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Nun kann ich, das sollte vielleicht vorweg geschickt werden, mit Science Fiction- und Fantasy-Stoffen nicht so arg viel anfangen, ich bin ein Wirklichkeitsspießer, und je größer der Abstand wird, den ein Text zur herrschenden Realität einnimmt, desto mehr entferne ich mich in entgegengesetzter Richtung vom Text. Insofern nimmt es nicht Wunder, dass ich bei Günter Hacks Roman »ZRH« nach und nach aus dem Buch gefallen bin, ohne dass ich deshalb zwingend etwas gegen das Buch sagen könnte. »ZRH« startet grandios, brilliert mit scharfsinnigen, scharfkantigen Beobachtungen zur Fotographie (sowieso ein Hack-Fetisch), zur Wahrnehmung, zur Marktwirtschaft, und man sagt sich: Dieses Buch ist nicht ohne Grund im gleichen Verlag erschienen wie die Werke Jean-Philippe Toussaints. (Oh ja, ich weiß, wie sich das anhört: ein Blogger wäscht den anderen, aber erstens bin ich davon überzeugt, dass Günter Hack immer tiptop frischgeduscht ist und keine kuttersche Handwäsche benötigt, und zweitens meine ich das mit Toussaint vollkommen ernst, vergleichen Sie selbst!) Nach und nach erkennen wir dann, dass wir uns statt in einer fernen Gegenwart in einer nahen Zukunft befinden, wir lernen etwas über künftige genetische Identifikationsverfahren, über Migration und Abschottung, über ein neues, bestechendes Geschäftsmodell für die Schweiz (Leasing-Kantone, sapperlot!) und dessen Nutzen für deutsche Exilzahnärzte (allein dieses Wort!), und ich denke mir: Wenn Science Fiction uns erlaubt, einen kleinen Schritt von der Gegenwart zurücktreten, um das Bild vor uns deutlicher erkennen können, dann ist dagegen doch eigentlich gar nichts zu sagen. Ich fühle mich an William Gibsons letzte zwei Romane erinnert, »Pattern Recognition« und »Spook Country«, von denen ich zwar weiß, dass Hack sie nicht besonders schätzt, ich dafür aber durchaus. Da haben wir also einen spezialisierten, klugen, unter Unwohlsein leidenden Nobody mit einem ausgeprägten Sensorium, der unter sanftem, aber festen Druck zum Detektivspielen in kulturhistorischer Mission gedrängt wird, und allein die Idee, den Protagonisten nach jenem Film suchen zu lassen, der beim Dreh von »Blow Up« in David Hemmings Kamera steckte, ist ein gottverdammter Jahrhunderteinfall. Und Hack schafft spielend, was Gibson schon länger nicht mehr gelingt: den Blick auf das zu schärfen, was unsere Zeit prägt und treibt, was unter der Benutzeroberfläche der Städte pulst. Letzteres wird dann schließlich allzu wörtlich genommen: dunkle Mächte, schwarze Zünfte, Beschwörung der Toten, Risse in der Stadt, seltsame Materie, Swiss Life, und phew, hier bin ich raus. Ich will nicht sagen, dass das Finale kein Erlebnis ist: Hack entfesselt die Apokalypse mit allen ihm zur Verfügung stehenden sprachlichen Mitteln, und das sind so einige, das sind sogar etliche, er lässt die Hölle los auf Zürich, dass man sich fragt, was die Stadt ihm angetan haben könnte, als er noch dort lebte, man ahnt, dass er froh ist, dort rechtzeitig herausgekommen zu sein. Das tosende, tobende Ende ist ein Erlebnis, ein expressionistischer Untergangsrausch (entweder das, oder ich habe alles falsch verstanden, auch das kann durchaus sein), aber es tost und tobt an mir vorbei. Vielleicht bin ich zu sehr dem bürgerlichen Realismus verfallen, vielleicht sogar dem sozialistischen Realismus, beschimpfen Sie mich ruhig. Aber dann kommt die letzte Szene, bei der ich mich kurz fragte, ob hier nicht die Himmelspforten weit aufgestoßen werden, ob wir uns hier wirklich noch an der schweizerisch-deutschen Grenze befinden oder nicht doch schon am Bühneneingang des Naturtheaters von Oklahama, oder nein: von Alabama, an der Owl Creek Bridge, ich dachte kurz an »Den brysomme mannen«, aber letztlich blieb ich ratlos, weil in diesem Sturm mein bewährtes Werkzeug einfach versagte, das versagt sogar bei dieser gutgelaunten Diskussion, ich verstehe kein Wort, längst keine Anspielung mehr, und so muss es wohl und dann eben sein, und niemand, keiner, nichts wird mich je wieder ans Echolot der Tiefenhermeneutik ketten. I will die with both of my hands untied!
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Sie hat 'nen Hüftschwung wie ein Gelenkbus.
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XXXIV. Lieferung Als ich auf dem Zürcher Flughafen durch die Handgepäckkontrolle hastete, weil ich wegen winterbedingter Verspätungen meinen Anschlussflug nach Luxemburg zu verpassen drohte, hätte ich fast einen Zwischenfall ausgelöst, gegen den sich das Münchner Laptopgate wie die Brandschutzübung einer Dorfgrundschule ausgenommen hätte. Und das alles wegen eines Einmachglases Foies Gras (120g). Dass ich meine Haut- und Haarpflegeprodukte, die ich statt in einem schönen Reisenecessaire nun in Ziploc-Beuteln durch die Gegend transportiere, seit einiger Zeit präzise nach ml-Volumina durchrechnen und gelegentlich in kleinere Einheiten umfüllen muss, um der weltweit gültigen 1-Liter-Doktrin genüge zu tun, ist das eine. Aber wenn jetzt auch noch der schöne Brauch des Reisens mit Pasteten in Frage gestellt wird, haben die Terroristen gewonnen.
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Wieder zurück von da, wo einem, fünf Sekunden nachdem man die Hütte verlassen hat, die Nasenhaare festgefroren sind, so dass sie mit einem kleinen Stups auf die Nase einfach abbrechen und herausfallen. So geht da draußen in den Wäldern Metrosexualität. Web 2.0 erledigt da noch der Briefträger mit dem XC70. (Wie bitte? Hier lag auch Schnee? Pah! Schnickschnack!)
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Ich wünsche bis auf weiteres ein schönes neues Jahr.
Jetzt aber echt, und keine weiteren Verzögerungen: Outloggistan!
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Fröhliche Vorweihnachtszeit: Die Büros der Kollegen sind verwaist, das Telefon steht still. Und selbst der Spam ist weniger geworden, ja fast zum Erliegen gekommen.
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Hannover 96 ging heute bei sibirischen Temperaturen (-15° im Niedersachsenstadion; nur drei Grad wärmer als in Nowosibirsk) durch zwei Tore von Jan Schlaudraff früh gegen den VfL Bochum in Führung. Der letzte 96-Spieler, dem zuletzt zwei Treffer in einem Spiel gelungen sind, ist Karim Haggui. Trotzdem wurde das Spiel am Ende mit 2:3 verloren. Immerhin musste 96 die Gegentore diesmal nicht selbst schießen.
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![]() [DEMNÄCHST HIER, SOBALD NEUE WORTE EINGETROFFEN SIND: BEOBACHTUNGEN VON DEN NORDISCHEN FILMTAGEN 2009, GEDANKEN ÜBER BUSINESS PUNKS, BETRACHTUNGEN ÜBER DIE MASSENLAGERUNG VON MP3-FILES, ERINNERUNGEN AN JÖRG SIEVERS' KASTEN UND REFLEXIONEN ÜBER DEN BEGRIFF DER GIER. BIS DAHIN: SENDEPAUSE! OUTLOGGISTAN!]
Heute, am 6. Dezember, feiern wir einmal mehr den St. Nikolaus, der heilig gesprochen wurde, weil er einst einen amtierenden Kanzler nicht mit Titel ansprechen wollte und es auch sonst an branchenüblicher Elastizität hatte mangeln lassen. Zur Erinnerung an diesen groben Zeitgenossen spielen wir unseren Nächsten auch heute noch gern kleine Streiche am 6. Dezember, indem wir ihnen beispielsweise Zahnpasta unter die Türklinke schmieren oder irgendwelchen schmelzbaren Kram in die Stiefel stopfen.
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Protextbewegung?? Also, dass es Leute gibt, die die Sprache anschaffen gehen lassen, ist ja nichts neues; Stw. »ältestes Gewerbe« und so. Ich bin da auch gar nicht prüde. Aber dass die Sprachzuhälter jetzt schon 'ne eigene Gewerkschaft gründen, ist nicht ohne Ironie. Und so Anmachschnacks wie »Profitext« werden unzweifelhaft im selben Kreis der Hölle getextet wie die Stellenanzeigen, in denen einem in ehrabschneidender Weise zur Last gelegt wird: »Sie verfügen über eine flotte Schreibe.«
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Flotte Bienen sind mir lieber.
Vorschlag zur Güte: Nikolaus Brender geht zur Thüringer Allgemeinen, Sergej Lochthofen wird Chefredakteur des ZDF, fernseherfahren ist er ja.
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Liverpool F.C. hin, FC St. Pauli her, vom Robert-Enke-Gedenken ganz zu schweigen: Erst seit ich einen kleinen Hund habe, der regelmäßige Entleerung verlangt (in Fachkreisen: »walkies«; kleiner Hund hat walisische Wurzeln), verstehe ich die wahre Bedeutung von »You'll never walk alone«. [ ‡ ]
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Man kann es den Fernsehsendern vermutlich nicht vorwerfen, dass sie die immer gleichen Bilder zu den immer gleichen Berichten zusammenschrauben. Ein Bäcker erfindet ja auch nicht jeden Tag den Brotteig neu. Als ich aber den gestrigen Mittwoch krankheitsbedingt durchgehend (oder eher: durchliegend) in der Waagerechten und mit der Fernbedienung in der Hand verbrachte, ließ ich geschätzte dreißig Berichte verschiedenster Sender über den Tod von Robert Enke und über die Pressekonferenzen seiner Frau und des DFB an mir vorbeiziehen. [Ich kann mir an dieser Stelle die Platitüde nicht versagen, dass auch mich dieser Tod sehr erschüttert hat. Mit Robert Enke verbinde ich große Samstagnachmittags-Emotionen, enthusiastische, euphorische, bisweilen ekstatische Reflexe auf die erstaunlichen Reflexe dieses begnadeten Torwarts (ich habe eine Dauerkarte von Hannover 96); für Enkes menschliche Art und sein Auftreten empfinde ich zugleich große Wertschätzung, und dass das derzeit alle sagen, macht es ausnahmsweise mal nicht weniger wahr.] Dass aber nahezu jeder einzelne Bericht über diesen betrüblichen Tag nicht nur gleich aussah (Schnipsel der beiden PKs mit Archivmaterial über Enke auf dem Platz und privat mit Hunden), sondern auch unisono mit Fetzen nahezu identisch klingender, kitschtriefender Solo-Piano-Musik in Moll unterlegt wurde (oft erkannte ich Yann Tiersen, dann Debussy, dann Zbigniew Preisner, überhaupt viel auf Affekt getrimmte Filmmusik), zeigt, wie wenig das Fernsehen seinen Zuschauern und meinethalben auch seinem eigenen Handwerk zutraut, wenn es jeden noch so für sich selbst sprechenden Augenblick durch den Einsatz extradiegetischer Musik mit extraviel Pathos aufblasen zu müssen glaubt. Und im Radio war es, wie mir berichtet wurde, nicht besser. Wie formatiert ist unsere Wahrnehmung von einschneidenden Ereignissen, wie formatiert sind unsere Wege, davon zu erzählen, darüber zu berichten, wenn zwölf Sender besinnungslos den gleichen Kleister anrühren, als ob man sich abgesprochen hätte? Wie sehr wird hier eine öffentliche Trauer zur bloßen, erbärmlichen Konfektion verhunzt? Und dann, wenn der Tag geht und man sich nicht mehr wehren kann, kommt auch noch der Kerner, und plötzlich wünscht man sich nur noch eines: Dass er sich, ob er es kann oder nicht, einfach ans Klavier setzt und ein paar verhaltene Moll-Akkorde spielt, solange er dabei bittebitte bloß die Klappe hält. Aber natürlich kommt es anders.
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(Am Vorabend, als der Schock noch frisch war: Flickering Lights auf den Kanälen)
Da ich jetzt so langsam damit anfange, SMS zu schreiben (seit etwa einem Jahr), vermute ich, dass ich schon in ca. zehn bis 15 Jahren den Reiz von Twitter entdecken werde. [Ich war immer und bin bis heute ein Early Adopter in Vereinzelungstechnologien (iPod, &c.), aber ein Extremely Reluctant Adopter, ja fast schon ein Persistent Avoider, wenn es um Dinge geht, die mich mit anderen Menschen in Kontakt bringen sollen oder wollen.]
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Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu öffnen.
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Ich weiß zwar noch recht genau, wo ich war und was ich gemacht habe, als die beiden Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers flogen. In jenem Moment, von dem viele heute behaupten, sie hätten damals sofort begriffen, was er bedeuten würde (asymetrische Bedrohungslagen, Krieg gegen den Terror, neue Weltordnung), dachte ich als erstes: Wow, zwei Flugzeuge, zwei Türme, wie statistisch unwahrscheinlich ist das denn bitte? Aber ich hatte auch keine Zeit, mir oberschlaue Gedanken zu machen. Während die Kollegen sich in meinem Büro versammelten, weil ich einen Fernseher hatte, und mit staunendem Entsetzen die Live-Übertragung aus New York verfolgten, musste ich noch einige Deadlines schaffen und hackte im Last-Minute-Rush in die Tastatur. Ich dachte kurz an Zugunglücke und Flugzeugabstürze und Seilbahnrisse und Wirbelstürme und Hochwasser und daran, dass sich auch dieses zugegebenermaßen recht unwahrscheinliche, ja direkt spektakuläre Unglück schon irgendwie in den permanenten Flow der Katastrophenmeldungen einfügen und mit diesem schon bald wieder aus meiner Alltagswahrnehmung herausgewaschen werden würde. Ich erinnerte mich an seltsame Betroffenheitsbekundungen, die mir einen Tag nach dem Zugunglück von Eschede auf einem Supermarktparkplatz in Schleswig entgegengebracht wurden, weil ich aus einem Auto mit Celler Kennzeichen stieg, daran, dass Mitgefühl so eine beliebig abrufbare Ressource zu sein schien, die sich mehr auf das eigene Sensationsempfinden als das auf Unglück von Opfern zu richten schien. Ich erinnerte mich daran, dass vor ein paar Jahren ein Flugzeug in den Niederlanden in einen Vorort gestürzt war. Nach dem »heute journal« mit bestürzenden Bildern vom blaulichtblinkenden Chaos am Unglücksort zeigte das ZDF programmgemäß einen mittelmäßigen Zeitreise-SciFi-Film, der allerdings in der Gegenwart beginnt: Ein Flugzeug stürzt in ein Wohngebiet. »Wer war der erste am Unfallort?«, will ein Ermittler inmitten des blaulichtblinkenden Chaos wissen. »Der Pilot«, witzelt jemand. In diesem Moment haben auf dem Mainzer Lerchenberg mit Sicherheit ein paar Herzen ausgesetzt, dachte ich mir. Was man halt so denkt in einem Moment, in dem dem Rest der Welt schlagartig bewusst geworden sein will, dass ab sofort nichts mehr so sein würde wie zuvor. Mit anderen Worten: Ich relativierte die Fernsehbilder, die, wenn ich gelegentlich mit genervtem Blick von meinem Monitor aufsah, zwischen den Schultern der Kollegen aufflimmerten, konsequent und effizient weg. Sollten sie doch gucken wie die Gaffer auf der Autobahn, das würde in den nächsten Stunden und Tagen eh noch oft genug wiederholt und zusammengefasst werden, die ARD bereitete bestimmt schon einen »Brennpunkt« vor oder so, ich jedenfalls war Profi und würde meine Deadlines nicht verpassen wegen... hallo, ist da gerade jemand aus dem Fenster gesprungen?
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Aber wo ich war, als vor 20 Jahren die Mauer fiel oder der Grenzübergang Bornholmer Straße geöffnet wurde? Ich habe keine Ahnung. Vermutlich zuhause, im Großraum Hannover, oder was trinken, ebd. Habe ich sofort von diesen Ereignissen welthistorischen Ausmaßes erfahren und sie selbstverständlich flugs in den richtigen, bedeutungsvollen Kontext gestellt (»Jetzt ist der 2. Weltkrieg zuende«, S. Aust), oder habe ich erst später davon gehört, gar am nächsten Tag? In diesen Tagen liest man wieder oft den Satz: So wie sich unsere Eltern immer daran erinnern werden, wo sie während der Mondlandung waren, so würden wir uns immer an den Tag des Mauerfalls erinnern. Aber ganz ehrlich: Ich habe keine Erinnerung an diesen Tag, diese Nacht, den Tag danach. Ich erinnere mich daran, wie ich irgendwann am Küchentisch meiner Eltern saß und eine dieser »Wahnsinn! Wahnsinn! Wahnsinn!«-Reportagen im Radio hörte. Menschen trommelten auf unschuldige Trabi-Dächer ein. Jetzt kamen sie alle rüber. Aber da war das alles schon ein, zwei Tage im Gange. Was davor gewesen ist? Einfach ausradiert.
Seit jeher schreiben Menschen an einschlägige Briefkastenkolumnisten verschiedener Zeitschriften, weil sie sich von ihnen Trost und Rat in praktischen oder spirituellen Lebensdingen erhoffen. Heute bemühen sie auf ihrer Suche nach Wahrheiten und Handreichungen verstärkt das Internet und insbesondere Google, und oft landen sie dann in der Folge auch auf diesen Seiten. Grund genug, die drängendsten Fragen der hier ratlos an die Tür klopfenden Internetpassanten künftig kompetent, diskret und regelmäßig zu beantworten.
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Search request: Interview von mir — Ein schwieriger Start. Wer ist »mir«? Da ich nicht weiß, wer Sie sind, kann ich Ihnen nicht helfen. Bitte präzisieren Sie künftig Ihre Suchanfragen, indem Sie Ihren Namen und eine vollständige ladungsfähige Anschrift angeben. Search request: der mann der yngve liebte — Diese Anfrage ist hier mehrfach eingegangen, in verschiedenen Variationen und mit Ergänzungen wie »wiederholung«, »musik«, »dvd« und »hannover«. Nun, zu letzterem kann ich sagen: Niemand in Hannover hat diesen Film (»Mannen som elsket Yngve«) öfter gesehen als ich. Die deutsche Synchronisation ist unschön. Ich habe die famose Soundtrack-CD von lieben Menschen aus Norwegen geschickt bekommen und im letzten Jahr zwei der Hauptdarsteller persönlich getroffen. Einer von ihnen ist sehr unhöflich. Ich hoffe, diese Informationen helfen Ihnen weiter. Search request: rainer kleemann — Was nur wenige Menschen wissen: Wenn Sie sich Christian Petzolds hervorragenden Film »Yella« anschauen, der mich übrigens an vielen Stellen immer mehr an Antonionis »L'eclisse« erinnert, können Sie in einer der Verhandlungsszenen ein großartiges Bild von Rainer Kleemann im Hintergrund sehen (in unserem Bild oben links angedeutet; im Vordergrund: Striesow & Hoss). Achten Sie mal drauf! ![]() »Yella« von Christian Petzold (Foto: Verleih, © Hans Fromm) Search request: die weißen tauben sind möwen — Bei ornithologischen Fachfragen hätte ich Sie gern zu einem geschätzten Blogger-Kollegen überwiesen, aber der hat sein Blog immer noch abgesperrt, der Hund. Search request: "Moritz kielbassa" — Eine gute Wahl! Sportredakteur der Süddeutschen Zeitung und neben, eigentlich sogar vor Christoph Biermann der beste Fußballtaktikerklärer im deutschen Sportjournalismus. Grüßen Sie ihn von mir, wenn Sie ihn gefunden haben! Search request: "identität ändern" — Ich verstehe, was Sie daran reizvoll finden: Gesichtsoperation, Pass auf den Namen »Gonzales«... Aber wenn Sie mal die »Bourne-Identität« gesehen haben, dann wissen Sie, dass das nur Scherereien gibt. Und wenn Sie Pech haben, haben Sie auch noch zwei Sequels am Hals und Franka Potente muss sterben. Das kann keiner wollen! Überlegen Sie es sich also lieber noch einmal, bevor Sie überstürzt zum Einwohnermeldeamt schlendern. Search request: "gründe für irische folklore" — Mir fallen beim besten Willen keine ein. Gut, wenn Sie sich als anständiger Ire heimlich auf den Feldern hinter irgendwelchen Hecken vor den britischen Besatzern verstecken mussten, um Ihre gälische Heimatsprache zu erlernen, dann mag das erklären, warum Sie im weiteren Verlauf Ihres irischen Lebens zu einer gewissen Nervosität neigen werden. Warum sie aber deshalb unentwegt nervös auf Ihrem Instrument herumklöppeln oder -fiddeln müssen, ist mir dennoch nicht klar. Search request: "maßanzug hohlkreuz" — Ich verstehe Ihre Sorgen, aber ich kann Sie beruhigen: Es gibt keine einschlägigen Studien, die belegen würden, dass Maßanzüge Hohlkreuze verursachen. Lassen Sie sich also nicht bange machen und tragen Sie Ihre Anzüge weiterhin mit Stolz und Würde. Search request: "starker charakter gehirnwäsche möglich?" — Im Prinzip schon, aber nur bis 30 Grad waschen, sonst verfilzen die Synapsen. Sind Sie sich überhaupt sicher, dass Ihre Frau einen starken Charakter hat? Vielleicht ist sie bloß zickig. Dann hilft meist auch Alkohol. Search request: "fleisch schlager maschine" — Was immer für ein Gerät das ist, schicken Sie mir bitte eines zu Testzwecken zu? Search request: "ich möchte mit dir reden" — Wenig ist bislang darüber gesprochen worden, es ist ein Tabu-Thema, das meist nur hinter vorgehaltener Hand behandelt wird: Immer mehr Menschen verlagern ihr Streben nach Austausch und Gemeinschaft in das Reichen der Zeichen und Pixel (vulgo: Internet), Stichwort social web, Web Zwonull &c pp. Die Dunkelziffer der betroffenen Personen ist wie immer beträchtlich! Dass Sie sich in Ihrem Sehnen nach Gesprächen nun an Google wenden, ja dieses nachgerade um Rückäußerung anflehen, mag da zunächst folgerichtig erscheinen. Aber ist eine Suchmaschine dafür wirklich der richtige Ansprechpartner? Hat Google etwa schon mal geantwortet? Ist Google vielleicht der HAL 9000 unserer Zeit? Das würde mich mal interessieren! (Und was macht eigentlich Findulin?) Search request: eine Banane in den Auspuff gesteckt — Hören Sie, ich weiß genau, was Sie mit dieser phallischen Metaphorik andeuten wollen, und ich kann Ihnen nur raten: Treiben Sie Ihren analfixierten Schweinkram gefälligst irgendwo anders! (»Auspuff«, also wirklich...) Haben auch Sie eine Frage an Dr. Kutter? Schreiben Sie sie auf und werfen Sie sie bei Google ein. Oder schreiben Sie eine Mail an kutter (at) der (minus) kutter (punkt) de. [nach Diktat verreist]
Acht 1l-Flaschen Uludağ Gazoz aus dem Lale Market geschleppt, die Party kann steigen. (Der beste Glutamat-Aufschäumer auf dem Planeten. Ich glaube ja immer noch, dass man aus den Grundstoffen auch Bremsenreiniger herstellen kann.)
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Dieser Mann reimt »Achtundsechzig« auf »mein Vermächtnis«, und er heißt nicht Oskar Negt (bewegt sich aber ähnlich grazil, wie ich als alter Negt-Hörer bestätigen kann).
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KUTTER: Vor einigen Jahren kündigten Sie hier eine Reihe von Gesprächen mit sich selbst an. Wie so viele Ankündigungen blieb auch diese uneingelöst.
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— KUTTER: Richtig. Weil Sie nie Zeit haben. Vielleicht auch deshalb, weil Sie die beiden bisherigen Gespräche ( 1 | 2 ) nicht als geglückt betrachten? — Glück ist keine Kategorie, die uns hier sehr weiterhilft. Es geht schon wieder los! Herr Kutter, Sie haben dieses Gespräch anberaumt, weil Sie etwas loswerden möchten. — Ich habe, mein Lieber, dieses Gespräch gewährt. Schön, schön. Als Sie uns von der Gewährung dieses Gesprächs in Kenntnis setzten, erwähnten Sie, dass vor zwanzig Jahren die einschlägigen Montagsdemonstrationen einsetzten, die das Ende der DDR einläuteten und der Wiedervereinigung den Weg bereiteten. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann wollen Sie das jetzt auf Ihre Kappe nehmen? — Es hat keinen Sinn, länger zu schweigen. Man muss die Verantwortung für seine Taten tragen. Mannhaft zu dem stehen, was man getan oder auch wozu man durch Unterlassung beigetragen hat. Das ist jetzt aber nicht wieder so eine Aktion wie damals, als Sie behaupteten, Sie hätten die Kampa '98 erfunden? — Nein, wobei auch das stimmt. Herr Müntefering-- Sie haben ja auch schon erklärt, Sie hätten den Wechsel von Klaus Toppmöller zu Hannover 96 verhindert. — Fast richtig. Es ist schon ein paar Jahre her, und es gibt dazu einen interessanten Briefwechsel zwischen dem Präsidenten von Hannover 96, Martin Kind, und mir, in dem ich-- Sie reklamieren auch nach wie vor die Urheberschaft des Ash-Songs »Shining Light« für sich? — Hah! Eben kein Ash-Song, sondern ein Kutter-Song! Ich habe ihn 1992 geschrieben, an jenem historischen Tag, als Hannover 96 den DFB-Pokal gewann. Dafür gibt es Zeugen, die-- Wenn wir Sie richtig verstanden haben, geht auch die Partnerschaft von Robbie Williams und Stephen Duffy auf Ihr Konto? — Richtig, aber jeder, wirklich jeder, der sich Duffys Album, »Keep Goin'«, und insbesondere die zweite Hälfte hiervon mal in Ruhe angehört hat, hätte da von selbst drauf kommen können. Jetzt kann man sie ganz bequem beide zusammen wegignorieren statt wie bislang einzeln. Sehr interessant. Sie haben Stephen Duffy ja einmal sehr treffend als »Inhaber des James-Taylor-Lehrstuhls an der Ralph-McTell-Gesamtschule« bezeichnet. — Gut, nicht wahr? Und an dieser Schule geht selbst ein Bubi wie Robbie Williams noch als übler Pausenhof-Schläger durch! Ich bitte Sie, welcher erwachsene Mann nennt sich schon »Robbie«? Robbie Coltrane? Robbie Keane? — Pfff. Aber vielleicht sollten wir doch auf das Ende der DDR zurückkommen, dessen jetzt allenthalben gedacht wird. Was genau hatten Sie denn jetzt damit zu tun? — Ach. Ach je. Wir wussten nicht, was wir taten. Wir waren jung, wir hatten keine Ahnung, in was wir da reingeraten waren. Und was wir auslösen würden. Vielleicht sollten wir an dieser Stelle etwas tiefer einsteigen. Sie sagten »wir«. Wer ist »wir«? — Machen Sie jetzt einen auf Beckmann? Machen Sie jetzt einen auf Schmidt? — Um Himmels willen. Also, knallhart nachgefragt, wer war »wir«? — Dazu möchte ich, zum Schutze der Betroffenen, nichts sagen. Mir menschlich nahestehende Personen. Mit einem von ihnen habe ich später einen Song geschrieben, der Jahre später von der britischen Band Ash geklaut wurde und-- Könnten wir bitte zum Thema zurückkehren? — Klaus Toppmöller? Die Montagsdemos. — Selbstverständlich. 1988 begannen wir, eine kleine Delegationsreise in die DDR zu planen, gemeinsam mit der FDJ-Reiseorganisation Jugendtourist bzw. ihrem westdeutschen Ableger Hansatourist. Das ganze mit politischem Hintergrund. Besuch der Städte Dresden, Leipzig, Weimar, Cottbus und Magdeburg. Diskussionen mit Studenten und der FDJ, Besichtigung eines Wasserwerks in Cottbus. Ein Wasserwerk? — Haben Sie was gegen Wasserwerke? Nichts, was hilft. — Die Reise wurde mit großem zeitlichen Vorlauf für den Oktober 1989 terminiert. Und auch pünktlich angetreten. Mitten hinein in dieses Kuddelmuddel. Menschen marodierten auf den Straßen, wollten ein Ende der alten Ordnung. Honecker war auch schon weg. Mächtig großes Durcheinander. Tausende wollten ausreisen, legal, illegal. Wir sind unserer Reiseleiterin, die uns von offizieller Seite beigestellt worden war, ausgebüchst und haben auf eigene Faust Revolutionstouristen gespielt. Die Reisebegleiterin hieß übrigens Romy Schneider. Sah sie denn auch so aus? — Hmm? Wie wer? Wie Romy Schneider! — Fragen Sie mich jetzt gerade ernsthaft, ob Romy Schneider wie Romy Schneider aussah? Vergessen Sie’s. Erzählen Sie einfach weiter. — Einiges war uns sehr peinlich. An Warteschlangen vorbei ins Restaurant geführt zu werden, weil man privilegierter Gast war, das ist schon nicht schön. Und dann wurde morgens, mittags, abends zu jeder Gelegenheit Fleisch aufgefahren. Fleisch in rauen Mengen. Fleischberge, bis wir kein Fleisch nicht mehr sehen konnten. Fleisch, Fleisch, Fleisch! Immer nur Fleisch. Und Aufschnitt. Ich glaube, wir haben es verstanden. — Die wollten uns zeigen, dass es in der DDR keinen Mangel gab. Vor allem nicht an Fleisch. Warum auch immer gerade Fleisch. Es gab damals im Westfernsehen gelegentlich diese Reportagen über lange Warteschlangen vor Fleischereien. — Oh. Ah! Na gut, das erklärt es wohl. Die Schnitzel-Klemme, sozusagen, ja? Der Kotelett-Crunch, hehehe. Anyway. Jedenfalls gab es für uns beinahe rund um die Uhr Fleisch. Was vermutlich nicht direkt etwas mit dem politischen Wandel in Deutschland zu tun hat. — Darüber sollten einst die Historiker richten. Okay, was ich verstehe, ist dieses: Sie waren damals da. — Naja, sicher. Wovon reden wir denn die ganze Zeit! Und was haben Sie jetzt mit der Wende zu tun, mal abgesehen davon, dass Sie zur selben Zeit am selben Ort waren? — Wir waren in Weimar also gerade aus dem Restaurant gekommen, es gab übrigens Fleisch, ich glaube, es waren drei Sorten Fleisch und dazu jede Menge Soße... Wende, Herr Kutter! Die Wende! Gibt’s noch irgendwas zur Wende? — ... kommen wir also aus dem Restaurant und platzen direkt in eine Demo, die sich durch die enge Straße zieht. »Bürger Weimars, schließt Euch an!« rufen die Leute, und wir sind zwar keine Bürger Weimars, aber wir müssen zufällig in die gleiche Richtung, also finden wir uns plötzlich mitten in der Demo wieder. Aha. Sie sind also in einer Demo mitgelaufen. — Genau! Aber schon lange vorher hatte die DDR-Spitze immer wieder behauptet, die Oppostionsbewegung werde vom Westen angeleitet. Was ja in totalitären Gesellschaften keine sehr originelle Unterstellung ist. — Nicht? Nein. — Mag sein. Ach so, meinen Sie etwa... das war auf Sie gemünzt? — (lächelt undurchdringlich) Quatsch mit Soße, Herr Kutter. Das ist doch völliger Unfug! Sie tapern da in der Gegend rum, und wenn das »Neue Deutschland« schreibt, der Westen ist schuld, dann fühlen Sie sich angesprochen, ja? Das ist doch Blödsinn! — (lächelt undurchdringlich) Sind Sie sich da ganz sicher? Ach, jetzt hören Sie doch auf! Das hatte doch nichts mit Ihnen zu tun! Ich bin um fünf Uhr morgens für dieses Gespräch mit Ihnen aufgestanden, und jetzt erzählen Sie mir hier so einen Käse! — Käse? Und wieso war in der Zeitung dann ein versteckter Hinweis nur für uns? Am nächsten Tag stand nämlich im »Neuen Deutschland«, dass die Disko bei uns zuhause in der gleichen Nacht abgebrannt sei. Das ist doch kein Zufall! Sondern? — Das frag ich Sie! Der Verlust Ihrer Disko scheint Ihnen ja ganz schön zugesetzt zu haben... — Jetzt sparen Sie sich mal Ihre sarkastische Tour! Das war eine eindeutige Drohung: Wir wissen, wo Ihr wohnt, wir wissen, wo Ihr herkommt. Das war die letzte Wohnung, das nächste Mal sterben Menschen! Wohnung? — Sagte ich Wohnung? Ich meinte Warnung. Also gut. Einmal vor 'ner Demo hergelaufen. Das ist also Ihre große Revolutionserfahrung, Herr Kutter? — Ähm. Also, da war ja nicht nur diese Demo. Da war ja auch... Stop, stop, stop, Herr Kutter, jetzt mal halblang. Wissen Sie, woran mich ihre Geschichte hier erinnert? An einen Artikel heute in der F.A.Z. [PAY CONTENT], von einem Jan Noeventhien. — Kann es sein, dass Sie mir unterstellen wollen, dass ich mir das alles nur ausdenke? Kann es sein, dass Sie einfach nur das nachquatschen, was Sie heute morgen schnell noch in der Zeitung gelesen haben? Weil Sie unser Gespräch verschwitzt haben und nicht wussten, was Sie hier erzählen sollten? — Wie war der Name? Nœventhien? Ach, Herr Kutter, bitte! — Jaja, der Noeventhien... der war damals auch mit dabei. Ein notorisch unzuverlässiger Zeitgenosse, das kann ich Ihnen mal sagen. In der Frankfurter, ja? Na, das passt zu diesem Tweedspießer. Wer auch mit dabei war, ist übrigens Christian Rickens. Eine interessante Schilderung der Reise finden Sie im Vorwort seines Buches »Links! Comeback eines Lebensgefühls«. Sollten Sie mal lesen! (schüttelt den Kopf.) Wie auch immer. Was Sie uns hier heute auftischen, scheint jedenfalls nicht Ihre Behauptung zu erhärten, dass Sie das alles ausgelöst hätten. — Was ausgelöst? Ende der DDR? Wiedervereinigung? — Nein, natürlich nicht. Sie können mir doch nicht alles anhängen! Aber sagten Sie nicht, dass... — Wussten Sie übrigens, dass ich einer der geistigen Väter der Kampa '98 bin? Dann haben wir Gerhard Schröder also auch Ihnen zu verdanken? — Schnippisch! Sie sind schnippisch! Aber während des tatsächlichen Wahlkampfs war ich nachweislich woanders. Da haben Sie vermutlich »Shining Light« geschrieben. — Nein, das war 1992, als Hannover 96 den DFB-Pokal gewonnen hat. Sie erwähnten es. — Von mir ist aber nur die Musik. Für den Text dieser Dreikäsehoch-Combo übernehme ich keine Verantwortung! Wie für so vieles nicht. — Ich hab mal in einer kleinen Werft bei einem Boot, so einer alten schwedischen Yacht, das Anti-Fouling erneuert. Das ist so eine dunkelrote Masse, die den Rumpf eines Schiffes, na, ich will Sie hier nicht mit nautischen Details langweilen. Dieses Zeug ist mir dabei kreuz und quer über die Hose gelaufen. Auf dem Rückweg musste ich durch eine Autobahnraststätte in deren Sanitärbereich. Auf der Toilette lief Radio, »Shining Light«. Immer wenn ich das höre, werde ich stinksauer. Also nicht nur einfach stinksauer. Sondern so richtig STINKSAUER!! Danach bin ich mit Psychopathenblick und einer blutrot-besudelten Hose wieder zurück durch den Gastraum gestapft. Die Leute haben mich angeschaut, als wäre ich der Axtmörder. Ja, wir kennen diesen Blick. — Mann, von den Tantiemen für diesen Song hätte ich meinen aufwändigen Lebenswandel sicherlich ein, zwei Jahre finanzieren können! Herr Kutter, warum schreiben Sie all Ihre angeblichen Wunderhits eigentlich nie auf? — Ach, dann stapeln sie sich irgendwo herum. Ich reise schon mit genug Papier. Wenn ich einen Welthit brauche, schreibe ich mir schnell einen neuen. Ratzfatz geht das, so locker aus dem Handgelenk. G-Dur, und der Rest kommt von allein. Ich wünschte, aus diesem Talent hätte ich mal was gemacht. Oder aus irgendeinem anderen. — Erinnert sich hier eigentlich noch jemand an Milos Djelmas? (seufzt.) Herr Kutter, wir sollten uns ernsthafte Gedanken machen, ob dieses Interviewformat wirklich sinnvoll ist. — (nickt.) Ja. Spätestens, seit Kai Diekmann das Format übernommen hat. Vielen Dank für das Gespräch. — Gestern habe ich übrigens wieder einen großartigen Song geschrieben, aber dann merkte ich, der ist schon von Peter Adams -- [Aufnahme bricht hier ab]
Woran erkennt man, dass die Nordischen Filmtage Lübeck vor der Tür stehen? Verlässlich an zwei Dingen: Wie jedes Jahr hat erstens der DFB mein Lieblingsderby ― der große HSV (von 1896) gegen den kleinen HSV (aus Hamburg) ― mal wieder auf das Festivalwochenende terminiert. Wenn das nochmal passiert, dann wird aus der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise tatsächlich eine, und zwar eine Schneise der Verwüstung, Freunde! Und meine Hausärztin hat mich zweitens mal wieder bis unters Dach mit Antibiotika ausgestattet, diesmal wegen eines, wenn ich richtig gehört habe, ich habe lieber nicht nachgefragt, »Bakterienrasens« in meinen Stirn- und Nebenhöhlen. Jetzt heißt es: Wettlauf gegen die Zeit, der Eröffnungsempfang ist Mittwoch abend, es sollen wieder alkoholische Getränke gereicht werden. Haben Sie sich eigentlich mal gefragt, warum Weblogs oft als »Internet-Tagebücher« bezeichnet werden? Wegen Belanglosigkeiten wie dieser.
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»Lieber 1 Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende!«, ruft mir der Hosenträgermann im Vorbeigehen zu, und ich denke mir: »Ja, lieber ein Haus mit Fenstern als Fenster ohne Haus.« Denn wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Und was jetzt kein Ende hat, wird niemals enden.
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XXXIII. Lieferung Sarrazin-Edition
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Und wieder einmal, wie schon bei Möllemann &al., erhebt sich eine Diskussion darüber, was man in Deutschland sagen darf und was man in Deutschland nicht sagen darf. Aber weil ich Herrn Sarrazin noch immer nicht mit Handschellen abgeführt und auf die Blumeninsel Mainau deportiert gesehen habe, stelle ich beruhigt fest, dass man offenbar auch heute noch jeden Unfug in Deutschland sagen darf, ohne dass man sich ernsthafte Sorgen über den Zustand der bürgerlichen Grundrechte machen müsste. Das ist nämlich Deutschland hier.
An dem Punkt angelangt sein, da fishing for compliments zu keinen messbaren Reaktionen mehr führt, so dass man gezwungen ist, den ganzen Fisch selbst an Land zu werfen.
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Als ich mich zu der ― zugegebenermaßen nicht sehr originellen ― These verstieg, Fernsehserien wie »The Wire« seien so etwas wie der 1.500-Seiten-Dostojewskij-Roman unserer Tage (ich hatte das natürlich nur irgendwo aufgeschnappt und hier wiedergekäut), hatte ich erstaunlicherweise vergessen, dass ich ja bereits einmal Aku Louhimies zum Tolstoi unserer Tage ausgerufen habe (und auch das weder als erster noch als letzter). Und tatsächlich lässt sich sein Meisterwerk »Paha maa« in seinem Versuch, die urbanen Abgründe Helsinkis in kubistischer Manier von allen Seiten betrachtend episodisch auszuerzählen, auch als ultrakomprimierter finnischer Bruder (oder von mir aus auch Schwippschwager) von »The Wire« lesen, falls man denn Brüder überhaupt komprimieren kann und sofern das legal wäre. [Tolstoi? Dostojewskij? Wovon redet dieser Mann ?! Vertragen sich seine Medikamente nicht miteinander oder nicht mit dem Whiskey, und warum spricht er plötzlich von sich in der dritten Person? Ein Glas für jede Person, haha!] Wie auch immer, versuchen wir nun die Kurve zu kriegen [und jetzt plötzlich erste Person Plural??], »Paha maa« ist erstaunlicherweise unter dem Titel »Frozen Land« als deutsche Kauf-DVD erhältlich, aber es lohnt sich, den Film im finnischen Original ohne Untertitel zu sehen. Er tut dann nämlich weniger weh. Falls Sie übrigens glauben, der Sinn sei stiften gegangen in diesem Text und Sie könnten's besser, dann machen Sie's doch besser und posten Sie Ihre Sinnstiftung gleich hier in den Kommentaren. Ich geh jetzt nämlich ins Bett.
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Heute vor einem Jahr in 101 Reykjavík:
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»To survive war you must become war« (J. Rambo)
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SAVE THE DATE, MEET THE KUTTER: Nordische Filmtage Lübeck vom 4. bis 8. November.
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FRÜHERE NFL-BERICHTERSTATTUNG BEI DICHTHEIT & WAHRUNG: 2008 | 2006/2007 | 2005 | 2004 | 2003
Normalerweise sollte man sich besser fühlen, wenn der Elektrosmog weg ist. Aber...
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