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![]() Früher, wenn ihm das Abendpublikum zu schlaumeierisch wurde, spielte Bernd Begemann auf seinen Konzerten gern Lieder wie "Aber Du meine Liebste bist die schönste Rose", ein Song, der zu Unrecht als Schlager verunglimpft wurde, zu Unrecht, weil er noch viel, viel schmachtender ist als Schlager, während er zugleich von "diesem Land ohne Würde" spricht, und die hornbebrillten Studenten verzogen sich erstmal an die Biertheke. Daran muss ich denken, wenn ich die neue Begemann-Platte »endlich« höre, die in einer sehr merkwürdigen Schwebe hängt zwischen, naja, lichtdurchflutetem Pop, für den Begemann, allen Missverständissen zum Trotz, und derer gab es viele, schon immer stand, und… ich will und werde jetzt nicht das Tot-Schlager-Argument bemühen, das sowieso immer falsch ist bei Begemann, aber da ist schon eine Menge Zuckerguss in die Fugen gespachtelt worden, in denen sonst das Abgründige und Verzweifelte haust. Der »elektrische Liedermacher« als elektronischer Liedermacher: Überall winken süssliche Synthie-Sounds und jede Menge fiepender und sproingender Gimmicks, weil sie gesehen werden wollen und weil man das jetzt halt so macht, wenn man keinen vernünftigen Song zur Hand hat — was bei Begemann wiederum noch nie das Problem gewesen ist und so auch diesmal nicht. Aber was rede ich, ich habe ja auch die Pet Shop Boys nie so richtig verstanden. Ach, natürlich ist es unnütz und blöd, dass man bei einem, der als Songwriter und Entertainer in seiner ganz eigenen Liga spielt, immer wieder anfängt, griesgrämig über Produktionsdetails zu nölen. Ich mag mich selbst nicht dabei, aber man würde sich und ihm, der sich in seinen Songs so exponiert wie kaum ein anderer, eben gern ein Jahrhundertalbum wünschen. Er ist eine der wenigen eigenwilligen Stimmen der deutschen Pop-Musik, im Studio scheint er trotzdem merkwürdig befangen, als ob er sich selbst covern würde. Wer ihn aber jemals auf einer Bühne gesehen hat, da wo er ganz bei sich ist und bei allen anderen, der hat eines für immer begriffen: Niemand singt, schreibt, spielt, niemand spricht wie Begemann. Das ist eine Gabe, vor der ich immer niederknien werde und für die sehr viele Menschen, die sehr viel bessere Platten gemacht haben als er, ihren rechten Arm hergeben würden. Und auch das würden wir uns und ihnen wünschen. |
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