorhasen

Link   |   unkommentiert   |   jetzt kommentieren





pixel
An dieser Stelle könnte ein Text über die Nordischen Filmtage Lübeck 2008 stehen.

Link   |   12 Kommentare   |   jetzt kommentieren





pixel
Fahrenhorst 496: Das ist die Temperatur, bei der es im Strafraum anfängt zu brennen.

From Lowitz With Love: Hier gibt's viele Gastgeschenke / vom Vertreter von Robert Enke.

Link   |   4 Kommentare   |   jetzt kommentieren





pixel
Glück? Glück schafft nur eine neue Fallhöhe für noch mehr Unglück.

Link   |   1 Kommentar   |   jetzt kommentieren





pixel
Ein Quantum Bond

Dass James Bond mittlerweile zu einem Actionhelden neben vielen degradiert worden sei, ist gelegentlich bemängelt worden, beispielsweise von Peter Körte. Mir war Bond ja eigentlich immer eher zu albern, insofern mag ich die neue Craigsche Ruppigkeit ganz gern. Aber es stimmt: Früher, wenn Ihnen als hart arbeitendem amerikanischen Farmer plötzlich jemand die Wasserzufuhr kappte, um Sie und Ihre patente Schwester aus dem Bohnengeschäft zu drängen, haben Sie das A-Team gerufen. Heute können Sie sich, wenn Ihnen die Rechnung der Stadtwerke zu hoch vorkommt, auch direkt an 007 wenden. Als hätten wir nicht schon immer geahnt, dass die wahren Superschurken im banalen Alltag zu finden sind, um etwa den Wasserpreis in Bolivien zu verdoppeln (!). James Bond kümmert sich darum ― vermutlich, weil er es liebt, wenn ein Plan funktionert.

Außerdem hat er wohl, darauf wurde wiederholt angespielt, irgendein Problem mit seiner Vespa. Wäre mir persönlich ja egal, wenn ich so einen Aston Martin hätte.


Link   |   2 Kommentare   |   jetzt kommentieren





pixel
Nach der Wahl
(und nach der Prognose):

Landslide ― but no Spot Landing

[Updated Intro Nov15] 50 Staaten sowie das Disctrict of Columbia haben gewählt.1) Von diesen 51 Rennen wurden in der Dichtheit & Wahrung-Wahlprognose 49 Staaten korrekt in ihrem Ausgang vorhergesagt. Bei zwei Staaten lag die Prognose falsch: Indiana und North Carolina wurden hier für McCain gewertet, wählten aber mit hauchdünner Mehrheit Obama. 512 Electoral Votes wurden damit korrekt prognostiziert (blau dargestellt), 26 falsch (rot).

Es wurden hier 338 Electoral Votes für Obama (200 für McCain) vorhergesagt. Zugleich wurde darauf hingewiesen, dass die Prognose »Luft nach oben« eher für Obama als für McCain sehe. Das tatsächliche Ergebnis lautet nun 364:174. Die Prognose hat damit den Trend richtig vorausgesagt und in fast allen Staaten richtig gelegen. Sie hat die Dimension des Landslides erkannt; eine Punktlandung ist ihr allerdings nicht gelungen. [Ende Update]

[Altes Intro:] 50 Staaten sowie das Disctrict of Columbia haben gewählt. 48 Rennen hiervon sind ausgezählt bzw. gelten als entschieden. Alle diese Rennen wurden durch die Dichtheit & Wahrung-Prognose korrekt in ihrem Ausgang vorhergesagt. Obama wurden 338 Electoral Votes prognostiziert. Das ist der derzeit aktuelle Stand.

Drei Staaten sind allerdings noch too close to call: Indiana, North Carolina, Missouri. Alle diese Staaten wurden durch die Dichtheit & Wahrung-Vorhersage für McCain prognostiziert. In Missouri scheint sich dieser Trend zu bestätigen. In Indiana und in North Carolina zeichnet sich derzeit jedoch hauchdünne Mehrheiten für Obama ab.

Auch wenn diese drei Rennen für den Wahlausgang unerheblich sind, gilt es den Ausgang weiter zu beobachten, denn die D&W-Wahlprognose könnte nach den aktuellen Zahlen um 26 bis 31 Wahlmännerstimmen zu niedrig für Obama ausgefallen sein. Da die Prognose allerdings »Luft nach oben« eher für Obama als für McCain annoncierte, wäre sie auch dann in ihrem Trend bestätigt. (Diese Trendaussage bezog sich insbesondere auf North Carolina.) [Nachtrag: IN wurde soeben für Obama ausgerufen, NC und MO sind nach wie vor nicht entschieden. Obama hat damit 349 Wahlmänner.]


Abgesehen von North Carolina und Indiana ― die neben Missouri als die engsten Rennen galten und auch hier so eingeschätzt wurden ― kann man rückblickend sagen: Es war ein komplett überraschungsfreier Abend. McCain konnte keinen einzigen Bodengewinn machen, Obama zeigte keine Schwäche. Dass die Nacht trotzdem sehr inspirierend wirkte, lag zum einen an der puren operationellen Schönheit dieses politischen clean sweeps, die innerlich verdorbene Menschen wie mich mit romantischen Gefühlen durchrauscht wie andere ein farbenfroher Sonnenuntergang am Meer. Zum anderen lag es an der historischen Dimension dieser Wahl, die ja wie kaum eine andere mit Hoffnungen und Erwartungen verknüpft ist, die schon bald an der harschen politischen Wirklichkeit zerschellen könnten.

Was könnte dem künftigen Präsidenten die harte politische Wirklichkeit etwas einfacher machen? Klare Mehrheiten im Kongress. Die Prognosen amerikanischer Medien sind sich derzeit nicht einig, ob die Filibuster-sichere Senatsmehrheit von 60 Sitzen für die Demokraten noch möglich ist. Manche sehen die Republikaner bei 40, andere bereits bei 41 Senatssitzen. Die Demokraten stehen derzeit bei 56 Sitzen. Das macht drei bis vier noch offene Rennen. Die Republikaner haben bislang bereits fünf Sitze an die Demokraten verloren. Auch hier heißt es weiter abwarten.

Im Repräsentantenhaus ist das Verhältnis momentan 252 zu 172. Die Demokraten haben den Republikanern bislang 18 Sitze abgenommen. 11 Rennen sind noch unentschieden. Zudem wurden dem Trend nach voraussichtlich 7 demokratische und 4 republikanische Gouverneure gewählt.

McCain hatte ja auf den letzten Metern des Wahlkampfes noch versucht, die Angst vor der Ein-Parteien-Dominanz zu schüren. Wie meist war das auch diesmal die Strategie eines Verlierers: Wenn ich Euch schon nicht davon abhalten kann, demokratische Senatoren zu wählen, dann wählt doch wenigstens einen Republikaner zum Präsidenten. Warum nicht mich?

Obama hat zwar zwei Kriege, ein gigantisches Haushaltsdefizit, eine Finanzkrise und eine eigene Bowlingbahn geerbt, findet sich aber in einer von seiner Partei dominierten politischen Landschaft wieder. Das kann, muss aber nicht immer ein Vorteil sein. Zum einen wird er daran gemessen, inwieweit es ihm gelingt, das offenkundig nach wie vor gespaltene Amerika zu einen und sich auch mit dem konservativen Amerika zu versöhnen. Hierzu muss er präsidial und nicht parteipolitisch agieren. Auf der anderen Seite wird er sich jedoch nahezu unbegrenzten Begehrlichkeiten seiner eigenen Parteifreunde ausgesetzt sehen, die die güngstige politische Landkarte ausnutzen und manche Scharte der letzten Jahre auswetzen wollen. Das alles macht es nicht einfacher für Obama.
________
1) Missouri ist das neue New Mexico. Aus dem Staat gibt es immer noch kein amtliches Endergebnis, aber der (knappe) Vorsprung McCains ist seit 11 Tagen konstant, um nicht zu sagen: unverändert. Ich habe die Faxen jetzt dicke und erkläre MO für McCain, damit wir das Kapitel US-Wahl hier einmal abschließen können..

Link   |   unkommentiert   |   jetzt kommentieren





pixel
Election Night Fever (Live Version)

Dass man Schäfchen zählt, um einzuschlafen, aber wachbleibt, um Wahlmänner zu zählen, das gehört zu den Paradoxien des Lebens. Mein Live-Protokoll der Wahlnacht findet sich hier in den Kommentaren.

Link   |   5 Kommentare   |   jetzt kommentieren





pixel
Zum Geleit durch die Nacht

Zur Einstimmung für Live-Zuschauer der heutigen US-Präsidentschaftswahlen:

What To Watch For. An hour-by-hour guide to election night von Nate Silver.
Election Night Viewer Guide von Nathan L. Gonzales

Falls ich mich wach halten kann (mir fehlen immer noch etwa 72 Stunden Schlaf von den Nordischen Filmtagen...) und mein Zahnarzt-Termin um 18:00 Uhr nicht allzu brachial gerät, werde ich hier heute Nacht ein bisschen Live-Bloggen. (Mein Twitter-Experiment vom Super Tuesday ist gescheitert und wird nicht wiederholt.)

Link   |   6 Kommentare   |   jetzt kommentieren





pixel
Die Dichtheit & Wahrung Wahlprognose

Der Kutter: Electoral Vote Predictions (click to enlarge)

Die Dichtheit & Wahrung Wahlprognose für die US-Präsidentschaftswahlen 2008 steht. Der vorausgesagte Ausgang:

Barack Obama: 338 EVs ― John McCain: 200 EVs

Zu diesem Ergebnis kommt man, wenn man Virginia, Pennsylvania, Ohio, Florida, Colorado, Iowa, New Mexico und Nevada für Obama (blau) zählt. McCain (rot) sehe ich in Georgia, Indiana, North Carolina, Missouri, North Dakota, Arizona und Montana vorn.

Insbesondere Missouri und North Carolina sind eigentlich nicht ernsthaft zu prognostizieren, hier setze ich ausschließlich auf's Gefühl. Mit Florida sieht's kaum besser aus. Auch Indiana und selbst North Dakota sehen eng aus. Selbst Ohio ist wieder knapper geworden.

Dennoch wage ich auch diese Prognose: Sollte dieses Ergebnis so nicht eintreffen, sehe ich Luft nach oben eher für Obama als für McCain.

Link   |   2 Kommentare   |   jetzt kommentieren





Next page





Hier schreibt der Kutter.


 

Juli 2009
MoDiMiDoFrSaSo
12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728293031
Juni







pixel

© 2001-2009 Der Kutter.